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Aktuell Welt

Ein Licht zum Gedenken an den Krieg

Nur eine Kerze an der Tür von Downing Street Nummer 10 - ansonsten kaum ein Licht in der britischen Hauptstadt. Mit dieser symbolträchtigen Aktion gingen am Montag die Feiern zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg zu Ende.

"Jetzt gehen die Lichter aus über Europa und niemand von den Lebenden wird sie mehr leuchten sehen", hatte der damalige britische Außenminister Edward Grey am Vorabend des Kriegseintritts seines Landes am 4. August 1914 erklärt. Ein Zitat, das berühmt wurde im Vereinigten Königreich. In Erinnerung daran - und vor allem an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren - gingen am Montagabend in vielen Teilen Großbritanniens für eine Stunde die Lichter aus. An öffentlichen Gebäuden, etwa an der Tower Bridge in London, am Parlamentsgebäude und im Regierungssitz Downing Street wurde die Beleuchtung abgeschaltet. Vor der Tür mit der Nummer 10 in der Downing Street brannte nur eine einzelne Kerze.

Großbritannien hatte vor 100 Jahren dem Deutschen Reich ein Ultimatum gestellt, das am 4. August um Mitternacht Berliner Zeit und um 23.00 Uhr Londoner Zeit ergebnislos verstrichen war. Mit den Glockenschlägen des Big Ben hatte das Kabinett von Premierminister Herbert Henry Asquith den Eintritt Großbritanniens in den Krieg beschlossen.

Ein Lichtstrahl zeigt in den Nachthimmel über dem Trafalgar Square in London (Foto: Reuters)

Am Trafalgar Square erinnerte diese Lichtinstallation an den Ausbruch des 1. Weltkriegs

Die zentrale Gedenkveranstaltung fand am Montag im belgischen Lüttich statt. Bundespräsident Joachim Gauck hob in seiner Rede dort die gemeinsame Verantwortung der europäischen Staaten für den Frieden in der Welt hervor. "Wir können nicht gleichgültig bleiben, wenn Menschenrechte missachtet werden, wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt werde", betonte das deutsche Staatsoberhaupt.

Bei der Zeremonie vor dem Mahnmal der Alliierten sagte Gauck, Millionen von Menschen litten heute unter Gewalt und Terror. Vor hundert Jahren habe der Nationalismus "beinahe alle Herzen und Hirne verblendet". Dies und das "eklatante Versagen der Diplomatie" habe Europa in einen Brüderkrieg gestürzt, der schließlich weite Teile der Erde in Brand gesetzt habe. Hundert Jahre später würden noch immer "politische, völkische oder religiöse Überzeugungen" instrumentalisiert und als Rechtfertigung für Gewalt und Mord benutzt.

Eine "verrückte Idee"

Frankreichs Staatspräsident François Hollande rief ebenfalls zum Engagement für Menschenrechte und Frieden auf: "Wir können nicht neutral bleiben." Er verwies darauf, dass allein in Belgien im Ersten Weltkrieg 210.000 französische Soldaten gefallen seien. Die europäische Einigung nach 1945 sei zunächst eine "verrückte Idee" gewesen, "aber Krieg war noch verrückter". betonte Hollande. Auch Prinz William als Vertreter Großbritanniens lobte den europäischen Weg zum Frieden: "Heute sind wir Freunde und Verbündete", sagte der Enkel von Königin Elisabeth II. Der belgische König Philippe dankte den damaligen Alliierten für die Unterstützung des "tapferen kleinen Belgien".

Mehr als 16 Millionen Menschen getötet

Tausende deutsche Soldaten waren am 4. August 1914 völkerrechtswidrig in das damals neutrale Belgien einmarschiert. Lüttich, das mit seinen Festungen als eine der am besten geschützten Städte Europas galt, setzte sich erbittert zur Wehr. Erst nach zwölftägigen Gefechten mit mehreren tausend Toten ergab sich die Stadt, und die deutschen Truppen konnten ihren Feldzug in Richtung Frankreich fortsetzen. Deutschland hatte am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärt und zwei Tage später Frankreich. Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien erklärte Großbritannien am 4. August Deutschland den Krieg. Von 1914 bis 1918 beteiligten sich mehr als 70 Staaten und damalige Kolonialgebiete an dem Krieg, unter ihnen auch die USA und Japan. Insgesamt wurden fast 70 Millionen Soldaten mobilisiert und mehr als 16 Millionen Menschen getötet.

ml/se (dpa, rtr, afp)