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Weltraum

Ein halbes Jahr im All

"Wer einen Langzeit-Aufenthalt im Weltall verbringt muss lernen, seine Kräfte einzuteilen", sagt Thomas Reiter.

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Er weiß das aus Erfahrung. Denn der deutsche ESA Astronaut hat selbst 179 Tage auf der russischen Raumstation MIR verbracht. Er kennt die Belastungen, die das Leben dort mit sich bringt.

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"Es ist klar, dass das Leben an Bord kein Zuckerschlecken ist", erzählt Thomas Reiter. "Wenn ich mich zurück erinnere – die ersten zwei Wochen... da erscheint einem die MIR-Station relativ groß. Das Innere muss man erst mal erkunden. Man ist unheimlich begeistert von der Umgebung dort, von der Schwerelosigkeit... sich damit zurechtzufinden. Nach mehreren Wochen fängt man dann an, wahrzunehmen, wie beengt das dort oben eigentlich ist. Man ist eben nur in so einer technischen Umgebung. Da gibt es keinen Auslauf. Es ist nicht möglich zu sagen: Ich geh man schnell einen Spaziergang machen."

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"Spannungen können schon dadurch entstehen, dass man auf sehr engem Raum zusammenarbeiten muss, dass jeder eben unter diesem Zeitdruck steht und man sich da auch manchmal einfach räumlich ins Gehege kommen kann. Dass der eine diesen Platz braucht, um jetzt seine Arbeit zu machen. Der andere steht unter Druck, huscht vorbei und schubst da irgendwas an. Ich muss sagen, bei meiner ersten Mission hat es nie irgendwelche Zwistigkeiten gegeben. Natürlich ist man mal unter Druck und sagt: ‘He, pass doch auf!‘ Aber das ist doch ganz normal, deshalb ist man sich nicht gleich böse."

Bei einem Shuttleflug, der nur einige Tage dauert, können die Astronauten rund um die Uhr arbeiten. Auf einer Raumstation aber ist das nicht möglich. Denn anders als die Raumfähre, die nach ihrer Mission zur Erde zurück kehrt und dann dort wieder für den nächsten Einsatz flott gemacht wird, bleibt eine Raumstation im All. Sie muss also von der Mannschaft im Orbit gewartet werden. Jederzeit können dort unerwartete Krisensituationen auftreten wie der Ausfall lebenswichtiger Systeme. Darauf müssen die Astronauten dann immer noch reagieren können.

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"Man ist in dieser sehr begrenzten Umgebung und steht permanent unter Zeitdruck. Daher muss man in der Lage sein, die wenigen Minuten dann auch gut zu nutzen, die man hat um sich ein bisschen zu entspannen. Da dann einfach schnell abschalten zu können."

"Die kritischsten Situationen – wenn ich an die Zeit auf der MIR zurückdenke – waren die, als wir mitten in der Nacht irgendwelche Systeme hatten, die dann ausfielen und wir sofort ran mussten, um die zu reparieren. Und dann ist die Nacht vorbei und am nächsten Morgen geht die Arbeit ganz normal weiter. Und wenn so etwas dann nicht nur eine Nacht, sondern zwei oder drei Nächte hintereinander passiert, dann entwickelt sich natürlich ein Schlafdefizit. Und da muss man schauen, dass man mit seinen Ressourcen, mit seiner Arbeitsfähigkeit, mit seiner Konzentrationsfähigkeit so umgeht, dass man sich nicht so abarbeitet, dass man beginnt, Fehler zu machen. Da muss man vorsichtig sein."