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Nahost

Ein Krieg mit Folgen - zwei Jahre nach dem Juli-Krieg

Vor zwei Jahren wurden zwei israelische Soldaten von der Hisbollah entführt. Israel begann daraufhin einen Krieg, der den Libanon verheerte - und von dem sich auch Israel bis heute nicht erholt hat.

Trümmerfrauen nach den israelischen Angriffen in Beirut, Quelle: AP

Trümmerfrauen nach den israelischen Angriffen in Beirut

Die beiden israelischen Reservisten Eldad Regev und Ehud Goldwasser befanden sich am Morgen des 12. Juli 2006 auf einer Routinepatrouille entlang der libanesischen Grenze, als ihr Fahrzeug plötzlich beschossen wurde: Bei dem Überfall durch Angehörige der libanesisch-schiitischen Hisbollah kamen fünf Soldaten um und die beiden Reservisten wurden in den Libanon verschleppt.

Folgenschwerer Beschluss

In der Jerusalemer Regierung wurde sofort Großalarm ausgelöst, denn erst drei Wochen zuvor war ein anderer Soldat von Hamas-Anhängern in den Gazastreifen entführt worden und Ministerpräsident Olmert traf einen folgenschweren Beschluss: Um Regev und Goldwasser zurückzuholen, befahl er massive Angriffe zunächst auf Stellungen der Hisbollah, dann aber auch auf weite Teile der zivilen Infrastruktur des Nachbarlandes.

Israelischer Angriff auf Beirut im August 2006

Israelischer Angriff auf Beirut im August 2006

Aus einer vermeintlich kurzen Militäroperation wurde ein 33 Tage langer Juli-Krieg, von dem weder der Libanon noch Olmert sich bisher erholt haben. Die beiden entführten Soldaten sollen erst jetzt - zwei Jahre später - im Rahmen eines Austausches nach Israel zurückkehren: Es werden aber nur noch ihre sterblichen Überreste sein, denn beide sind offenbar bereits kurz nach ihrer Entführung umgekommen.

Um Jahre zurückgebombt

Sie sind nur zwei von weit über tausend Opfern, die dieser Krieg forderte: Mindestens 1200 auf libanesischer und knapp 150 auf israelischer Seite. Die Zahl der Verletzten auf beiden Seiten betrug ein Vielfaches und die Schäden, die besonders im Libanon angerichtet wurden, gingen in die Milliarden und waren so hoch, dass tatsächlich eintrat, was ein hoher israelischer Militär zu Beginn des Krieges androhte: Man werde den Libanon "um Jahre zurückbomben".

Demonstranten fordern im Mai 2007 Olmerts Rücktritt, quelle: AP

Demonstranten fordern im Mai 2007 Olmerts Rücktritt

Politisch waren die Folgen für den Libanon ebenso verheerend und führten zu dem langen – und auch jetzt nicht ausgestandenen - Machtkampf zwischen Hisbollah und der Regierung Siniora. In Israel mussten hohe Militärs zurücktreten, ebenso der militärisch unerfahrene damalige Verteidigungsminister. Und Ministerpräsident Olmert verlor den letzten Rest von Sympathie in der Bevölkerung, als die Winograd-Untersuchungs-Kommission ihm in einem vernichtenden Bericht über den Krieg bescheinigte, er habe "ernsthaft versagt bei der Einschätzung der Lage, der Übernahme von Verantwortung und der Anwendung von Vorsichtsmaßnahmen".

Die bislang als beste Armee der Region betrachtete israelische Armee kam aus dem Krieg geschwächt zurück, weil man selbst in Israel das Gefühl hatte, von Hisbollah geschlagen worden zu sein. Zumindest war es der von Iran und Syrien unterstützten Schiiten-Miliz gelungen, sich nun erst recht im Südlibanon festzusetzen.

Hisbollah wieder kampfbereit


Eliyahu Winograd bescheinigte Olmert Versagen, Quelle: AP

Eliyahu Winograds Kommission bescheinigte Olmert Versagen

Daran änderten auch der Waffenstillstand und die Rückkehr der libanesischen Armee in den Südlibanon nichts. Auch nicht das neue Mandat der "UNIFIL", der "UN-Interim-Truppe im Libanon". Zum ersten Mal ist auch Deutschland an einem UN-Einsatz in Nahost beteiligt: Die Bundesmarine patrouilliert vor der Küste des Libanon, um den Schmuggel von Waffen zu unterbinden, aber Waffen kommen auf dem Landweg und die UN-Kontrollen blieben deswegen ziemlich erfolglos. Hisbollah denkt nicht daran, ihre Waffen abzugeben und sich der libanesischen Zentralgewalt zu unterstellen, sie hat inzwischen jedenfalls ihre Waffenarsenale längst wieder auffüllen können – teilweise auch mit besseren Raketen als 2006, sie hat ihre Befestigungsanlagen ausgebaut und israelische Experten warnen, dass ein neuer Krieg noch schwierigen werden dürfte als der von 2006.

Folgenschwer dürfte auch sein, dass der Krieg das Selbstbewusstsein der Israelis nachhaltig beschädigt hat. Wie die Winograd-Kommission befand: Der Julikrieg sei eine "verpasste Gelegenheit" gewesen Hisbollah zu zerschlagen. Israel habe stattdessen einen lang andauernden Krieg vom Zaun gebrochen, der "ohne klaren militärischen Sieg" endete.





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