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Thüringisch

Ein Kessel Buntes

Wer erstmals Thüringisch hört, denkt schnell an Sächsisch. Zu Unrecht! Die Mundart zwischen Werra und Saale ist weniger breit und vordergründig, sie klingt ein wenig bescheidener. Und sie ist eine interessante Mischung.

Thüringer sprechen immer ein bisschen so, wie ihre Nachbarn. Deshalb stößt der Zuhörer innerhalb des Bundeslandes auf erstaunliche Unterschiede. Eigentlich gehören Sachsen und Thüringen zum gemeinsamen Thüringisch-Obersächsischen Sprachraum. Aber die Thüringer haben sich mehr "hineinreden" lassen. Im Nordosten etwa sind deutlich die Preußen heraus zu hören: "Ich hoh's dich jjesaht" (Ich hab's dir gesagt) heißt es dort – das klingt fast ein bisschen Berlinerisch.

Ägidienkirche und Krämerbrücke in Erfurt

Im thüringischen Ländle
Im Westen und Süden ist die thüringische Sprache vom Hessischen und Fränkischen beeinflusst. Am meisten lassen Hennebergischer und Itzgründischer Dialekt aufhorchen. Die Rennsteigschranke begrenzt das Hennebergische nach Norden. Hier wird mit -le verkleinert statt mit -chen wie im Norden. Charakteristisch sind außerdem das anlautende b in Fragewörtern (bos für was, buhie für wohin). Oder Zusammenziehungen wie Nööl und gesööt für Nagel und gesagt. Nicht zu vergessen: das gerollte r!

Variabler Dialekt
Nördlich von Meiningen hört man eigentümliche Diphthonge wie äi und oi in Wäind und Noicht (Wind, Nacht). Starke Unterschiede zum eigentlichen Thüringischen gibt es im Wortbestand, wie z. B. Hütes, Höbes (Klöße), Liemetze (Ameise) Grasläube (Schnittlauch).

Kyffhäuser mit Barbarossa-Bildnis Steindenkmal

In der Erfurter Gegend und weiter östlich klingt das Thüringische dann immer mehr nach breitem Sächsisch. Dies zeigt sich bei u statt o in Uchse (Ochse), Kuup (Kopf), Wuche (Woche) sowie an dem zu einem o-Laut verdumpften a wie in Nose (Nase) und Wosser (Wasser).

Dialektale Kleinstaaterei
Unterschiede existieren in Thüringen schon von Dorf zu Dorf. Das ist das Erbe der übermäßigen Kleinstaaterei, als das Land vielen kleinen Fürsten und Herzögen gehörte, durchschnitten von unzähligen Grenzen. Völlig unerwartet tauchen lokale Eigenheiten auf – wie der Stieger Dialekt in Eisenach, den einst nur die Sprache der Armen am "Stieg" kennzeichnete. Mit dem größten Frühlingsfest Mitteldeutschland feiern die heutigen "Stieger" jedes Jahr stolz das Fortbestehen ihrer Mundart.

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