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Welt

Ein Job ohne Sicherheiten

Jung, arbeitslos und immer auf der Suche nach irgendeinem Job: Die meisten jungen Senegalesen verdienen ihr Geld im informellen Sektor. Für Frauen sind die kleinen Verkaufsjobs oft die einzige Chance auf ein Einkommen.

Eine Senegalesin, Djenaba, mit einem Stapel Zeitungen (Foto: Christine Harjes)

Djenabas Job beginnt, wenn es noch dunkel ist

Djenabas Tag beginnt jeden Morgen um halb fünf. Sie ist eine der vielen Frauen im Senegal, die ihr Geld auf einem Arbeitsmarkt verdienen, den es eigentlich gar nicht gibt: Djenaba arbeitet im informellen Sektor. Ein festes Gehalt oder eine Rente - davon kann die junge Frau nur träumen.

Der erste weibliche Zeitungsjunge

Kleine selbstgebaute Straßenstände (Foto: Christine Harjes)

Typischer Arbeitsplatz: Stände am Straßenrand

Der informelle Sektor: Für die meisten Senegalesinnen bedeutet das, Erdnüsse am Straßenrand zu verkaufen, selbstgemachte Fruchtsäfte auf dem Markt oder bunten Schmuck an einem der Strände von Dakar anzubieten. Djenaba allerdings arbeitet als "Zeitungsjunge". Und damit ist sie eine echte Attraktion in Dakar - sie ist die einzige Frau unter vielen Männern. Die 37-Jährige sieht aus wie ein junges Mädchen. Ihrem zierlichen Körper sieht man die körperliche Arbeit nicht an.

Djenabas Arbeitsplatz liegt inmitten von mehreren drei- und vierspurigen Straßen in der Nähe der Universität von Dakar. Der Wind fegt über die Verkehrsinsel. Djenabas Arbeitskleidung: Jeans, Bluse und eine Baseballkappe. Ihre Haut ist ausgetrocknet und rissig von Wind, Staub und der starken Sonne. Trotz der harten Arbeitsbedingungen verkauft Djenaba seit sieben Jahren jeden Tag hier auf der Verkehrsinsel Zeitungen. "Ich habe mit Leidenschaft für diese Arbeit angefangen", sagt sie. "Und wenn ich immer noch genug Motivation habe, um diese Arbeit weiterzumachen, dann habe ich das den Kunden zu verdanken. Die hören nicht auf, mir Mut zu machen."

Kein Vertrauen in den Staat

Porträtfoto von Khady Fall Ndiaye (Foto: Christine Harjes)

Khady Fall Ndiaye will die Frauen weiterbilden

Djenaba träumt davon, irgendwann den Sprung in ein besseres Leben, zu mehr sozialer Sicherheit zu schaffen. Aber sie will in der Branche bleiben. Die Senegalesin möchte ihr Geld irgendwann als Zeitungsgroßhändler verdienen.

Djenaba hat wie viele andere auch die Schule früh abgebrochen. Der senegalesische Staat bietet für Frauen wie sie zwar Ausbildungsprogramme, aber die Zeitungsverkäuferin hat nur wenig Vertrauen in die Behörden: "Vom Staat erwarte ich gar nichts. Die Leute da halten sich sowieso nicht an ihre Versprechen. Da schlage ich mich lieber alleine durch". Im Senegal, wo 40 Prozent der arbeitsfähigen Menschen keine Arbeit finden, bleibt der informelle Sektor für viele ein Ausweg.

Eine Chance für die Frauen?

Djenaba verkauft Zeitungen an der Straße (Foto: Christine Harjes)

Djenaba schlägt sich ohne Hilfe durch

Das gilt auch für die vielen arbeitslosen Frauen. Das könne sogar eine Chance sein, sagt Khady Fall Ndiaye. Sie ist die Leiterin des staatlichen Programms zur Alphabetisierung und für die berufliche Ausbildung von Frauen. "Eine gute Struktur des informellen Sektors kann den Frauen helfen, sich von bestimmten Schwierigkeiten zu befreien. Er kann ihnen helfen, aus ihrer Lethargie herauszukommen, ihrer Ignoranz und ihrem Mangel an Kompetenz zu entkommen."

Als Djenaba mit ihrer Arbeit angefangen hat, musste sie gegen viele Vorurteile ankämpfen. "Viele dachten, ich würde Zeitungen verkaufen, um reiche Männer kennenzulernen", erzählt sie und lacht. "Ich will einfach nur genug Geld verdienen, damit mein Sohn eine vernünftige Ausbildung machen kann", sagt die alleinerziehende Mutter. Denn eins ist für sie klar: Ihr Sohn soll niemals auf der Straße Zeitungen verkaufen müssen.

Autorin: Christine Harjes
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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