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Global Ideas

Ein Haus aus Plastikmüll

Eine Studentin aus Dänemark will aus Plastikmüll Bausteine machen und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: weniger Müll und bessere Häuser für ländliche Gebiete.

Plastikmüll gibt es einfach überall. In den meisten Industrieländern wird er gesammelt und oft auch recycelt. Aber besonders in ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer ist der Plastikmüll zu einem echten Problem geworden.

Im Gegensatz zu organischem Abfall verrottet Plastikmüll nicht, sondern bleibt lange auf Straßen und Feldern liegen, wo er versehentlich von Nutz- und Wildtieren gefressen wird. Oftmals wird der Müll aus Mangel an Alternativen auch einfach verbrannt, wodurch giftige Gase freisetzt werden.

Auf diese Probleme stieß Lise Fuglsang Vestergaard, eine junge Ingenieurs-Studentin aus Dänemark, während ihres drei Monate langen Aufenthalts im indischen Joygopalpur in Westbengalen.

"Weichplastik ist ein riesiges und stetig wachsendes Problem in solchen Gebieten", sagt sie. "Es gibt keine Entsorgungsmöglichkeit, deshalb werfen die Menschen den Müll in die Landschaft oder verbrennen ihn."

Wertvoller Abfall

Foto: Indische Frauen sitzen gemeinsam auf dem Boden.

Frauen bereiten in einem Workshop eine Müll-Sammelaktion vor

Vestergaard hatte eine ungewöhnliche Idee: Vielleicht könnte man ja aus den überall herumliegenden Plastiktüten und Verpackungen Bausteine machen, aus denen die Einwohner des Dorfes wiederum Häuser bauen können. Vestergaard ging es nicht nur um die Herstellung der Bausteine – es war ihr auch ein Anliegen den gesamten Prozess so zu gestalten, dass die Bewohner der ländlichen Gebiete ihre Idee auch annehmen. "Sobald man den Plastikmüll transportieren muss, verliert er an Wert", erklärt Vestergaard. Nur, wenn der Müll einen gewissen Wert hat, sind die Menschen motiviert, ihn zu sammeln, anstatt ihn einfach wegzuwerfen.

Also entwickelte Vestergaard, die an der Technischen Universität Dänemark (DTU) studiert, beides: den Prozess und die Technologie zur Herstellung von Bausteinen aus Plastikmüll.

Zuerst wird der Plastikmüll gesammelt und, falls nötig, gewaschen. Dann wird er von den Einwohnern mithilfe von Scheren oder Messern in kleine Stücke zerteilt. Diese Stücke werden in eine Form gefüllt und in einen Solargrill gestellt, wo das Plastik durch die Kraft der Sonne erhitzt wird. Nach ungefähr einer Stunde ist das Plastik geschmolzen. Im letzten Schritt muss der abgekühlte Plastikblock nur noch aus der Form genommen werden.

Monsun und Schlamm

Foto: Plastikziegel

Vestergaards Plastikziegel werden aufeinander gestapelt und mithilfe von Bambusstöcken verbunden

Die Plastikziegel haben jeweils zwei Löcher, durch die Bambusstöcke gesteckt werden können. Dadurch kann man stabile Wände bauen, ohne Zement oder anderes Verbundmaterial zu benötigen.

Diese Plastikwände können nun, wie die traditionellen Wände, mit einer Lehmschicht verputzt werden. Dadurch werden die Plastikziegel gleichzeitig vor Sonneneinstrahlung geschützt. Die Häuser aus Plastikziegeln haben einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu den aus Lehmziegeln gebauten, können sie dem Monsunregen besser widerstehen. Ihre Lebensdauer sollte also deutlich höher sein.

Vestergaard verfeinert momentan den Produktionsprozess und entwickelt zusammen mit Herstellern in Indien den Grill weiter.

"Wir haben bereits einige kleinere Ziegelsteine im Solargrill produziert, aber das Gerät befindet sich gerade in der Weiterentwicklung", erklärt Vestergaard. "Die Idee ist, alles so einfach zu halten, dass die Menschen in den Dörfern es selbst anwenden können."

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