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Asien

Ein Jahr "Iran unter Rohani" - das sagen DW-User

Seit einem Jahr ist Hassan Rohani im Iran an der Macht. Im Wahlkampf hatte er den Iranern ein besseres Leben und mehr Freiheiten versprochen. Was hat sich seitdem im Land getan? Wir haben unsere User gefragt.

Wahlplakat von Rohani im Wahlkampf 2013, darauf sein Portrait, ein Schlüssel und das Wort 'Mäßigung' (Foto: AFP/Getty Images)

Rohani und der Schlüssel für die Lösung der iranischen Probleme: Plakat aus dem Wahlkampf 2013

Der Sieg kam überraschend, der Amtseid war dann nur Formalität: Am 3. August 2013 legte der gemäßigte Geistliche Hassan Rohani ihn ab und wurde neuer Präsident des Iran. Auf Plakaten und Flyern mit seinem Wahlkampf-Schlagwort "Mäßigung" und darüber einem Schlüssel als Symbol für die Lösung der Probleme des Landes hatte der reformorientierte Politiker den Iranern ein besseres Leben versprochen. Doch ist das auch eingetreten?

Die Farsi-Redaktion der Deutschen Welle hat das ihre fast 500.000 Facebook-Fans gefragt: Wie bewerten Sie die bisherige Amtszeit Rohanis und warum? Das Echo war überwältigend.

Screenshot der Facebookseite der Farsi-Redaktion der Deutschen Welle (Quelle: Facebook)

Mehrere hundert DW-User beteiligten sich an der Diskussion auf der Facebook-Seite der Farsi-Redaktion

"In der Außenpolitik bekommt Rohani die volle Punktzahl", meint "Alireza", ein junger Student aus Teheran. Bei der Innenpolitik sehe es allerdings nicht so rosig aus: "Hier wäre eine Abwasserleitung ein passenderes Symbol als der Schlüssel." So viele schlechte Entscheidungen habe der Präsident getroffen.

Für die Studentin "Stetare" liegt das Problem im politischen System des Landes. Sie schreibt: "Wir erwarten viel zu viel von Rohani. Der Präsident hat keine Macht und keine Autorität, um unseren Erwartungen zu erfüllen." Denn: Die letztendliche Entscheidungsmacht im Iran hat der oberste religiöse Führer, Ajatollah Ali Chamenei.

Zwei iranische Polizisiten sammeln Satellitenschüsseln ein (Foto: ISNA)

Konfisziert: Zwei iranische Polizisten sammeln Satellitenschüsseln ein

Dementsprechend vermutet auch "Majid", der in Teheran studiert, dass Rohani grünes Licht von Chamenei und den Revolutionsgarden für seine Außenpolitik bekommen haben muss. In anderen Bereichen sei der Präsident hingegen machtlos: "Sonst kann er nichts tun. Die Gefängnisse sind überfüllt mit Dissidenten, die Journalisten werden unter Druck gesetzt und die Medien zensiert."

Im Iran habe sich nichts verändert kritisiert "Ayli", eine junge Userin aus Teheran: "Alles ist wie früherer: Inflation, Internet-Zensur, Störung von Satellitenübertragungen und Sittenwächter auf den Straßen."

Es gibt auch Lob für Rohani...

"Ali" aus Abadan, einer Stadt im Süd-Iran, meint hingegen, dass Rohani bereits jetzt Wunder vollbracht habe. Er argumentiert: "Niemand hatte erwartet, dass sich die Situation nach all den Fehlern von [Amtsvorgänger Mahmud] Ahmadineschad so schnell normalisieren würde. Die Inflation geht zurück und der Markt hat sich zum Teil stabilisiert. Rohani hat vieles erreicht, obwohl die Ultra-Konservativen mit aller Macht dagegen halten."

Containerschiff legt in einem iranischen Hafen an (Foto: IRNA)

Seit der Lockerung der Sanktionen gegen den Iran legen auch wieder Containerschiffe in den Häfen an

Ihm stimmt ein User namens "Bisimich", der sich als Mitarbeiter der nationalen Öl-Kompanie vorstellt, zu. Er gibt sich zufrieden: "Die Zentrifugen drehen sich weiter! Das Leben im Iran läuft - sogar besser denn je." Eine Meinung, die nicht viele DW-User teilen.

...aber mehr Kritik

Aus Sanandaj, einer Stadt mit vorwiegend sunnitischer Bevölkerung im Westen des sonst mehrheitlich schiitischen Irans, schreibt der User "Ayub" enttäuscht: "Im Wahlkampf hatte Rohani versprochen, den Status der Minderheiten zu verbessern. Nun ist alles noch schlimmer geworden. Ich habe ihn damals unterstützt und schäme ich mich jetzt vor meinen Freunden."

"Wir leiden noch immer unter Medikamentenmangel und Arbeitslosigkeit, wir haben keine Privatsphäre und unsere Menschenrechte werden verletzt", kritisiert "Pedram" aus Bojnernd, einer Stadt im Ost-Iran, wo häufig Dürre herrscht und viele Menschen in Armut leben.

"Majid" aus Yazd, einer Stad am Rande der Wüste im Zentrum des Irans, ist ebenfalls unzufrieden mit der Wirtschaftslage: "Der Preis von Hühnerfleisch hat sich verdreifacht. Wenn ich genug Geld hätte, würde ich dieser Hölle entfliehen."

Fußballfan Rohani schaut ein Spiel der Fußball-WM 2014 in seinem Wohnzimmer auf der Couch (Foto: MEHR/Twitter)

Auf der Couch mit Fußballfan Rohani: "Stolz auf unsere Jungs", twitterte er zur WM 2014

Er rede nur schöner als sein Amtsvorgänger Ahmadinschad, kommentiert "Vahid" aus Teheran. Für Negin wiederum ist das gar nicht so unwichtig. Sie schreibt: "Allein, dass wir uns für ihn nicht schämen müssen, reicht. Ich mag seine Persönlichkeit."

Und "Sudy", eine iranische Facebook-Userin, deren Profilfoto eine ältere Dame zeigt, hat Verständnis für die schleppende Umsetzung der Wahlversprechen: "Für ein besseres Verhältnis zur Weltgemeinschaft sind wir ihm dankbar. Über Nacht kann er aber nicht alles ändern. Wir hoffen nur, dass er seine Versprechen bald hält."

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