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Ostmitteleuropa

"Ein Menschenleben ist für mich 10 000 Dollar Wert"

– In Polen werden jedes Jahr rund 100 Menschen von Berufskillern umgebracht

Posen, 17.11.2002, WOCHENZEITSCHRIFT WPROST, poln.,

In Polen werden jährlich etwa 100 Personen von bezahlten Killern umgebracht. Die polnischen Killer töten mit Hilfe von Kleinwaffen und aus geringer Entfernung oder sie legen Bomben. Die Russen und die Ukrainer bevorzugen "Kalaschnikows" oder Maschinengewehre für Scharfschützen. Die ehemaligen Soldaten der sowjetischen Sondereinheit "Specnas" bringen ihre Opfer durch sogenannte "Betonschuhe" um, oder sie benutzen dabei das sogenannte "Moskauer Gefrierfach", d.h. das Opfer erfriert in einer Kühlanlage und der Leichnam wird dann auf einen öffentlichen Platz gelegt. (...).

In Polen ist in letzter Zeit ein echter Markt für bezahlte Killer entstanden. Sie werden nicht nur von kriminellen Banden beschäftigt, um Rechnungen zwischen den miteinander konkurrierenden Bossen zu begleichen, sondern auch von Geschäftsleuten, die einen unbequemen Gesellschafter aus dem Weg räumen möchten. Bezahlte Killer werden aber auch bei den Auseinandersetzungen um ein Erbe sowie von rachsüchtigen Eheleuten eingesetzt. Die Beamten des Zentralen Ermittlungsbüros der Polizei schätzen, dass in Polen jedes Jahr mindestens 100 Personen von bezahlten Killern ermordet werden. Die Mehrheit der Killer befindet sich schon zwei oder drei Stunden nach einem Mord im Ausland.

Die bezahlten Killer sind normalerweise nicht Mitglieder einer Bande oder einer kriminellen Organisation. Der Auftraggeber kennt nicht einmal das Gesicht des Killers. Kontakt wird mit Hilfe von Vermittlern oder per Internet aufgenommen. Wenn der Killer einen Auftrag annimmt, bestimmt er auch selbst den Ort, an dem die Angaben und ein Foto des Opfers sowie Bargeld hinterlegt werden sollen. In diesem "Geschäft" wird immer im Voraus gezahlt.

In Polen sind ungefähr 20 Berufskiller tätig. Nur wenige von ihnen sind Polen. Die Mehrheit bilden Russen, Ukrainer und Tschetschenen. Die meisten von ihnen sind Kriegsveteranen aus Afghanistan. Die Methoden ihrer Arbeit sind von dem Wunsch des Auftraggebers abhängig und zwar davon, ob der Leichnam gefunden oder nicht gefunden werden soll. Wenn man ein Mitglied einer konkurrierenden Bande aus dem Weg räumen will, werden Bomben gelegt oder Maschinengewehre vom Typ "Kalaschnikow" benutzt. Ehrensache für die Killer ist dabei die Tötung des Opfers auf seinem eigenen Terrain, d.h. vor seinem Haus oder in einem Lokal, das dem Opfer gehört. (...). Oft wird jedoch vom Auftraggeber verlangt, dass das Opfer einfach verschwinden soll. (...) Die ehemaligen Soldaten der sowjetischen Sondereinheit "Speznas" massakrieren häufig die Opfer, um ihre Identifizierung zu erschweren. (...)

"In der ersten Hälfte der neunziger Jahre haben sich vor allem die Mitglieder der polnischen kriminellen Banden mit dem Töten beschäftigt. Dann wurde das Feld den Berufskillern überlassen. Die Gangsterbosse wissen genau, dass ein Mord den "Geschäften" schaden könnte. Ein Killer muss oft für einige Jahre untertauchen. Es lohnt sich für eine Bande also eher, Leute von draußen zu beschäftigen, um unbequeme Personen aus dem Weg zu räumen", sagt Slawomir Cisowski, Pressesprecher des Hauptkommandanten der Polizei. (...)

In der Bande von Janusz T. – Pseudonym "Krakowiak" ("Krakauer") - gab es ein besonderes Killerkommando. Die Mitglieder dieses Kommandos führten Aufträge der Banden aus ganz Polen aus. 1999 waren rund 350 Polizisten vom Zentralen Ermittlungsbüro der Polizei an der Razzia beteiligt, während der die Mitglieder dieses Killerkommandos verhaftet wurden. Sie werden verdächtigt, mindestens zehn Morde verübt zu haben. Eines der Opfer war Wiktor Fiszman, ein Mitglied der russischen Mafia, der in Pomorze Zachodnie (Westpommern) als Vertreter der russischen Mafia agierte. (...) Der Killer – Zdzislaw L. - bekam für seinen erledigten Auftrag rund 100 000 Zloty (etwa 25 000 Euro). (...)

Der berühmteste Berufskiller Polens heißt Robert Kwiek, Pseudonym Ciolo. Schon Anfang der neunziger Jahre wurde er als einer der gefährlichsten Verbrecher Europas eingestuft. Ihm wurden mindestens sechs Morde, die in Polen und Deutschland verübt wurden, zur Last gelegt. Er ist jedoch auch in Frankreich, den Benelux-Staaten und auf dem Balkan " tätig" gewesen. Unterschlupf fand er dann in der Ukraine in der Ortschaft Dniepropietrowsk. Dort ist er im August 1994 festgenommen worden. Im Jahre 2001 wurde er von einem Gericht in Lublin zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.

"Das einzige, was ich überhaupt kann, ist das Töten", sagte der 35-jährige Segiej Sienkiv, Pseudonym "Sanitäter", ein ehemaliger Soldat in Afghanistan bei seiner Festnahme. Er kam 1990 nach Polen und begann seine "Karriere" als Leibwächter und Schuldeneintreiber. Er wird beschuldigt, drei Personen gegen Bezahlung ermordet zu haben (...). "Ein Menschenleben ist für mich 10 000 Dollar wert. Mit dieser Summe werde ich für das Töten bezahlt", sagte er dem Staatsanwalt. (...)

"Die bezahlten Killer werden weiterhin ihr Unwesen in Polen treiben, weil es hier eine große Nachfrage gibt. Diese Nachfrage wird sogar weiter steigen. In dieser ‚Branche‘ gibt es sogar schon Dumpingprobleme. Amateure nehmen Aufträge an, für die weniger als tausend Zloty bezahlt werden. Zum Glück ist es für die Polizei nicht schwer, Amateure aufzuspüren und sie zu verhaften. Ein Berufskiller hingegen ist praktisch nicht greifbar", sagt Slawomir Cisowski. (Sta)

  • Datum 21.11.2002
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