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Asien

Ein Händedruck ist noch kein Durchbruch

Musharrafs medienwirksamer Geste auf dem Südasiengipfel müssen Taten sowohl Pakistans wie auch Indiens folgen. Ein Kommentar von Christoph Heinzle.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat ein Händchen für den richtigen Ton und das richtige Timing. Seit Tagen konzentrieren sich alle Hoffnungen auf Entspannung zwischen Indien und Pakistan auf den Südasien-Gipfel in Nepal. Seit Tagen stellen sich viele die Frage: Treffen sich die beiden mächtigen Männer Indiens und Pakistans, nehmen sie die Gelegenheit wahr, den Weg zurück von der Front an den Verhandlungstisch zu finden?

Das beschäftigt längst nicht mehr nur die Politiker, Journalisten und Bürger der beiden Länder, das beschäftigt nicht mehr nur die Region Südasien: Indien und Pakistan haben Atomwaffen, und sie drohen mit einem Waffengang ausgerechnet in der Region, die ins Zentrum des Welt-Interesses gerückt ist seit dem 11. September und der Jagd nach Bin Laden und den Taliban in Afghanistan.

Deshalb überlegen die USA, ob sie einen Sonderbeauftragten nach Islamabad und Neu Delhi schicken, um beruhigend zu wirken und um deutlich zu machen, dass sie bei ihrem Anti-Terror-Feldzug eine zweite Front in der Region nun gar nicht brauchen können.

Und deshalb will der britische Premier Tony Blair unmittelbar nach dem Gipfel von Nepal auf Atal Behari Vajpayee und auf Pervez Musharraf einreden, um Schlimmeres zu verhindern, um aus dem Krieg der Worte keinen Krieg der Waffen werden zu lassen.

Die Welt schaut also auf diesen Konflikt. Pervez Musharraf weiß das und nutzte die internationale Aufmerksamkeit geschickt. Mit fester Stimme bekräftigte er Gesprächsbereitschaft, und pathetisch reichte er Vajpayee die Hand. Ein Überraschungscoup Musharrafs vor laufenden Kameras, eine Geste, der sich der greise indische
Ministerpräsident nicht entziehen konnte.

Der hatte merklich Probleme zu kontern. Kein klares Versöhnungssignal kam denn auch von Vajpayee, sondern die alte Forderung, Pakistan müsse deutlichere Schritte gegen den Terrorismus einleiten. Die Taktik Musharrafs ist klar: Pakistan will als Friedensstifter erscheinen, das scheinbar unversöhnliche Indien in Zugzwang bringen, und Pakistan sucht Image-Gewinn in der Welt, will den Vorsprung des viel größeren und wirtschaftliche potenteren Nachbarn Indien verkleinern - gerade am Vortag der Vermittlungsbemühungen Tony Blairs.