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Kultur

Ein Internet-Erfolgsmodell aus Peru

Internetcafes und so genannte Cabinas Públicas haben in den letzten Jahren in Peru einen starken Boom erlebt. Taugt das peruanische Modell des gemeinschaftlichen Internetzugangs als Vorbild für andere Länder?

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Internet-Cafes ähneln mitunter eher einer Legehennen-Batterie als einem gemütlichen Cafe

Der Zugang zum Internet ist in Peru für den Großteil der Bevölkerung mit hohen Hürden verbunden. Nur sieben Prozent der Bevölkerung verfügen über einen Telefonanschluss, Computer sind für viele unerschwinglich. Die meisten Menschen müssen deshalb Umwege gehen, um ins Internet zu gelangen; und immer häufiger führen sie diese in Internet-Cafes und in die peruanischen Cabina Públicas des peruanischen Wissenschaftsnetzwerkes RCP.

Das RCP entstand 1991 aus einem Zusammenschluss von Privatpersonen und gesellschaftlichen Gruppen. Es startete gänzlich ohne Subventionen und hat sich mittlerweile mit einem Marktanteil von 76 Prozent zum größten Internetprovider Perus entwickelt. 1995 eröffnete die RCP die ersten drei Internetcenter, die so genannten Cabinas Públicas im Stadtgebiet von Lima. Heute gibt es in Peru mehr als 5000 davon, die freilich nicht im Besitz der RCP sind sondern von Kleinstunternehmern betrieben werden. 80 Prozent der Peruaner, die sich ins Internet einwählen, tun dies über einen kollektiven Zugang dieser Art.

Beeindruckend

Uwe Afemann, von der Universität Osnabrück und Publizist zahlreicher Studien über Internet und Dritte Welt, zeigt sich beeindruckt: "Sie haben es geschafft, dass auch Leute aus der unteren Mittelschicht und zum Teil aus der Unterschicht eine Möglichkeit haben, das Internet zu nutzen. Ich bin erst in diesem Herbst in Peru gewesen und habe das beobachten können. Es wird sehr viel telefoniert über das Internet, das ist vergleichsweise sehr günstig."

Die Ausstattung dieser Cabinas Públicas ist nicht mit dem Komfort der mitteleuropäischen Internetcafes vergleichbar. Die User sitzen zumeist auf einfachen Plastikstühlen vor einem von 20 bis 40 PC’s, die in Reih und Glied an der Wand entlang aufgestellt sind. Cabinas Públicas erinnern somit eher an Hühnerlegebatterien als an moderne Internetcafés.

Ausbildung inklusive

Zu den ersten Cabinas Públicas gehörten auch Ausbildungsräume, in denen den Menschen der Umgang mit Computern und der Zugang zum Internet kostenlos erklärt wurde. Längst haben sich die peruanischen Cabinas Públicas zu einem Exportschlager entwickelt und werden auch in Ländern wie Kolumbien, El Salvador, Argentinien und Brasilien eingerichtet.

Das RCP selbst unterhält bereits seit 1999 keine Cabinas Públicas mehr. Ihr Erfolg hat sich verselbstständigt. Peruanische Kleinstunternehmrer entdeckten mit der Zeit den gemeinschaftlichen Internetzugang als Geschäftsidee und richteten unabhängig vom RCP eigene Internetcafés ein. Eine Stunde surfen im Internet kostet dort heute im Durchschnitt 80 US-Cent.

Nachhaltigkeit

Auf die Frage, ob er sich das peruanische Modell trotzdem als Vorbild für andere Projekte dieser Art vorstellen kann, antwortet der RCP-Präsident Eduardo Santoyo am Rande des Genfer Weltinformationsgipfels voller Selbstbewusstsein: "Das ist genau der Grund, warum wir hier in Genf sind! Nachdem wir einige andere Beispiele für gemeinschaftlichen Internetzuzgang studiert haben, sind wir davon überzeugt, dass das Modell des RCP heute genauso gültig und nützlich ist wie damals 1995 in Peru."

Eduardo Santoyo betont die Nachhaltigkeit der peruanischen Erfolgsstory, plädiert voller Optimismus zugunsten der Eigeninitiative in den wirtschaftlich schwächeren Ländern und verweist dabei auf die existierenden 5000 Cabinas Públicas in Peru. "Lösungen erfordern Anstrengungen von jedem von uns. Und das ist der Beitrag des peruanischen Wissenschaftsnetzwerkes. Wir sind zwar arm, aber wir können etwas beitragen. Zuerst müssen wir versuchen, etwas auf die Beine zu stellen und dann können wir auch größere Dinge erwarten und fordern. Zum Beispiel einen eigenen Satteliten. Warum nicht? Aber nicht für die Infrastruktur im Kleinen. Das können wir selber."

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