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Asien

Ein Mann für alle Fraktionen

Die Loja Dschirga hat die wichtigste Personalentscheidung für die politische Zukunft Afghanistans getroffen: Hamid Karsai ist zum Staatspräsidenten ernannt worden. Der Paschtune muss das zerstrittene Afghanistan einen.

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Hamid Karsai im Gespräch mit dem Ex-König Sahir Schah

Das tief zerrüttete Land Afghanistan zusammenzuhalten, ist eine Aufgabe, die fast unmöglich anmutet. Hamid Karsai, der schon sechs Monate die Führung der Übergangsregierung innehatte, werden dennoch gute Chancen eingeräumt. Als Spross einer paschtunischen Politikerfamilie, ehemaliger Mudschahedin-Kämpfer gegen die sowjetische Besatzung und späterer Sympathisant der Nordallianz gegen die Taliban gilt der 44-Jährige in jeder der afghanischen Interessengruppen als akzeptabler Gesprächspartner.

An der Seite des Königs

Karsai entstammt einer einflussreichen königstreuen
Paschtunen-Familie aus Kandahar im Süden Afghanistans. Sein Großvater war bis zum Sturz Sahir Schahs Ratspräsident. Vater Abdul Ahad Karsai arbeitete als Diplomat. Sohn Hamid ging in der Hauptstadt Kabul zur Schule. Später studierte er in Indien und arbeitete in den USA. 1982 schloss er sich dem Mudschahedin-Kampf
gegen die sowjetischen Truppen an und leitete von Peshawar in Pakistan aus Militäraktionen der "Afghanischen Nationalen Befreiungsfront" (ANLF). Nach dem Fall der pro-sowjetischen
Regierung 1992 wurde er Vize-Außenminister Afghanistans.

Erbitterter Gegner der Taliban

Als 1996 die radikalislamischen Taliban Kabul eroberten, schien Karsai zunächst eine Zusammenarbeit mit den paschtunischen Gotteskriegern zu erwägen. Angesichts ihres brutalen Regimes änderte er jedoch seine Meinung. Ein Angebot als afghanischer UN-Botschafter schlug er mit der Begründung aus, die Taliban seien "ausländische Terroristen" und Marionetten des pakistanischen Geheimdienstes.

Nachdem vermutlich Taliban 1999 seinen Vater ermordeten, verschrieb sich Karsai in seinem Exil in Quetta endgültig dem Kampf gegen die Miliz. Im Oktober kam er nur knapp mit dem Leben davon, als er versuchte, im Süden Afghanistans einen Aufstand gegen die Taliban zu organisieren. Zuletzt kämpfte er nördlich von Kandahar gegen die verbleibenden Stellungen der Fundamentalisten.

An verschiedenen "Fronten" bewährt

Als Interims-Regierungschef hatte Karsai eine Mammutaufgabe zu meistern. "Der Krieg dauert noch immer an, dadurch sind Recht und Gesetz sehr gefährdet", warnte der Afghanistan-Experte Simbal Khan von der Quaid-e-Azam-Universität in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Auch die Zusammensetzung der in Bonn vereinbarten Übergangsregierung ließ ihm kaum Spielraum für Entscheidungen: Mit elf Paschtunen, acht Tadschiken, fünf schiitischen Hasara, drei Usbeken und drei Vertretern weiterer Minderheiten war es nicht immer einfach, konsensfähige Beschlüsse zu fassen.

Karsai bewährte sich dennoch an verschiedenen
Verhandlungsfronten. Seit seiner Ernennung auf der Bonner Konferenz löscht der 44-Jährige unermüdlich Brände in aufflackernden Konfliktherden und bemüht sich in immer neuen Gesprächen um eine Zusammenarbeit mit der als besonders heikel geltenden Nordallianz. Nach jahrzehntelangem Chaos und Elend ist in Afghanistan der Wille zum Frieden groß genug, um ethnische Probleme und Machtkämpfe zu überwinden, glauben Experten.

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  • Datum 14.06.2002
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