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Asien

Ein Handschlag - ein Brückenschlag?

Vor dem Südasiengipfel in Nepal und der Reise des britischen Premiers Tony Blair nach Indien und Pakistan ist im Kaschmir-Konflikt weder Kriegsangst noch Friedenseuphorie angebracht. Ein Kommentar von Thomas Bärthlein.

Eine Atommacht droht der anderen mit Krieg - und als die Außenminister sich in Kathmandu begegnen, schütteln sie sich lächelnd die Hände. Indien und Pakistan tauschen routinemäßig, wie jedes Jahr, die Listen ihrer Atomanlagen aus, die im Kriegsfall nicht bombardiert werden dürfen - eine vertrauensbildende Maßnahme also.

Gleichzeitig geht das Artilleriefeuer an der Demarkationslinie
in Kaschmir weiter. Der internationale Beobachter reibt sich
verwundert die Augen: Steht Südasien nun vor einem Atomkrieg, oder befinden sich Indien und Pakistan schon wieder auf Entspannungskurs?

In Wirklichkeit besteht zu beidem - zu Kriegangst wie
Friedenseuphorie - wenig Anlass. Denn hinter den großen
diplomatischen Gesten verbirgt sich ein Gezerre um kleine
Zugeständnisse und Vorteile. Das hat viel damit zu tun, dass der Streit um Kaschmir so alt ist - er besteht nämlich seit 1947 -, und dass es so wenig Bewegung gibt.

So fest gefahren ist er, dass sich indische und pakistanische Unterhändler bei Treffen in den letzten Jahren nicht einmal über eine Tagesordnung verständigen konnten: Pakistan will am liebsten vor allem - oder nur - über Kaschmir reden, Indien dagegen über alle möglichen Themen und zuletzt - vielleicht - über Kaschmir. Indien will auch - wenn überhaupt - über Kaschmir nur mit der pakistanischen Regierung sprechen, während Pakistan seit Jahrzehnten versucht, den Konflikt auf einer internationalen Ebene zu verhandeln, zum Beispiel im Rahmen der Vereinten Nationen. Zum eigentlichen Kernpunkt - soll Kaschmir zu Indien oder zu Pakistan gehören oder gar unabhängig werden? - dazu sind die Verhandlungen in 54 Jahren nicht vorgedrungen.

Pakistan hat es auch nicht geschafft, den Status Quo in Kaschmir durch Kriege zu verändern. Der Status Quo, das heißt: Der ehemalige Fürsten-Staat Jammu und Kaschmir ist seit 1947 geteilt, wobei das zentrale Kaschmir-Tal mit seiner mehrheitlich muslimischen Bevölkerung auf der indischen Seite ist. Das hat Pakistan nie verwunden. DER Staat der südasiatischen Muslime - so Pakistans Selbstverständnis - war ohne Kaschmir einfach unvollständig. "Pakistan" heißt übersetzt "das Land der Reinen" - aber man kann es auch als eine Art Abkürzung für die Provinzen des Landes lesen: "Pa" für Panjab zum Beispiel, "K" steht für Kaschmir.