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Kultur

Ein gutes Jahr für die Kultur

Die mageren Jahre sind vorbei: Das Goethe-Institut blickt bei seiner Jahres-Pressekonferenz auf eine erfolgreiche Arbeit zurück und nimmt Europa ins Visier.

Jahres PK Goethe-Institut 2009: Jürgen Maier, Klaus-Dieter Lehmann, Susanne Sporrer, Hans-Georg Knopp, Martin Wälde (v.l.n.r.)

PK 2009: Instituts-Präsident Lehmann (2.v.l.) mit Kollegen

Die Krise scheint draußen geblieben zu sein: Beim Goethe-Institut freut man sich über Neugründungen in Novosibirsk und Luanda, über einen Dialogpunkt im Gaza-Streifen und über verstärkte Präsenz in China. Die deutlich verbesserte Finanz-Ausstattung durch die vorige Regierung hat die Kulturarbeit im Hause "Goethe" beflügelt.

Auch der Umbau im eigenen Haus trägt Früchte. Weniger Personal in der Zentrale, mehr Geld und Kompetenzen für die Institute in den Regionen. Das Ergebnis ist nun eine stärkere Vernetzung vor Ort, die im besten Falle auch langfristig wirken kann. Mehr Ideen sind so entstanden, mehr Kulturbegegnungen möglich geworden, und neue Partner dazugekommen, sagt Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann: "Wir haben tatsächlich in diesem Jahr so deutlich an Akteuren dazugewonnen, wie wir es bislang nicht hatten."

Goethe in Indien

Inder liest deutsches Magazin (Foto: picture alliance)

Ein indischer Germanistik-Student nutzt Angebote des Goethe-Instituts in Neu Delhi

Ein Beispiel für die Stärkung der Regionen ist Indien, wo das Goethe-Institut gerade das 50-jährige Jubiläum seiner Präsenz feiern konnte. Dort ist allein zwischen 2003 und 2008 die Nachfrage nach Deutschkursen um etwa 50 Prozent angestiegen, "Goethe" hat mit einer Verdoppelung des Angebots reagiert. Und inzwischen ist ein ganzes Netz an Instituten entstanden, zuletzt wurden sechs neue Goethe-Zentren eingerichtet.

"Ich bin inzwischen Indien-infiziert", schwärmt Institutspräsident Lehmann vom kulturellen Klima, das er kürzlich bei den 50-Jahr-Feiern dort vorfand: "Der Zugang zu Indien ist die Kultur. Jedes Gespräch, das Sie dort führen, führt in relativ schneller Zeit zu dem großen Eindruck, den die Choreographin Pina Bausch dort hinterlassen hat, und zwar in beide Richtungen: Sie hat den indischen Tanz verändert, aber auch indische Elemente in ihren eigenen Tanz gebracht."

Kultur als Säule der Außenpolitik

Guido Westerwelle (Foto: AP)

Welche Bedeutung misst Außenminister Westerwelle dem Goethe-Institut zu?

Beste Voraussetzungen also für das Deutschland-Jahr, das im Jahr 2011 in Indien stattfinden soll. Die Vorbereitungen bei "Goethe" laufen schon jetzt - und zwar in eigener Regie. Ein Novum, denn bislang lag die weitgehend beim Auswärtigen Amt. Doch jetzt ist das Goethe-Institut nicht mehr Auftragnehmer des Ministeriums, sondern handelt autonom.

Ein Balance-Akt wird die kulturelle Außendarstellung Deutschlands im Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft trotzdem bleiben. Schon deshalb, weil die finanzielle Ausstattung nach wie vor von der politischen Großwetterlage abhängt. Für das kommende Jahr zumindest zeigt sich die Institutsleitung zuversichtlich, dass die Aufwertung, die "Goethe" zuletzt unter der Ägide des bisherigen Außenministers Frank-Walter Steinmeier erfahren hatte, auch unter seinem Nachfolger Guido Westerwelle erhalten bleiben soll. Ein klares Signal ist jedenfalls, dass der Koalitionsvertrag die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik als wichtige Säule der Außenpolitik festschreibt.

Problemfall Pjöngjang

Doch bei allen Erfolgsmeldungen gibt es einen Wermutstropfen: Die Schließung des Lesesaals in der Nordkorea. Sie wurde in der Öffentlichkeit vielfach als Kotau gegenüber den USA verstanden, als Kurs der Abschottung statt der Annäherung. Goethe-Präsident Lehmann räumt zwar ein, es sei "unglücklich", dass es eine "Gleichzeitigkeit zwischen Sanktionen gegenüber Nordkorea und der Schließung des Lesesaals" gab. Doch man habe festgestellt, dass zum Lesesaal nur die Nomenklatura Zugang hatte und dass Medien wie die "Süddeutsche Zeitung" und das Nachrichtenmagazin "Spiegel" entfernt worden seien: "Das bedeutet, dass die Grundsätze, die für das Goethe-Institut wichtig sind, nämlich zensurfrei zu arbeiten und freien Zugang zu gewährleisten, hier nicht gegeben sind."

Was das für die Goethe-Institute in anderen Ländern bedeutet, soll nun überprüft werden. Eine erste Blitzumfrage habe ergeben, dass es etwa in China oder Kuba gegenüber den Goethe-Instituten keine Zensur gebe. Doch die Diskussion, wie sich Goethe in solchen Ländern jeweils positioniert, wird damit nicht zu Ende sein.

Feuer der Nachbarschaft

Karte von Europa (Quelle: DW)

Neuer Schwerpunkt: Europa

Einfacher, wenngleich auch nicht völlig konfliktfrei, präsentiert sich dagegen das Projekt einer neuen Europa-Strategie. In den vergangenen Jahren hatte es mitunter so ausgesehen, als gerate Europa ein wenig aus dem Blick. Damals hatte es heftige Diskussionen über befürchtete Institutsschließungen beispielsweise in Dänemark gegeben.

Doch nun sucht das "Goethe" nach neuen Möglichkeiten, nationale und europäische Kulturinteressen miteinander zu verbinden. "Das Feuer der Nachbarschaft" will Generalsekretär Hans-Georg Knopp wieder entfachen. Zur Zeit flackert da in vielen Fällen eher eine Sparflamme. So sollen in den kommenden zwei Jahren die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland unter die Lupe genommen werden unter der Überschrift "Va bene?" (Geht's gut?). Und mit den polnischen Nachbarn ist ein Großprojekt zum Thema Stadtentwicklung geplant.

Wie der Europa-Kurs des Goethe-Instituts letztendlich aussehen wird, soll im kommenden Frühjahr erörtert werden. Das Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages, der unter anderem eine EU-Außenministerin installiert hat, ist zumindest ein Grund, sich verschärft Gedanken über eine europäische Ausrichtung der Kulturpolitik zu machen. Bislang ist in der Öffentlichkeit nicht einmal bekannt, dass es längst eine Institution namens EUNIC gibt, in der verschiedene europäische Kulturinstitute kooperieren: Europa ist in der Kulturpolitik noch ziemlich unsichtbar. Das zu überwinden, wird eine langfristige Aufgabe sein. Für Goethe-Präsident Lehmann jedenfalls ist klar: "Wir müssen dieses Europa auf einen Weg bringen, der auch die Bürger betrifft und nicht nur die Kommissionen!"

Autorin: Aya Bach
Redaktion: Christian Walz

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