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Deutschland

Ein Kandidat mit Pluspunkten und Fragezeichen

Joachim Gauck wird der nächste Bundespräsident. Er ist ein Sympathieträger. Ob er auch ein guter Bundespräsident sein wird, ist noch keineswegs sicher, meint Peter Stützle.

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Kommentar Deutsch

Gar keine Frage: Joachim Gauck ist ein respektabler Kandidat für das Amt des deutschen Staatsoberhaupts. Er war das schon vor zwei Jahren, als er erstmals als Bundespräsident kandidierte. Sogar aus den Reihen der Regierungskoalition, die ihn nicht wählte, wurde ihm damals Respekt bekundet. Ganz zu schweigen von der Bevölkerung, in der er ausweislich der Umfragen sehr viel mehr Sympathie genoss als der Kandidat der Regierung, Christian Wulff.

Unbequem für die Opposition?

Peter Stützle Hauptstadtstudio Berlin Hörfunk/Online Teamleiter. Foto DW/Olof Pock August 2009

Peter Stützle aus dem DW-Hauptstadtstudio Berlin

Gauck wurde damals von Sozialdemokraten und Grünen ins Rennen geschickt, obwohl und gerade weil er kein strammer Parteigänger der beiden war. Er sollte das Regierungslager in Verlegenheit bringen, und das gelang auch. Erst im dritten Wahlgang, in dem eine relative Mehrheit statt der absoluten genügte, wurde Wulff damals gewählt.

Von Gaucks Ansichten her fällt es den Regierungsparteien also nicht schwer, ihn mitzutragen. Dennoch musste Bundeskanzlerin Merkel über ihren Schatten springen. Denn diesen Mann jetzt zu nominieren, wirkt wie ein Eingeständnis, vor zwei Jahren auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Einen Hinweis darauf konnte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel nach der Nominierung denn auch nicht verkneifen. Allerdings könnten die Oppositionsparteien noch ihre Überraschungen mit Gauck erleben, denn manche seiner Ansichten passen sehr viel besser ins konservative Lager.

Unbekannt in Sachen Außenpolitik

Zu vielen Themen allerdings kennt man Gaucks Meinung noch gar nicht. Insbesondere zu außenpolitischen Fragen hat er sich nur wenig geäußert. Für ein Staatsoberhaupt, das Deutschland nach außen repräsentieren muss, ist dieser weiße Fleck nicht unproblematisch. Angesichts von Eurokrise und weltpolitischen Umbrüchen würde man gerne mehr über die Ansichten des künftigen Bundespräsidenten wissen.

Schon die Kandidatensuche der letzten Tage war sehr nach innen gewandt. So haben weder Medien noch Politiker den früheren Präsidenten des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, ins Gespräch gebracht. Was für ein Signal nach außen wäre seine Nominierung gewesen! Bei Joachim Gauck kann man nur hoffen, dass er bei seiner schwierigen internationalen Aufgabe immer den richtigen Ton trifft.

Autor: Peter Stützle
Redaktion: Regina Mennig