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Amerika

Ein Mann der ruhigen Töne

In aktuellen Umfragen liegt José Serra mit 45 Prozent gut zehn Punkte hinter der favorisierten Regierungskandidatin Dilma Rousseff. Trotzdem will sich der Oppositionsführer nicht geschlagen geben.

José Serra (Foto: AP)

José Serra

José Serra, Sohn italienischer Einwanderer, wurde am 19. März 1952 in Sao Paulo geboren. Serra hat als Einwandererkind einen steilen sozialen Aufstieg geschafft. Sein Vater war Obstverkäufer in der Markthalle von Sau Paulo. Er absolvierte ein Bauingenieurstudium an der Universität von Sao Paulo und engagierte sich bereits als Student politisch, damals war er ein glühender Anhänger der kubanischen Revolution.

Während der Zeit der Militärdiktatur in Brasilien (1964-1985) war Serra fast 14 Jahre im Exil, vor allem in Chile, aber auch in Bolivien und Frankreich. In Chile lernte er seine Frau Mónica kennen, eine Psychologin und Ballerina. Beide haben zwei erwachsene Kinder.

Nach dem Ende der Diktatur wurde Serra 1986 als Abgeordneter für die Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung (PMDB) ins Parlament gewählt. Zwei Jahre später verließ er die PMDB und gründete gemeinsam mit anderen Abtrünnigen die Sozialdemokratische Partei Brasiliens PSDB. Ziel der neuen Partei, in der sich Sozialdemokraten, Sozialliberale, Christdemokraten und vor allem viele Mitglieder der vormals einzigen Oppositionspartei PMDB sammelten, war es, sich von der sozialistischen Arbeiterpartei PT abzugrenzen.

Abgeordneter, Senator, Bürgermeister…

1990 wurde Serra für die PSDB in die Abgeordnetenkammer gewählt, vier Jahre später zog er dann für den Staat Sao Paulo in den Senat ein. 1995 wurde er von Präsident Fernando Cardoso als Planungsminister berufen, drei Jahre später übernahm es dann das Gesundheitsministerium.

Bei ihrem Brasilienbesuch wurde Kanzlerin Angela Merkel 2008 von Gouverneur Serra in Sao Paulo empfangen (Foto: AP)

Bei ihrem Brasilienbesuch wurde Kanzlerin Angela Merkel 2008 von Gouverneur Serra in Sao Paulo empfangen

Serra trat 2002 im Präsidentschaftswahlkampf gegen Luis Inacio Lula de Silva an und verlor die Wahl. Zwei Jahre später wurde er dann jedoch zum Bürgermeister der Elf-Millionen-Metropole São Paulo gewählt. Im März 2006 legte er dieses Amt nieder um bei den Gouverneurswahlen im Bundesstaat Sao Paulo zu kandidieren – und wurde im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt.

Zweiter Anlauf zur Präsidentschaft

Am 3. Oktober kandidiert er erneut für das Amt des Staatspräsidenten und tritt gegen die favorisierte PT-Kandidatin Dilma Rousseff an, die von Lulas großer Popularität stark profitieren konnte. Der 68jährige konservative Serra ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil des beliebten Lula: er ist kein charismatischer Redner, kein Scharfmacher und auch kein wirklicher Kumpel-Typ. Dafür ist er im kleine Kreis ein gewinnender und überzeugenden Redner.

In seinem Wahlkampf hat der Wirtschaftswissenschaftler Serra unter anderem versprochen, den Mindestlohn zu erhöhen, das Familiengeld (Bolsa Família) zu verbessern und je zwei Lehrer pro Grundschulklasse einzustellen. Doch mit seiner Wahlbotschaft hat er beim Volk bislang kaum punkten können.

Die Erfolge der Regierung Lula machen Kritik an der Politik der vergangenen acht Jahre schwer: Der Glanz der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 verfängt schon jetzt. In die WM und die Olympischen Spiele in Rio 2016 werden Milliarden investiert. Konzerne aus allen Ländern stehen in Brasília Schlange. 2010 erwarten Analysten ein Wirtschaftswachstum von 7,0 Prozent. Dann gibt es die riesigen Ölfunde vor der Küste und den Giganten Petrobras, der mit der größten Kapitalerhöhung aller Zeiten Kurs auf die Weltspitze nimmt. (mge, dpa,rtr)