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Kultur

Ein Märchenwald auf Reisen

21 Märchen in sieben Kisten um die Welt. Eine Kölner Agentur hat für das Goethe-Institut eine Wanderausstellung gebaut, die über Märchen aufklären soll. Es ist viel Pappe im Spiel, trotzdem wiegt das Ganze Tonnen.

Zeichnung Märchenwald (Foto: facts&fiction)

"Aschenputtel", "Dornröschen", "Der Wolf und die sieben Geißlein". Ob groß, ob klein, diese Märchen, die die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm aus Volkserzählungen zusammengetragen haben, kennen fast alle Menschen in Deutschland. Vor 200 Jahren wurden die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm veröffentlicht. Das Goethe-Institut hat das zum Anlass für eine Wanderausstellung genommen, die im November in München eröffnet wird und dann um die Welt reisen soll. Allerdings geht es in dieser Ausstellung um weit mehr als um alte Geschichten.

Schatztruhe Magie (Foto: facts&fiction)

Eine magische Schatztruhe...

Eine ferne Welt mit fantastischen Figuren, mit "Es war einmal" am Anfang und "dann leben sie noch heute" am Ende. So kennen die meisten klassische Märchen. Aber einfach nur die alten Geschichten wiederholen, das will die Wanderausstellung des Goethe-Institutes nicht. Die Klassiker der Gebrüder Grimm und ihr historisches Jubiläum sind nur der Aufhänger. Doch vermittelt werden soll Grundsätzliches, sagt Robert Müller, Kreativdirektor der Agentur facts & fictions, die die Ausstellung entworfen hat.

Kurz, knapp und gut verpackt

Es gehe darum, das Generelle in der Märchenstruktur herauszuarbeiten. Eine Art Grammatik, die den Märchen zugrunde liegt. Jede Geschichte braucht Helden und Schurken, Sieger und Verlierer, gute und böse Figuren. Märchen, so fantastisch sie auch sind, haben Muster, die sich immer wiederholen. Außerdem vermitteln die Märchen klare Regeln. Die Tugendhaften sind am Ende immer die Gewinner. Betrug und Lügen wird bestraft.

Märchenwald-Entwurf in klein (Foto: facts&fiction)

...ein Wald zum Zusammenstecken mit Elektronik drin...

Vermittelt werden die Märcheninhalte durch thematische Schwerpunkte, installiert in einem künstlichen Wald. Multimedial und bildorientiert. Wenig Text, kurze und knappe Sätze. Um all das unterzubringen und gleichzeitig Atmosphäre zu schaffen, hat Projektleiterin Kristine Klein Bäume entworfen, die aus Holzschablonen zusammengesteckt werden. Machbar für jedermann. Damit die Ausstellung wirklich überall in der Welt aufgebaut werden kann, musste das Material ausgesprochen praktisch sein, leicht zu transportieren, unempfindlich gegen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. 80 Quadratmeter sollen maximal ausgefüllt werden. In sieben Kisten müssen Bäume und Technik verstaut werden. Einige Tonnen schwer ist der Wald aber dennoch.

Holde Prinzessinnen und weise Frauen

Um die Märchen besser zu verstehen, hat Kristine Klein eine Art Typenlehre entwickelt, die jeweils drei Charaktere von gut und böse zeigt. In der Baumstation, die sich den Heldinnen widmet, werden sie erklärt: die holde Prinzessin, das arme tapfere Mädchen und die weise Frau. Ganz traditionell kann man sich Märchen auch erzählen lassen, über eine Aufnahme per Kopfhörer. Zu hören gibt es aber ebenso moderne Reime und einen Märchen-Rap. Damit und durch eine Vielzahl von Spielen soll klar werden, was in den Geschichten steckt und welche Bandbreite ihrer Darstellung es gibt.

Schatztruhe Held (Foto: facts&fiction)

...und eine Schatztruhe für Helden. Das alles zusammen ist schon ein Märchen für sich

Außerdem geht es immer um den Bezug zum Heute. Helden gibt es schließlich auch in aktuellen Fantasy-Romanen und Märchenhaftes auch in der Werbung. So werden zum Beispiel Anti-Aging-Cremes als moderne Zaubertränke entlarvt. Anregungen, solche Bezüge herzustellen, finden sich in einer Schatztruhe, die den Märchenwald ergänzt. Die Ausstellung hat also ausgesprochen aufklärerischen Charakter. Sie soll den Goethe-Lehrern für ihren Unterricht dienen, aber genauso von Besuchern allein genutzt werden können. Außerdem geht es nicht nur darum, Märchen zu hören, zu lesen und besser zu verstehen, sondern auch darum, an verschiedenen Stationen des Waldes eigene zu erfinden. In einem der Schreibpulte ist ein I-pad eingebaut. Hier kann jeder an einem unendlichen Märchen weit mitschreiben. So könnte, hofft Robert Müller, am Ende der Ausstellungstournee ein Weltmärchen entstehen.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Sabine Oelze