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Amerika

Ein Mann, der Geschichte ist

Zunächst war es nur er selbst, der es lauthals verkündete, heute sind sich Experten einig: Kein Schwergewichtler boxte so elegant und leichtfüßig wie Ali zu seiner Glanzzeit. Nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben.

Muhammad Ali wurde zum Boxer, weil ihm jemand sein Fahrrad geklaut hatte. 12 Jahre war er damals und lebte als Cassius Marcellus Clay junior in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Weinend sei der Junge ihm in die Arme gelaufen und habe geschworen, er werde den Dieb vermöbeln, erzählte sein Entdecker Joe Martin später. Der Boxtrainer nahm den jungen Clay, einen Schwarzen aus ärmlichen Verhältnissen, unter seine Fittiche. "Er war der härteste Arbeiter unter allen Kids, die ich jemals trainierte“, sagte Martin. Obwohl Clay damals noch die Schlagkraft fehlte, war er bereits extrem beweglich und schnell auf den Beinen. Mit 18 Jahren wurde er 1960 in Rom Olympiasieger im Halbschwergewicht. Seine Goldmedaille warf er angeblich später in den Ohio River, weil er verärgert war, dass Schwarze in seiner Heimatstadt diskriminiert wurden. Nach 100 Siegen in 108 Kämpfen beendete Clay seine Amateurlaufbahn. Elf weiße Geschäftsleute aus Louisville schlossen sich zusammen, um ihm den Einstieg ins Profilager zu ermöglichen.

"Ich bin der Größte!"

Der überaus talentierte Boxer galt als arrogant und als Großmaul. Vor seinen Kämpfen bezeichnete sich Clay als den "größten und schönsten Boxer aller Zeiten" und machte sich über seine Gegner lustig. In seinem ersten Kampf um einen Weltmeistergürtel im Februar 1964 gegen Titelverteidiger Sonny Liston war Clay klarer Außenseiter. Doch nach sechs Runden warf Liston das Handtuch. "Ich bin der Größte", brüllte der neue Weltmeister in die Mikrofone.

WM-Kampf 1966 zwischen Muhammad Ali und Karl Mildenberger in Frankfurt am Main (Foto: picture-alliance/dpa/W. Gutberlet)

1966: Der WM-Fight gegen den Deutschen Karl Mildenberger war nach Einschätzung Alis einer seiner schwersten Kämpfe

Noch im gleichen Jahr bekannte sich der Boxer zur Organisation "Nation of Islam" des schwarzen Bürgerrechtlers Malcolm X. Er legte den Namen Cassius Clay ab und nannte sich fortan Muhammad Ali. Weil er 1967 den Wehrdienst verweigerte, verlor Ali nicht nur seine Boxlizenz, sondern wurde auch zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen eine Kaution blieb der Ausnahmeboxer auf freiem Fuß. Bei öffentlichen Auftritten wetterte Ali gegen den Vietnamkrieg.

Kampf des Jahrhunderts

Künstler und Intellektuelle wie die Hollywoodstars Richard Burton und Henry Fonda oder der Schriftsteller Truman Capote setzten sich dafür ein, dass Ali in den Ring zurückkehren durfte. Die Zwangspause dauerte drei Jahre. Nach zwei Aufbaukämpfen trat Muhammad Ali am 8. März 1971 im New Yorker Madison Square Garden zum "Boxkampf des Jahrhunderts" gegen den damals aktuellen Weltmeister Joe Frazier an - zu einem Duell, das weit mehr als nur Sport war. Ali galt wegen seines politischen Engagements als Vertreter der amerikanischen Gegenkultur, Frazier verkörperte das Establishment. In einem hochklassigen Kampf über 15 Runden setzte sich Frazier nach Punkten durch. Ali ging in der Schlussrunde erstmals in seiner Karriere zu Boden.

Joe Frazer und Muhammad Ali (Foto: AP)

1971: Joe Frazer gegen Muhammad Ali

Weltmeister per Ali-Shuffle

Es folgten weitere Kämpfe, die Boxgeschichte schrieben, etwa der "Rumble in the Jungle" (Kampf im Dschungel). 1974 forderte Ali in Kinshasa in der heutigen Demokratischen Republik Kongo den bis dahin ungeschlagenen Weltmeister George Foreman heraus. Foreman hatte die meisten seiner Kämpfe durch K.O. gewonnen. Sein Gegner setzte ihm den "Ali-Shuffle" entgegen: Wie ein Tänzer wirbelte der Schwergewichtler durch den Ring. Ali beschrieb seinen Stil so: "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene!" ("Float like a butterfly, sting like a bee!")

Vor fast 100.000 Zuschauern ließ sich der Herausforderer in den ersten Runden in die Seile drängen, federte dort die kassierten Treffer ab und provozierte Foreman fortwährend. In der achten Runde schickte Ali den Weltmeister dann auf die Bretter. Als zweiter Schwergewichtsprofi nach Floyd Patterson holte er sich damit zum zweiten Mal den WM-Gürtel und durchbrach damit das ungeschriebene Boxer-Gesetz "They never come back!". Dieses Kunststück gelang ihm 1978 erneut, als er mit einem Sieg gegen Leon Spinks zum dritten Mal Weltmeister wurde.

Unrühmliches Karriere-Ende

Als einer der besten Kämpfe der Boxgeschichte gilt das als "Thrilla in Manila" vermarktete Duell gegen Joe Frazier im Jahr 1975. Frazier gab nach 14 hart umkämpften Runden auf. Dieses boxerische Niveau erreichte Ali hinterher nicht mehr. Vielmehr verpasste er den richtigen Zeitpunkt, um seine Profikarriere zu beenden. Nach einer Niederlage gegen Trevor Berbick verabschiedete sich Muhammad Ali Ende 1981 mit fast 40 Jahren aus dem Ring.

Zu diesem Zeitpunkt litt er bereits an der Parkinson-Krankheit. Sein Zustand verschlechterte sich in den folgenden Jahren zunehmend. Ali hatte Mühe zu sprechen und schwere motorische Störungen, möglicherweise eine Folge der vielen Schläge, die er als Boxer hatte einstecken müssen. Als Ali 1996 in Atlanta mit zitternder Hand das Olympische Feuer entzündete, rührte sein Schicksal die Menschen weltweit. Er wurde mit Ehrungen aller Art überschüttet. 1999 etwa kürte ihn das Internationale Olympische Komitee zum "Sportler des Jahrhunderts". Bei der Eröffnungsfeier der Spiele 2012 in London gehörte Ali zu den Trägern der Olympischen Fahne.

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