1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Ein Gotteshaus für drei Religionen

Auf dem Petriplatz in Berlin soll ein Bet- und Lehrhaus für drei Religionen entstehen. Für diese Idee wirbt ein Verein von Juden, Muslimen und Christen. Baupläne gibt es bereits, es fehlt aber noch das nötige Geld.

Auf der sechsspurigen Straße brausen täglich tausende Autos vorbei: Noch ist der Petriplatz in Berlin-Mitte ein unwirtlicher Ort, eine Art Niemandsland zwischen Gestern und Morgen. Das könnte sich ändern, wenn hier eines Tages ein Bet- und Lehrhaus steht, mit Kirche, Synagoge und Moschee unter einem Dach. Dafür gründeten die Jüdische Gemeinde von Berlin, das Abraham-Geiger-Kolleg Potsdam, das Forum Interkultureller Dialog und die Evangelische Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien einen Verein, den "Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e.V." Gut ein Jahr ist das her. Inzwischen gab der Verein sich eine Charta und schrieb einen weltweiten Architekturwettbewerb aus.

Die verschiedenen Entwürfe der Architekten sind in einer Ausstellung zu sehen (Foto: Evangelische Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien)

Eine Ausstellung zeigt derzeit die Architekturentwürfe für das geplante Bet- und Lehrhaus

So soll der Neubau auf den Fundamenten der einstigen St. Petri-Kirche in Berlin-Mitte entstehen. Geplant sind drei verschiedene Räume für die Gottesdienste von Juden, Muslimen und Christen. Sie sollen durch einen Saal verbunden werden, um dort gemeinsam Feste und möglicherweise sogar gemeinsame Gottesdienste zu feiern. Den ersten Preis vergab die Jury jetzt an das Berliner Büro Kuehn Malvezzi. Ihr Siegerentwurf orientiert sich am Baukörper der ehemaligen Petrikirche. Mit ihrer Fassade aus hellen Ziegeln und einem 44 Meter hohen Turm wirkt das Bethaus wie eine Trutzburg. Im Innern dominieren schlichte geometrische Formen. Ein zweigeschossiger Kuppelsaal dient als gemeinsamer Lehrraum.

Historischer Blick auf die ehemalige evangelische Petrikirche - an dieser Stelle soll jetzt ein Gotteshaus für drei Religionen entstehen (Foto: Evangelische Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien)

Früher stand hier die evangelische Petrikirche

Gregor Hohberg, Pfarrer an der Evangelischen Kirchengemeinde Sankt Petri - Sankt Marien und Vorstandsvorsitzender des Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e.V. freut sich über den Entwurf. Er betont aber, an eine "Vermischung" der Religionen sei nicht gedacht, "vielmehr wollen wir lernen, in Würde und Respekt miteinander umzugehen."

Heute ist der Petriplatz nicht mehr als ein umzäuntes Rasenstück. Bis vor fünf Jahren war da ein trister Parkplatz. Ein einsames Straßenschild verkündete: "Petriplatz". Das änderte sich, als der Platz ab 2007 freigelegt wurde. Archäologische Grabungen förderten die verschütteten Reste Cöllns zu Tage, des historischen "Ur-Berlin". Cölln war eine der fünf Städte, die Preußens König Friedrich I. 1709 zur Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinte.

Ans Tageslicht kamen so eine Lateinschule, Überbleibsel des Rathauses, ein Begräbnisplatz, Fundamente und Steine von drei Petrikirchen – die letzte wurde 1964 abgerissen. Insgesamt waren es 220.000 Fundstücke.

Muslimische, jüdische und christliche Gläubige sitzen zur Vereinsgründung um einen Tisch (Foto: Evangelische Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien)

Treffen für ein interreligiöses Gotteshaus - muslimische, jüdische und christliche Gläubige

Eine Idee, die der Verein Bet- und Lehrhaus hat, ist eine jährlich wiederkehrende Aufführung von Gotthold Ephraim Lessings Drama "Nathan der Weise", das von den Ideen der Aufklärung erzählt. Wechselnde Regisseure sollen das Stück jeweils am 14. April in Szene setzen, dem Jahrestag der Berliner Uraufführung 1783. Es entstand zu einer Zeit, als Friedrich der Große seinen Untertanen das Recht zubilligte, in religiösen Dingen dürfe "jeder nach seiner Fasson" leben. Das Bet- und Lehrhaus, so hoffen seine Initiatoren, wäre ein Ort, wo sich die großen Religionen zur Besinnung auf gemeinsame Wurzeln treffen. Die Hoffnungen von vielen Gläubigen ruhen auf dem Petriplatz.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links