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Musik

Ein Jahr mit der Königin

Aus dem Ruhrgebiet ist ein Kulturgebiet geworden. Im Rahmen der "Kulturhauptstadt 2010" präsentiert das Projekt "Orgellandschaft Ruhr" die Instrumente der Region, die von Orgelbauern aus ganz Europa stammen.

Orgel im Essener Dom Foto: Martin Engelbrecht

Orgel im Essener Dom

Das Ruhrgebiet ist eine Region, der man auf kulturellem Gebiet lange Zeit wenig zugetraut hat. Der Strukturwandel hat hier viel verändert. Doch passt ein Instrument wie die Orgel zum rauhen Image des Reviers? Stefan Glaser leitet das Projekt „Orgellandschaft Ruhr“. DW-WORLD hat mit ihm gesprochen.

DW-WORLD.DE: Wer hat das Projekt „Orgellandschaft Ruhr“ ins Leben gerufen?

Stefan Glaser: Es ist gleichzeitig von der evangelischen und der katholischen Kirche angeregt worden und hat zweieinhalb Jahre Vorbereitung gekostet. Wir hatten die Idee, einmal das zu vernetzen, was sowieso in Punkto Orgel jedes Jahr im Ruhrgebiet stattfindet.

Gibt es genügend Zuhörer für so viele Konzerte, immerhin sind es 480 Veranstaltungen an 70 Spielorten?

Wir haben ein Stammpublikum, das kommt zu fast allen Orgelkonzerten. Die meisten sind uns persönlich bekannt. Die Leute kommen auch von weit her. Ein Herr aus Berlin hat gesagt, er sei so begeistert von dem Flair des Ruhrgebiets und vom Kulturhauptstadtjahr, dass er zwei Wochen Urlaub hier machen will und an jedem Tag ein Orgelkonzert besuchen wird.

Was bietet das Projekt „Orgellandschaft Ruhr“?

Es gibt in diesem Jahr einen Schwerpunkt mit Organisten aus dem Ausland, es konzertieren Künstler aus den jeweiligen Partnerstädten, aber natürlich auch eigene „Gewächse“, die hier groß geworden sind.

Was ist das besondere Kennzeichen der Orgellandschaft Ruhr?

Hier herrscht eine sehr, sehr große Vielfalt. Wir finden Instrumente von Orgelbauern aus Österreich, aus Belgien, aus Holland, der Schweiz, auch einheimische Orgelbauer sind vertreten. Wir haben überdurchschnittlich viele große Instrumente, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Historische Instrumente gibt es nicht so viele. Zum einen war das Ruhrgebiet ja lange nicht derart besiedelt wie heute, zum anderen sind viele Instrumente im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen oder zerstört worden. Dafür haben wir aber eine sehr große Vielfalt an Orgeln aus der Nachkriegszeit – und es existieren noch viele Instrumente im romantischen Stil, mit rundem, vollem Klang.

Gibt es besonders wertvolle historische Instrumente?

Das kann man schwer zurückverfolgen. Man muss sehen, wie viel Material wirklich original ist. Unter „historisch“ sind hier die meisten Instrumente zu sehen, die um 1880 bis 1940/50 gebaut worden sind.

In den letzten Jahren sind viele neue Orgeln im Ruhrgebiet gebaut worden, etwa die großen, sinfonischen Instrumente in den neuen Konzerthäusern.

Diese sehr großen Orgeln sind eine sehr schöne Bereicherung. In der Mercatorhalle in Duisburg steht zum Beispiel ein Instrument im englischen romantischen Stil. So etwas haben wir hier noch nicht gehabt.

Das Gespräch führte Markus Bruderreck

Redaktion: Gudrun Stegen

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