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Kultur

Ein Leben als Globetrotter

"Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort", singt Hannes Wader in einem seiner Lieder. Es könnte die Hymne moderner Nomaden wie den Beckers aus Deutschland sein. Ihre Heimat ist die ganze Welt.

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Heim mit Seeblick - zumindest auf Zeit

Ein eigenes Haus mit Garten, eine gesicherte Existenz, das ist für viele Menschen in Deutschland der Inbegriff vom Glück. Doch es gibt auch andere - die träumen genau vom Gegenteil. Von einem Leben, das einer Dauerreise gleicht, ohne ein festes Zuhause, dafür versehen mit ganz vielen Abenteuern und neuen Eindrücken. Als moderne Nomaden sind sie weltweit mit ihrem Wohnmobil unterwegs - und glücklich dabei.

Zwei dieser Nomaden - oder auch Globetrotter - sind Jochen Becker, 62, und seine Frau Walburga. Der frühpensionierte Beamte und seine Frau sind seit neun Jahren weltweit sprichwörtlich mit dem eigenen Wohnmobil auf Achse. Ihr festes Zuhause am Rhein gaben die beiden auf. Nur ab und zu sind sie in Deutschland - auf der Durchreise.

USA, Indien, Türkei

"Gekommen ist es dadurch", erzählt Becker, "weil wir ein großes Haus hatten. So ganz pragmatisch. Drei Kinder, jeder ein Zimmer, macht fünf Zimmer, plus die normalen Zimmer. Das ist zuviel, meinten wir, wenn zwei Leute nur drin wohnen." Ein Haus brauche viel Pflege und darauf hatten sie keine Lust mehr. Die Kinder wollten auch nicht einspringen, also verkauften die Beckers das Heim und zogen in Wohnmobil. "Erst mal fünf Jahre, acht Jahre, maximal zehn Jahre", sagen sie.

Ein Jahr tourte das Paar durch die USA, dann durch Mexiko und Kanada. Später verbrachten sie fast jedes Jahr acht Monate in Indien. Was sie an dem Nomadenleben so reizt? "Es ist zunächst mal ein Gefühl von Freiheit. Man hat also keine Verantwortung mehr." Das fange an mit dem Straßenkehren vor dem Haus und all diesen banalen Dingen. Auch Hausversicherungen fielen plötzlich weg. "Das ist eine Befreiung, ob es Freiheit ist, weiß ich nicht, aber eine Befreiung ist es", sagt Jochen Becker.

Krankenversicherung ade

Selbst ihre Krankenversicherung in Deutschland haben die Beckers erst einmal auf Eis gelegt. Um ihre Gesundheit machen sich die beiden Pensionäre trotzdem keine Sorgen. Sie haben gelernt, auch dem Know-How anderswo auf der Welt zu vertrauen.

Als Globetrotter sind die Beckers in guter Gesellschaft. Eine ganze Szene von reiselustigen Zeitgenossen hat sich inzwischen gebildet. Vernetzt sind die Abenteurer, die auf Haus und Hof pfeifen, unter anderem über das Internet. Da werden Adressen ausgetauscht, Reiserouten beschrieben und nützliche Tipps gesammelt. Wie sind die Zoll- und Visabestimmungen in einem Land? Wo kann ich günstig auf dem Flughafen übernachten? Wann ist Regenzeit? Das sind Fragen, die die modernen Nomaden beschäftigen.

Ungelebte Träume

800 Mitglieder zählt die Deutsche Globetrotter Zentrale, ein Verein mit Sitz in Düsseldorf. Die Zahl ist seit Jahren konstant, heißt es dort. Denn immer mehr Menschen träumen zwar den Traum vom mobilen Leben, aber nur wenige können ihn mit Blick auf berufliche und private Umstände auch realisieren - wie zum Beispiel finanziell gut gepolsterte Rentner.

Hinzu kommt, dass auch die Umwelt oft nur wenig Verständnis für den Ausstieg aus der gesicherten bürgerlichen Existenz hat. Das war bei den Beckers jedoch anders. "Der engere Freundeskreis hat gesagt: 'Wahnsinn, ihr seid mutig!' Die älteste Tochter, die zwei Kinder hat, hat gesagt: 'Jetzt seht Ihr Eure Enkelkinder nicht und ihr könnt uns nicht mehr so helfen'", sagt Becker und lächelt. Richtig negativ habe sich niemand geäußert.

Krieg in Afghanistan

In wirklich heikle Situationen sind die Beckers auf ihren Reisen rund um den Globus noch nicht geraten. Nur einmal hielten sie es für besser ihre Route kurzfristig zu ändern. Das war zur Zeit des Afghanistan-Krieges. Als sie bereits im Iran waren und davon hörten, dass auf ihrer geplanten Route durch Pakistan in Richtung Afghanistan Reisende verbrannt worden waren, machten sie kehrt und verbrachten den Winter schließlich in der Türkei.

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