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Kultur

"Ein Kilo Weintrauben ist gleich vier Kilo Kerosin"

"We feed the world - Essen global" ist der erfolgreichste Dokumentarfilm Österreichs. Der Film über die globale Nahrungsmittelindustrie ist ein Appell an das Publikum, das eigene Handeln zu hinterfragen.

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Filmszene: Massentierhaltung in der Geflügelzucht

"Wir müssen anders leben" ist die Kernaussage dieser ungeschönten Darstellung der heutigen Lebensmittelindustrie. Der Regisseur Erwin Wagenhofer hat sich die Frage gestellt, wie die Europäer eigentlich zu ihren Lebensmitteln kommen und hat erschreckende Antworten gefunden. Er hat zurückverfolgt, wie die Tomaten aus gigantischen Gewächshäusern in Spanien auf den Wiener Naschmarkt gelangt sind und die Hühner aus industriellen Mastbetrieben als Schnitzel in die Regale der Supermärkte. Ein Hauptanliegen war die Frage danach, wie es sein kann, dass in Europa Unmengen an überschüssigen Lebensmitteln vernichtet werden und gleichzeitig weltweit Menschen an Hunger sterben.

"Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet"

Das Ende der autonomen Fischer

Filmszene: Das Ende der autonomen Fischer

Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, spitzt im Film diese Fragestellung auf die These zu: "Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Problem zwölf Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." Das Gespräch mit Jean Ziegler bildet die Konstante in diesem aufrüttelnden Film, der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Berufe zu Wort kommen lässt. Wagenhofer ist nach Brasilien gereist, wo der Regenwald auf tausenden Hektar nahezu verschwunden ist, weil auf seiner Fläche Soja für Nutztiernahrung in Österreich angebaut wird. Der Biologe Vincent José Puhl bringt es auf den Punkt: "Die europäischen Tiere fressen den Regenwald von Amazonien und Mato Grosso auf."

"Ein Konzern hat kein Herz"

45 Millionen im Jahr

Filmszene: Geflügelindustrie

Mitten auf rumänischen Feldern lässt sich der für Rumänien zuständige Produktionsleiter des weltgrößten Saatgutherstellers Pioneer, Karl Otrok, zu der Aussage hinreißen: "Wissen Sie, wir haben den Westen ruiniert und nun kommen wir nach Rumänien und wir werden die ganze Landwirtschaft hier ruinieren. Ein Konzern ist eben ein Konzern. Ein Konzern hat kein Herz." In Frankreich spricht Wagenhofer mit dem Fischer Philippe Cleuziou, der angesichts seines eigenen Fangs sagt: "Also, so was würde ich nicht essen. Wir sagen: Es ist nicht zum Essen, es ist nur zum Verkaufen." Der Chef der Nestlé-AG Peter Brabeck wird in seinem Büro gezeigt, wie er kühl und sachlich davon spricht, dass Wasser wie jedes andere Lebensmittel einen Marktwert haben sollte und wird damit in einen krassen Gegensatz zu dem armen brasilianischen Kleinbauern gesetzt, der von dem verschmutzten Wasser spricht, das seine Kinder krank macht.

"Wir müssen unseren Lebensstil ändern"

Fischmarkt

"Es ist nicht zum Essen, es ist zum Verkaufen"

Der Regisseur möchte mit seinem Film das politische Bewusstsein der Zuschauer wecken: "Wenn sie in Europa in einen Supermarkt gehen, können Sie dort im Winter argentinische Weintrauben zu aberwitzigen Preisen kaufen, die eingeflogen werden - ein Kilo Weintrauben ist gleich vier Kilo Kerosin! - dann stellt sich die Frage, ob man das will." Die Möglichkeit, selbst durch bewusste Ernährung auf die großen Entwicklungen Einfluss zu nehmen, liegt bereits im Titel, wie Wagenhofer im Interview mit DW-WORLD.DE betont: "Wenn wir eine vernünftige Form des Miteinanderlebens finden wollen, dann müssen wir unseren Lebensstil ändern, darum heißt der Film auch ' We feed the world' und nicht ' They feed the world'."

Den Zuschauern wird es nach diesem Film möglicherweise schwerer fallen, mit gutem Gewissen in einen gewöhnlichen Supermarkt zu gehen. Wie auch der Dokumentarfilm "Super Size Me" des US-amerikanischen Regisseurs Morgan Spurlock, der über die Verfettung durch Fast-Food-Produkte berichtet hatte, zwingt "We feed the World" zum Nachdenken über einen bewussteren Umgang mit Nahrung. Doch geht dieser Film noch einen Schritt weiter: Er zeigt, dass jeder Konsument durch sein Handeln die großen industriellen Zusammenhänge beeinflussen kann. Wenn er will.

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