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Kultur

Ein Mauerstück für die Deutsche Welle

Ein Stück Berliner Mauer, das der Künstler Ben Wagin umgestaltet hat, findet als Dauer-Leihgabe vor der Zentrale der Deutschen Welle in Bonn seine neue Heimat. Für die frühere Hauptstadt eine Fügung der Geschichte.

Intendant Erik Bettermann und Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch enthüllen am Montag, 21. Dezember, vor dem Funkhaus ein Originalstück der Berliner Mauer. Foto: DW/Matthias Müller

Ben Wagin und Mauerstück. Entstanden sind die Bilder im Dezember 2009 bei der Fertigstellung eines vom Berliner Künstler Ben Wagin gestalteten Mauerstücks, das am 21.12.09 der Deutschen Welle in Bonn von Friedel Drautzburg und Harald Grunert (Geschäftsführer Ständige Vertretung) als Dauerleihgabe gestiftet wurde. (Bild :Ricarda Otte)

Gestaltet wurde das Mauerteil in Ben Wagins Berliner Werkstatt

Das Mauerstück, das an diesem 21. Dezember feierlich enthüllt wurde und von nun vor dem Hauptsitz der Deutschen Welle steht, wiegt 3,8 Tonnen und ist 3,60 Meter hoch. Und überragt so seinen künstlerischen Begleiter Ben Wagin und seine Stifter, die Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert, um fast zwei Meter. Das Stück Berliner Mauer ist als politisches Kunstwerk anzusehen. Denn obwohl es original ist, das heißt tatsächlich Teil der Mauer war, die Westberlin von 1961 bis 1989 während der Teilung Deutschlands umgab, ist es durch den Aktions- und Umweltkünstler Ben Wagin jüngst bemalt, beschrieben und umgestaltet worden. Es könne also nicht mehr als "authentisches Mauerstück" bezeichnet werden, betont Friedel Drautzburg, sondern als "Kunst, politische Kunst, die die Aggressivität der Mauer symbolisiert".

Ein Gedenkort für die Maueropfer

Ben Wagin und Mauerstück. Entstanden sind die Bilder im Dezember 2009 bei der Fertigstellung eines vom Berliner Künstler Ben Wagin gestalteten Mauerstücks, das am 21.12.09 der Deutschen Welle in Bonn von Friedel Drautzburg und Harald Grunert (Geschäftsführer Ständige Vertretung) als Dauerleihgabe gestiftet wurde. (Bild: Ricarda Otte)

Die Mauer bedeutet für den 79-Jährigen Krieg, Tod und Gewalt

Als Drautzburg und Grunert den 1930 geborenen Umweltkünstler, Aktionskünstler und Theatermacher Ben Wagin baten, für sie insgesamt vier Teile aus der Berliner Mauer zu gestalten, geschah dies in Anlehnung an Ben Wagins Mauer-Mahnmal im Berliner Regierungsviertel, dem "Parlament der Bäume". Diese feste Installation aus Mauersegmenten, Bäumen, Bildern, Texten und Sachzeugnissen der Grenzanlagen ist ein Gedenkort für die Toten an der Berliner Mauer, den Ben Wagin 1990 auf dem ehemaligen Grenzstreifen angelegt hat. Wer dieses Mahnmal kennt, für den funktioniert das Stück Mauer, das nun vor dem Sitz der Deutschen Welle steht, wie eine Außenstation dazu.

Farbe, Sprache und Konzept

Skizen für die endgültige Beschriftung: Der Künstler Ben Wagin hat Begriffe wie Todes, Mauser, Angst, Klage, auf ein Stück Papier notiert. (Bild: Ricarda Otte)

Skizzen für die endgültige Beschriftung

Für Ben Wagin sind diese Mauerteile "ein weißes großes Papier", das er in Schwarz und Weiß bemalt - oder beschreibt - und dazu nutzt, ein "Ja und Nein" zu vermitteln, um das unser Leben und unsere Kultur kreist. Für ihn ist sein Wirken eine politisch und künstlerisch motivierte Auseinandersetzung mit der Mauer, mit Krieg und Gewalt. Und die kann für ihn nur in Schwarz und Weiß stattfinden. Farbige Mauerrelikte, wie sie Touristen von der Berliner "East Side Gallery" kennen, bezeichnet er als "Toilettenpapiergeschmiere". Beschrieben ist das Mauerstück mit dem sprachlichen Dreischritt "Todes Mauer Krieg", in jeder der drei Zeilen ist die Reihenfolge der Wörter verändert. Hierbei gehe es Ben Wagin um "die Willkür von Sprache" und um den Effekt, den die Verschiebung der einzelnen Elemente auslöst.

Ein Geschenk an die Heimat

'Todes Mauer Krieg Krieg Todes Mauer Mauer Krieg Toedes': Eine Inschrift des Künstlers Ben Wagin, darüber eine schwere Eisenkette, auf dem Teil der Berliner Mauerstück, das nun als Kunstwerk der Deutschen Welle in Bonn von Friedel Drautzburg und Harald Grunert (Geschäftsführer Ständige Vertretung) als Dauerleihgabe gestiftet wurde. (Bild: Ricarda Otte)

Das Mauerstück wurde bemalt, beschrieben und mit einer schweren Eisenkette versehen

Friedel Drautzburg und sein Geschäftspartner Harald Grunert haben das Mauerstück gestiftet - als Dauer-Leihgabe an die Deutsche Welle, aber vor allem an Bonn, die ehemalige Hauptstadt und die alte Heimat der beiden Gastronomen. Sie betreiben mitten im Berliner Regierungsviertel eine bei Politikern, Journalisten und Rheinländern gleichermaßen beliebtes Lokal: die "Ständige Vertretung des Rheinlands in Berlin", kurz "StäV" genannt. Doch nach Berlin hat es sie erst 1997 verschlagen, nachdem der Sitz der Bundesregierung von Bonn nach Berlin verlegt worden war. Im Herzen und im Geiste sind sie waschechte Bonner geblieben. Und um so größer nun die Freude, die alte Heimat um ein Stück Kunst und Historie zu bereichern. "Es ist schon eine Fügung der Geschichte", schmunzelt Drautzburg, "dass diejenigen, die aus Bonn jetzt in Berlin leben, nach Bonn in das ehemalige Regierungsviertel ein Mauersegment aus Berlin zurücktransportieren".

Ein historisches Datum

Porträt Ben Wagin (Bild: Ricarda Otte)

Ben Wagin ist auch als 'Baumpate' bekannt - er pflanzte 50.000 Gingkobäume

Genau vor 20 Jahren hob DDR-Verteidigungsminister Theodor Hoffmann in seinem Befehl 101/89 für die DDR-Grenztruppen endgültig und offiziell den Schießbefehl auf. Darin hieß es: "Die Anwendung der Schusswaffe, mit Ausnahme zur Abwehr von Angriffen auf das Leben der Angehörigen der Grenztruppen oder anderer Bürger der DDR, ist zuverlässig auszuschließen." Von diesem Tag an wird es keinen einzigen Mauertoten mehr geben. Das Datum der feierlichen Enthüllung - der 21.12.2009 - war daher nicht zufällig gewählt. Denn das Stück Berliner Mauer, das nun in Bonn in der Obhut der Deutschen Welle ist, ist Kunstwerk und Mahnmal zugleich.

Autorin: Ricarda Otte
Redaktion: Aya Bach

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