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Wirtschaft

Ein krisensicherer Job: Wirtschaftsdetektive

Die Geschäftsgrundlage von Louis Wonderly ist so sicher wie die weniger anderer Branchen. Denn solange es Kriminalität gibt, bekommt seine internationale Detektei Aufträge – auch in wirtschaftlichen schlechten Zeiten.

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Wirtschaftskriminelle im Visier

Nur in Ausnahmefällen kümmert sich die Wirtschaftsdetektei Paladin Associates von Louis Wonderly um die Sorgen von Privatleuten, in der Regel gehören zu seinem Kundenkreis Banken, Finanzinvestoren, Anwaltskanzeleien und große Konzerne, die zum Teil im Dax gelistet sind. Allein in Deutschland leiden rund zwei Drittel der Großunternehmen unter Wirtschaftskriminalität – das ergab eine Studie, die PricewaterhouseCoopers in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg erstellt hat. Wobei die betroffenen Unternehmen im Durchschnitt im vergangenen Jahr einen Verlust von mehr als 5,5 Millionen Euro hinnehmen mussten. Verluste haben aber auch manche professionelle Investoren, beispielsweise wenn sie auf windige Gewinnversprechen reingefallen sind. So auch einige, die beim größten Betrüger der US-Geschichte, bei Bernard Madoff, ihr Geld angelegt hatten.

Bernard L. Madoff, chairman von Madoff Investment Securities, Foto: AP

Detektive sind den Finanzanlagen von Madoff auf der Spur

65 Milliarden Euro hatte Madoff am Ende verwaltet und veruntreut. Nun sitzt er im Gefängnis und das Geld ist erstmal futsch. Damit wollen sich die geprellten Investoren aber nicht abfinden und hoffen mit Hilfe der Wirtschaftsdetektei Paladin Associates doch noch zumindest etwas wiederzubekommen. Also haben sich die Leute von Wonderly auf die Suche nach den rund fünf Milliarden Euro der Auftraggeber gemacht. Im Visier haben sie unter anderem die Vertriebsleute und Fonds, die das ihnen anvertraute Geld zu Madoff gebracht haben. "Diese Leute, die das verkauft haben, die Honorare bekommen haben, die haften auch," sagt Wonderly. "In ein paar Fällen haben wir den Investoren geholfen, etwas zurückzubekommen. Wir sind aber immer noch dabei."

Von Personenüberprüfung bis zur Prozesshilfe

Wer den gebürtigen US-Amerikaner Louis Wonderly, den Gründer der Detektei, hinter einem schmudeligen Schreibtisch, mit abgetragenem, verbeulten Anzug und vollem Aschenbecher erwartet, der wird enttäuscht sein. Zwar liegt das Büro im fünften Stock eines eher unscheinbaren Gebäudes. Aber das liegt im Herzen von München, einen Katzensprung entfernt vom Wahrzeichen der Stadt, der Frauenkirche. Und Wonderly präsentiert sich in seriösem Anzug.

Symbolbild Vertragsabschluss

Stimmen die Angaben der Vertragspartner? Eine Aufgabe für Detektive.

Er und seine fünf Mitarbeiter recherchieren von hier aus beispielsweise, wenn Führungskräfte den Verdacht haben, es könnte korrumpiert werden. Sie werden aktiv bei Patentverletzungen, bei Betrug und häufig auch bevor Verträge abgeschlossen werden, denn oft wollen die Firmen überprüfen, mit wem sie es zu tun haben und ob die Angaben, die Geschäftspartner gemacht haben, überhaupt stimmen. Außerdem leisten die Detektive von Palladin Associates auch Prozesshilfe. Das heißt sie machen sich auf die Suche nach Beweismaterial, das sie dann auswerten. Oder sie spüren Zeugen auf.

Warum aber werden Wirtschaftsdetektive eingeschaltet, wo gerade Großkonzerne über eigene große Sicherheitsabteilungen verfügen? "Die Sicherheitsabteilungen von Firmen machen häufig nur interne Geschichten. Wir bekommen Aufträge, wenn es sich um Sachen außerhalb der Firma handelt," erklärt Wonderly. An die Polizei könnten sich Unternehmen nicht wenden, wenn sie lediglich den Verdacht haben, etwas würde nicht stimmen, oder wenn sie vorsorgliche Kontrollrecherchen machen wollen.

Das meiste ist Schreibtischarbeit

Bild aus dem Film: Tote schlafen fest Humphrey Bogart als Detektiv, gefesselt, rauchend mit schöner Frau.

Anders als im Film wird die Hauptarbeit der Wirtschaftsdetektive am Computer gemacht

Anders als in vielen Fernsehkrimis, findet die Arbeit der Detektive ganz unspektakulär zunächst am Computer statt. Sie recherchieren in öffentlichen Registern und in umfangreichen internationalen Datenbanken wie Lexusnexus oder Genios. Manchmal ist es jedoch auch notwendig das Büro zu verlassen und zum Teil im Ausland tätig zu werden, beispielsweise um Originaldokumente zu organisieren oder Zeugen im Ausland ausfindig zu machen.

Für solche Fälle kann Wonderly auf ein internationales Netzwerk von rund 250 Personen zurück greifen – darunter Anwälte, Ex-Banker, Journalisten und Ex-Polizisten. Und die können sich auch in der Wirtschaftskrise nicht über mangelnde Aufträge von Wonderly beklagen. In der derzeitigen Rezession gäbe es wenig Firmenübernahmen, also wenig Untersuchungen im Vorfeld von Verträgen, "dafür aber viele Fälle, in denen das Unternehmen Prozessunterstützung leistet," sagt Wonderly. Die Unternehmen würden in der augenblicklichen schlechten Wirtschaftslage mehr klagen, beispielsweise wegen Plagiaten. "Weil das eine Sache ist, die man in schlechten Zeiten zu Geld machen kann."

Autorin: Insa Wrede

Redaktion:Henrik Böhme

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