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Afrika

Ein Macher in der Mali-Krise

Als ECOWAS-Vorsitzender spielt Alassane Ouattara eine wichtige Rolle in der Mali-Krise. Wer ist der Mann, der seit 2011 die Elfenbeinküste regiert?

Vor der Tür stehen Panzer, die Schergen des Präsidenten sind schon in sein Haus eingedrungen. Alassane Ouattara rennt in den Garten, klettert über die Mauer seines Anwesens und entkommt so den Soldaten. Schutz findet er beim deutschen Botschafter in Abidjan. Es ist eine Rettung in letzter Minute; so will es die Legende.

Sicher ist: Nach dem Putschversuch von Gegnern des Präsidenten Laurent Gbagbo im September 2002 musste auch der damalige Oppositionsführer Ouattara um sein Leben fürchten. Politischer Kampf, der in Gewalt ausartet, ist Teil der Karriere Ouattaras. Nicht nur 2002 nahm die Gewalt überhand und stürzte die Elfenbeinküste in einen Bürgerkrieg, auch nach den Präsidentschaftswahlen 2010 verloren mehr als 3000 Menschen ihr Leben. Sie wurden Opfer von Gefechten zwischen Milizen Gbagbos und Ouattaras.

Effizienz und Entscheidungsfreude

Soldaten in Abidjan Foto: Rebecca Blackwell (AP)

Soldaten in Abidjan: Gefechte nach Präsidentenwahlen 2010

Alassane Ouattara ist kein gelernter Offizier oder Rebellenführer, sondern Ökonom und Bürokrat. Der heute 69-jährige studierte in den USA Volkswirtschaft und promovierte an der Universität von Pennsylvania. Anschließend machte er beim Internationalen Währungsfonds Karriere.

"Daher kommt sein Interesse an administrativer Effizienz und seine Zielorientierung", sagt Jens-Uwe Hettmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Abidjan. "Er ist jemand, der auch unbequeme Entscheidungen trifft und versucht, sie durchzusetzen," so Hettmann im Gespräch mit der DW.

Hettmann erinnert sich gut an seine erste Begegnung mit Ouattara in einer Flughafenlounge in Abidjan. Das Selbstbewusstsein des heutigen Präsidenten sei ihm dabei sofort aufgefallen. "Das ist mehr als nur ein Image, das er hat. Er will die Dinge, wenn er einmal ein Ziel ins Auge gefasst hat, voranbringen."

Vom Ökonom zum Präsident

Ouattaras Macher-Qualitäten erkannte im Jahr 1990 auch der damalige Präsident und Staatsgründer der Elfenbeinküste, Félix Houphouët-Boigny. Er holte ihn nach Abidjan und machte Ouattara zum Premierminister seiner Regierung. Nach dem Tod des Übervaters der Elfenbeinküste zeigte Ouattara Ambitionen, Houphouët-Boigny zu beerben. Konkurrenten drängten ihn in politischen Machtkämpfen jedoch immer wieder ab. Mehrmals wurde ihm eine Kandidatur für die Präsidentschaft versagt mit dem Argument, er sei kein echter Ivorer, weil seine Mutter aus Burkina Faso stamme.

Laurent Gbagbo Foto: Aristide Bodegla (AP)

Ouattara-Kontrahent: Laurent Gbagbo

Im Jahr 2011 schließlich kann er sich nach blutigen Kämpfen gegen Gbagbo durchsetzen, der den Sieg Ouattaras bei den Präsidentschaftswahlen nicht anerkennt. Die Vereinten Nationen und speziell Frankreich unterstützen Ouattara dabei.

Als Präsident liegt Ouattara vor allem die Wirtschaftskraft seines Landes am Herzen. In seiner Neujahrsansprache diesen Januar zeigte er sich stolz über ein Wachstum von mehr als acht Prozent im vergangenen Jahr. Ein Erfolg für den "Hyper-Präsidenten", wie ihn das Wochenmagazin "Jeune Afrique" nennt.

Truppen für Mali

Viel Selbstbewusstsein zeigt er auch als Vorsitzender der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS). Bereits kurz nach Machtübernahme der Islamisten im Norden Malis im April 2012 fordert Ouattara ein hartes Vorgehen gegen die Rebellen - und bietet bald darauf an, mit 3000 Soldaten der ECOWAS den Norden Malis zu befreien. Er warnt vor der Gefahr des Terrorismus, der von Mali aus auf ganz Westafrika übergreifen könnte.

"Als Vorsitzender der ECOWAS spielt er eine wichtige Rolle in der Mali-Krise", meint Gilles Yabi von der International Crisis Group. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union reagieren allerdings zögerlich auf Ouattaras Angebot. Sie glauben nicht an den Erfolg einer schnellen ECOWAS-Mission in Mali.

Besuch in Berlin

Nach der Entscheidung Frankreichs, den Vormarsch der Islamisten mit Gewalt zu stoppen, ist nun jedoch auch schnelle Hilfe von ECOWAS-Soldaten gefragt. "Ouattaras Hauptziel ist es derzeit, die Truppen der ECOWAS nach Mali zu bringen", so Yabi im DW-Interview. "Dazu versucht er, die Unterstützung der Staatengemeinschaft zu gewinnen. Insbesondere auch die logistische Hilfe der EU und auch Deutschlands."

Westafrikanische Soldaten Foto: Joe Penney (Reuters)

Ouattara forderte bereits im April 2012 ein hartes Vorgehen gegen die Islamisten und schickte ECOWAS-Truppen

Dies betonte Alassane Ouattara jetzt auch bei seinem Berlin-Besuch. Bei einer Pressekonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch (16.01.2012)  machte er aber keinen Hehl daraus, wo seine Sympathien eigentlich liegen: Gleich zweimal bedankte er sich bei Frankreich für das entschlossene Eingreifen in Mali, bevor er erklärte, dass weitere Länder sich nun ebenfalls mobilisieren müssten.

Nach Aussage seiner Frau, der französischen Immobilienmaklerin Dominique Ouattara, ging die Geschichte von der Flucht ihres Mannes aus Abidjan im Jahr 2002 übrigens folgendermaßen aus: Nachdem ihn der deutsche Botschafter versteckt hatte, war es der Vertreter Frankreichs in der Elfenbeinküste, der Ouattara unter Einsatz seines Lebens außer Lande brachte.

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