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Wirtschaft

Ein Jahr Toll Collect

Nach einem schwierigen Anfang scheint die LKW-Maut doch noch zu einer Erfolgsgeschichte zu werden. Wegen Fehlplanungen und Pannen hatte sich die Einführung um mehr als ein Jahr verschoben. Eine Bilanz.

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LKW müssen für die Nutzung der Autobahnen zahlen

Der Anfang war holprig: Die beteiligten Konzerne mussten sich Unfähigkeit vorwerfen lassen. Und den damaligen Verkehrsminister Manfred Stolpe hätte das Maut-Debakel fast den Posten gekostet. Da dem Bund Einnahmen in Milliardenhöhe entgangen waren. Nun - ein Jahr nach Einführung der LKW-Maut - sieht die Lage sehr viel besser aus. Die Maut-Erhebung für schwere Lastkraftwagen auf deutschen Autobahnen läuft reibungslos und sie ist ein glatter Erfolg, darin sind sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Christoph Bellmer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Toll Collect einig. "Nach einem Jahr Maut können wir einen einzigen Fakt konstatieren: Es gab nicht einen einzigen Tag, eine einzige Stunde ohne Mauterhebung", sagt Bellmer. Das System habe durchgehend funktioniert und das schlage alle Erwartungen, die vor einem Jahr bestanden hätten.

Verlagerung der Transporte

Maut Bildschirm Monitor Lkw-Maut Kontrollzentrum Toll Collect

Maut-Erfassung

2,85 Milliarden Euro spülte die Maut dem Bund im abgelaufenen Jahr in die Kasse. Dem stehen Systemkosten in Höhe von 600 Millionen Euro gegenüber. Von der verbleibenden Summe sollen 1,2 Milliarden Euro in die Verbesserung des Straßenverkehrs fließen, 900 Millionen Euro in den Schienenverkehr und der Rest in die Binnenschifffahrt. Im kommenden Jahr erwartet Verkehrsminister Tiefensee Einnahmen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro. "Ich bin sehr stolz, dass wir konstatieren können, dass mit der Einführung der Maut der Verkehr anders stattfindet als vor Einführung der Maut. Wir haben eine Zunahme der Verlagerung von Containern auf die Schiene und wir haben eine Zunahme von LKW, die nach modernen Umweltstandards ausgerüstet sind", sagt Tiefensee.

On-Board-Units

Lkw-Maut Lkw auf Autobahn

Ein Lkw passiert am 05.01.2005 ein dreisprachiges Maut-Hinweisschild auf der Autobahn A12 in Frankfurt (Oder) nahe dem deutsch-polnischen Grenzübergang. Etwa 3.000 Lkw passieren täglich den Grenzübergang in Richtung Deutschland. Fast jeder Lkw-Fahrer muss vorher auf den nahe gelegenen polnischen Zollhof Swiecko, um an Buchungsterminals von Toll Collect die Gebühren für die Lkw-Maut zu entrichten. Dort herrscht derzeit reger Andrang. Fast alle 1.000 Stellplätze des Parkplatzes sind belegt. Vor allen 15 Buchungsterminals gibt es lange Schlangen von wartenden Lkw-Fahrern. Nach Aussage von zwei littauischen Lkw-Fahrern dauert die Bezahlung am Terminal etwa zwei Stunden. Seit dem 01.01.2005 gilt in Deutschland die Lkw-Maut auf Autobahnen. Foto: Patrick Pleul +++(c) dpa - Report+++

Diese Entwicklung soll sich mit der Einführung einer neuen Software für die in den Fahrzeugen eingebauten so genannten On-Board-Units noch verstärken. Vom 1. Januar 2006 an können damit Veränderungen beispielsweise bei den Mautsätzen per Mobilfunk auf die Fahrzeuggeräte überspielt werden. Damit wird das System flexibler, die Maut könnte abhängig von der Tageszeit, der gewählten Strecke, oder nach Größe, Gewicht oder Schadstoffausstoß bemessen werden. Gelten soll sie aber nach wie vor nur für schwere LKW, Kleintransporter und PKW will Tiefensee nicht belasten. Das würde nur unnötig den Mittelstand belasten, erklärt der Verkehrsminister.

Wenig Mautpreller

Den bereits bestehenden Ausweichverkehr will Tiefensee im kommenden Jahr so weit wie möglich stoppen. Auf mindestens acht Bundesstraßen soll eine zusätzliche Mautpflicht eingeführt werden, die Bundesländer sind derzeit aufgerufen, weitere Streckenabschnitte zu benennen. Die Quote der Mautpreller beziffert Toll-Collect mit derzeit zwei Prozent. Insgesamt seien rund 16 Millionen LKW und damit rund zehn Prozent des Verkehrsaufkommens überprüft worden. Bellmer setzt darauf, dass immer mehr Fahrzeuge mit On-Board-Units ausgerüstet sind, denn deren Erfassung klappt nahezu reibungslos. "Das System ist nicht nur innovativ, sondern es läuft auch präzise wie ein Uhrwerk und das ist eine weitere wichtige Voraussetzung, um es anderen Ländern noch anzudienen", sagt Bellmer. Großbritannien, China, Ungarn und die USA haben bereits Interesse am deutschen Maut-System angemeldet.

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