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Filme

Ein halbes Jahrhundert Kino

Volker Baer schaut seit 50 Jahren Filme und schreibt darüber. Vor allem in seiner Zeit als Kritiker des Berliner "Tagesspiegel" hat er Maßstäbe gesetzt. Das dokumentiert jetzt ein Buch mit einer Auswahl seiner Texte.

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115 Texte von Volker Baer in "Worte/ Widerworte"

Warum soll man alte Filmkritiken lesen? Was hat man davon, wenn man erfährt, wie ein Kritiker zum Beispiel in den 1960er Jahren über einen ganz bestimmten Film des Regisseurs Helmut Käutner dachte? Und wozu sollte man sich auf die Gedanken eben jenes Kritikers über die Filmpolitik der entschwundenen DDR einlassen? Ganz einfach: man erfährt ungeheuer viel über die Zeit! Natürlich auch über das Kino, über die Filme der vergangenen Jahrzehnte, über die Regisseure und deren Schauspieler.

Filmgeschichte als Zeitgeschichte

Deutschland Helmut Käutner Regisseur und Schauspieler

Von Baer oft besprochen: Helmut Käutner

Interessanter fast ist es aber nachzulesen, wie man damals mit Filmen umging, wie man über umstrittene Regiegrößen des Nationalsozialismus dachte, Leni Riefenstahl und Veit Harlan haben Baer da besonders interessiert. Und wie das Medium Film überhaupt behandelt wurde im Deutschland der Nachkriegszeit, wie gerade neu gegründete Institutionen begleitet und wie internationale Stars auf der "Insel Berlin" begrüßt wurden. Nicht zuletzt: wie das Kino der DDR auf die Menschen wirkte oder das osteuropäische hinter dem "Eisernen Vorhang".

115 von 7000

All das, also Zeitgeschichte und Zeitatmosphäre, schimmern immer durch in den Texten des Volker Baer. Der war von 1960 bis 1992 Filmredakteur des Berliner "Tagesspiegel", schrieb davor und danach auch für andere Publikationen. Rund 7000 Texte hat Baer im Laufe der Zeit so verfasst, 115 davon sind in dem Band "Worte/Widerworte" versammelt. Was dieses Buch so lesenwert macht, ist der Blick auf rund fünf Jahrzehnte Zeitgeschichte, auf Film und Kultur, auf Kino und Politik.

Kritisches Fragen an Veit Harlan

Veit Harlan

Jud Süß-Regisseur Veit Harlan

Die Texte Baers ergeben im Rückblick "eine penible Chronik laufender kulturpolitischer Ereignisse, ein Kompendium der Zeitgeschichte", so drückt es der Herausgeber des Bandes, Ralf Schenk, aus. Und damit hat er recht! Wenn Baer die Lebenserinnerungen des bekanntesten NS-Regisseurs Veit Harlan bespricht, dann weist er auf die Lücken im Erinnerungsvermögen des "Jud-Süß"-Regisseurs hin und fragt, warum sich denn gerade ganz bestimmte Löcher im Gedächtnis des Veit Harlan aufgetan haben. Ähnlich bei Leni Riefenstahl, "Dokumente des Unbetroffenseins" nennt Baer die Erinnerungen der Regisseurin.

Wirklichkeit versus Kunst

Und wenn er Herbert Achternbuschs "Das Gespenst" rezensiert, dann wird deutlich, warum der Film damals die Gemüter so erregte, die der Politiker ebenso wie die der Kirchenväter, Filmliebhaber wie Fans des kauzigen Bayern dagegen entzückte. Das Kino steht bei Volker Baer immer in einem gesellschaftlichen Kontext. "Noch ist die Wirklichkeit interessanter als das Kino" ist ein Text aus dem Jahre 1989 des gebürtigen Nürnbergers überschrieben.

Das französische Kino als Urerlebnis

Die Berliner Mauer

Das Kino zwischen Kunst und Politik - besonders in Berlin spürbar

Zum Kino gekommen ist Volker Baer durch das französische Kino. Filme wie "Kinder des Olymp" haben ihn in der Nachkriegszeit besonders fasziniert. Darum hat er irgendwann begonnen über das Kino zu schreiben. Ende der 50er Jahre erhielt er die Chance bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" eine Filmseite zu gestalten. 1960 dann die Lebensstation "Tagesspiegel" in der früheren deutschen Hauptstadt, eine ungemein spannende und aufregende Zeit begann. Wie Volker Baer diese Jahre erlebt hat, können Sie auch in einem Gespräch hören, dass Jochen Kürten mit ihm führte.

Volker Baers Band "Worte/Widerworte - Texte zum Film 1958 - 2007" mit 115 Texten, herausgegeben von Ralf Schenk, ist im Schüren-Verlag in der "Edition-Film-Dienst" erschienen zum Preis von 24,90 Euro (ISBN: 3894726679).

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