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Wirtschaft

Ein jeckes Riesen-Geschäft

In den Karnevalshochburgen am Rhein herrscht die "närrische Jahreszeit". Beim sogenannten Straßenkarneval, der am Rosenmontag seinen Höhepunkt findet, werden Hunderte Millionen Euro umgesetzt.

Selbst wer nicht im Rheinland lebt, kann in diesen Tagen nicht übersehen, dass die "Jecken" los sind. Bilderstrecken im Internet oder die Nachrichtensendungen des Fernsehens zeigen: Die Jecken, also die "Karnevalsverrückten", bestimmen das Stadtbild. Schon am Vormittag begegnen sie einem: Cowboys und Indianer, Prinzessinnen und Piraten oder ganz verrückt verkleidete Zeitgenossen, die als Duschkabine oder als iPhone unterwegs sind.

Das muss doch kosten! Denn ganz offensichtlich sind nicht alle Kostüme selbstgenäht. In Karnevalshochburgen wie Köln gibt es auf Kostüme spezialisierte Geschäfte oder Kostümverleihe, die ganzjährig geöffnet sind. Wer genau wissen will, wie viel Geld die Deutschen 2015 für ihre Karnevalsverkleidung ausgeben, stößt auf ein Problem: Denn inzwischen wird nicht nur der Karneval verkleidet gefeiert, sondern auch das aus Amerika importierte "Halloween" kommt ohne Verkleidung nicht mehr aus. Daher wird es aktuelle Zahlen für diese tollen Tage erst frühestens nach dem Aschermittwoch geben.

Hauptsache, Petrus zeigt sich gnädig

Die wichtigste Voraussetzung für ein gelungenes Geschäft ist dabei das Wetter: "Kalt kann es sein, schneien kann es - nur bitte kein Regen," formuliert Dieter Tschorn das Stoßgebet der "Fachgruppe Karneval" im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie. Die Interessenvertretung, sie vertritt ungefähr zwei Drittel dieses Marktes in Deutschland, hat beobachtet, dass die meisten Kunden ihre Kostüme spontan kaufen. Und wenn es regnet, dann blieben die Jecken eben zu Hause - unverkleidet.

Bildergalerie Karneval 2014 Köln

Jeck unterm Dom: Der Kölner Rosenmontagszug zieht jedes Jahr bis zu eine Million Besucher an

Im vergangenen Jahr verkauften die Mitgliedsunternehmen der Fachgruppe Kostüme für 271,5 Millionen Euro. Neunzig Prozent des Geschäftes fielen auf die Karnevalstage, der Rest wurde im Herbst zu Halloween umgesetzt. Dabei gingen 2,5 Millionen Verkleidungen für Erwachsene über die Theke und 1,1 Millionen Kinderkostüme, dazu rund 770.000 Perücken, zwei Millionen Hüte und 6,6 Millionen Schminksets.

Fast eine halbe Milliarde – allein in Köln

Da der rheinische Karneval eine deutsche Veranstaltung ist, wird er vor allem im Verein betrieben - und von dort gibt es natürlich auch Zahlen. Ungefähr 2,6 Millionen deutsche Narren sind in fast 5000 Karnevalsvereinen organisiert, die ihrerseits unter dem Dach des BDK, des Bundes Deutscher Karneval, organisiert sind. Die Zahlen des BDK für das Jahr 2012 weisen allein für den Kölner Karneval einen Umsatz von fast 460 Millionen Euro aus. Das Hotel- und Gaststättengewerbe verzeichnete während des närrischen Treibens einen Umsatz von 165 Millionen Euro, Kostümverkäufer und -verleiher nahmen rund 85 Millionen Euro ein.

Für das Geschäft der Hoteliers bleibt aber festzuhalten, dass während der Karnevalstage eine wichtige Einnahmequelle wegfällt: In dieser Zeit gibt es im Rheinland nämlich weniger Messen und Kongresse, die im übrigen Jahr für die meisten Übernachtungen sorgen. Insgesamt scheint es sich aber zu rechnen: Laut BDK kassierten die Kämmerer der Stadt Köln und der umliegenden Gemeinden durch den Straßen-Frohsinn zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen von fast fünf Millionen Euro.

Kamelle, meistens frisch

Unsere Kollegen von DRadio-Wissen haben eine Statistik-Abteilung, die für den Karneval diese Zahlen errechnet hat: Während der Karneval in Köln für einen Umsatz von 460 Millionen Euro sorgt, liegt er bundesweit fast dreimal so hoch: 1,4 Milliarden Euro. Dieser Umsatz werde aber über das ganze Jahr hinweg generiert: Es lebten in "ganz Deutschland rund 3000 Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern ganzjährig vom Karnevalsgeschäft."

Neben Kostümschneidern und Make-Up-Herstellern profitieren besonders Süßwarenhersteller vom jecken Treiben. Allein beim größten Rosenmontagsumzug, dem in Köln, werden 330 Tonnen Bonbons, 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Schachteln Pralinen unters feiernde Volk geworfen. Und auch, wenn manch eine olle Kamelle noch vom letzten Jahr übriggeblieben war (es lohnt sich immer, bei den Süßigkeiten aufs Haltbarkeitsdatum zu schauen): Auch die mussten erst mal hergestellt und vertrieben werden.

Und erst am Aschermittwoch ist alles vorbei

Die Voraussetzungen für geschäftlich tolle "tolle Tage" sind in diesem Jahr aber gegeben, wenigstens meteorologisch. Es soll übers Wochenende, wenn schon viele kleine sogenannte Stadtteil-Umzüge stattfinden, wärmer werden und vor allem soll es auch am Rosenmontag selbst trocken bleiben. Dann werden allein in Köln etwa eine Million Menschen den Weg des Rosenmontagszuges säumen und fast jeder wird verkleidet sein.

Viele von ihnen werden "Strüßcher" und "Kamelle" (Blumensträuße und Süßigkeiten) fangen, sicher mehr als ein "Kölsch" (das lokale Bier) trinken, für einen Tribünenplatz oder die öffentliche Toilette bezahlen, einige von ihnen sogar Geld für ein Hotelzimmer ausgeben. Wie viel genau dabei umgesetzt wird? Gemach: Das wollen wir jetzt noch gar nicht wissen, das hat alles Zeit bis zum Aschermittwoch.

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