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Kultur

Ein Liter auf 3000 Kilometer

Autofahrer und Hersteller machen sich Gedanken, wie man Benzin sparen kann. Und in Frankreich wurde jetzt ein Auto gebaut, das mit einem Liter 3000 Kilometer weit kommt.

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"Microjule" beim Rennen von Le Mans im Sommer 2005

Ein Auto wird vorgestellt und die erste Frage in unserer Autogesellschaft ist wie in ein uralter Reflex: Wie schnell ist der Wagen? Dabei müsste man doch in Zeiten ständig steigender Benzinpreise als erstes fragen: Wie viel schluckt er?

Bei "Microjoule", dem Fahrzeug, das Europas Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel der Öffentlichkeit präsentierte, ist die Antwort eine Sensation: Mit einem Liter Treibstoff fährt "Microjoule" knapp 3000 Kilometer, also eine Strecke wie von Berlin nach Lissabon. Das Fahrzeug, das aussieht wie ein überdimensionales Zäpfchen, hat einen Tank wie eine Parfümflasche. Und genauso gehütet wird sein Inhalt.

Auch wenn das Bio-Ethanol nicht so gut riecht wie ein Parfüm - jeder Tropfen zählt. Denn nur so konnte "Microjoule" diese unglaubliche Leistung vollbringen und damit auch den Shell-Ecomarathon gewinnen - einen 20 Jahre alten Innovationswettbewerb für Fahrzeugtechnik. Die Idee ist nicht, schneller als die anderen zu sein, sondern mit einem Liter Treibstoff weiter zu fahren als die anderen.

Team Microjule

Das Team "Microjoule"

Hinter "Microjoule" verbirgt sich nicht etwa Greenpeace oder ein großer Automobilhersteller, sondern ein französisches Gymnasium, wie es tausende in Frankreich gibt. Phillipe Maindru, Lehrer aus Berufung, war mit einigen seiner Schüler des Saint-Joseph-Gymnasiums aus der Nähe von Nantes nach Brüssel gereist. Aber ganz so normal scheint dieses Gymnasium im Westen Frankreichs doch nicht zu sein. Denn die wenigsten Schulen nehmen seit 20 Jahren an dem internationalen Technikwettbewerb Teil, bei dem mit industriellen Partnern wie Michelin oder Bosch Hand in Hand gearbeitet wird und sich Schüler und Lehrer auch außerhalb der Schulstunden treffen.

30 Kilogramm, 30 Zentimeter

Das Spar-Auto "Microjoule" wiegt 30 Kilogramm und ist gerade einmal 50 Zentimeter hoch. Ein nicht allzu großer Fahrer ohne Platzangst kann sich in das Gefährt zwängen. Nichts für den Alltag. Und auch der Preis von 100.000 Euro spricht eher gegen eine Serienanfertigung. Aber darum geht es nicht, wie Hans Vanderla von Shell erklärt: "Öl und Gas sind an einem Gipfel angelangt. Das bedeutet nicht, dass wir bald keins mehr haben, aber es wird schwieriger zu finden sein. Und es wird schwieriger, Materialen nutzbar zu machen. Dafür brauchen wir Technologie, und für Technologie brauchen wir Talent."

Und Talente findet man an den Schulen, davon ist Philippe Maindru seit mehr als zwei Jahrzehnten überzeugt. Auch den Schulen hilft der Wettbewerb: "Das ist eine neue Form des Lehrens. Man steht in einem internationalen Wettkampf, und wegen dieser Konkurrenz muss man sich engagieren. Während des Projekts entdeckt man neue Fähigkeiten, die das traditionelle Schulsystem niemals fördern kann: Kreativität, Solidarität und Zusammenarbeit."

"Pas de la vitesse de la lumière"

Das Ergebnis dieser Tugenden lässt sich sehen: "Microjoule" ist drei Mal so windschnittig wie normale Fahrzeuge, und seine Bremsen sind zehn Mal so lange belastbar. Dazu fährt es mit biologischen Treibstoffen. Ach so, ja, bleibt noch die Antwort auf die Gretchenfrage für Autos: Wie schnell ist es denn? "Pas la vitesse de la lumière certainment", sagt Lehrer Maindru. Nein, nicht Lichtgeschwindigkeit. Aber satte 30 Stundenkilometer sind drin. Berg runter auch mal 90. Na also.

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