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Wissen & Umwelt

Ein glückliches Ende - ohne Wenn und Aber!

Johann Westhauser wurde schwer verletzt aus Deutschlands tiefster Höhle gerettet. Freuen wir uns darüber, statt über Rettungskosten und die Sinnhaftigkeit der Höhlenforschung zu lamentieren, meint Judith Hartl.

Die Rettung von Johann Westhauser war bislang einzigartig. Da wird ein Mann fast 1000 Meter unter der Erde, in einem riesigen und zum Teil eng verwinkelten Höhlensystem, schwer am Kopf verletzt und schließlich in einem zwölftägigen spektakulären Mammuteinsatz gerettet.

Was die Sache zusätzlich erschwert hat: Der Höhleneingang liegt auf einem gewaltigen Bergmassiv, dem Untersberg, zwischen Berchtesgaden und Salzburg, auf 1800 Metern Höhe. Sowohl die Retter und Helfer als auch tonnenweise Material konnten ausschließlich mit Hubschraubern zum Höhleneingang geflogen werden. Etwa 1000 Menschen waren insgesamt für die Rettung im Einsatz, rund um die Uhr - darunter 202 Höhlenspezialisten aus Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien und der Schweiz.

Keine Frage des Geldes

Schon jetzt, so kurz nach dem emotionalen Happy End und dem Glücksgefühl über die gelungene Rettung, beginnen die Diskussionen über die Kosten und die Frage "Welchen Sinn macht es überhaupt, dass Menschen in gefährlichen Höhlen herum kraxeln und dabei sich und - im Falle eines Unfalls - auch ihre Retter in unnötige Gefahr bringen?" Das ist schade.

Natürlich werden die Kosten der Rettung gigantisch sein. Ein paar Millionen Euro höchstwahrscheinlich. Wer wofür aufkommen wird, welchen Anteil das Bundesland Bayern, die Bergwacht, Westhausers Krankenkasse und vielleicht auch er selbst übernehmen werden, all das wird in den nächsten Monaten besprochen und nach bestimmten Kriterien entschieden werden. Teurer als ein unverhältnismäßiger, aber leider notwendiger Polizeieinsatz bei Fußballspielen besonders verfeindeter Vereine wird die Rettung aber nicht sein. Auch über den Sinn gigantischer Feuerwerke könnte man zum Beispiel diskutieren.

Aber hier wurde ein Mensch gerettet. Aus einer fast ausweglosen Situation. Ohne die beeindruckend starke Solidarität unter den Rettern hätte Westhauser die Höhle niemals wieder verlassen. Noch nie habe ich einen solch starken positiven Teamgeist gespürt und eine Zuversicht, die jeden Tag ausstrahlte: Wir schaffen das. Gemeinsam.

Es gibt nicht viele Höhlenspezialisten in Europa. Die meisten wurden - als das Unglück passierte - mitten in der Nacht herausgeklingelt. Keiner stellte sich die Frage, ob er mitmacht bei einer solch "verrückten" und lebensgefährlichen Rettungsaktion. Für alle war es eine Selbstverständlichkeit. Doch so selbstverständlich ist es keineswegs. Alle haben sie Familie und einen anderen Beruf. Sie sind Ärzte, Ingenieure, Polizisten oder wie Johann Westhauser - Physiker. Die Höhlenforschung ist ihre Leidenschaft. Es ist kein sportliches Hobby, wie Klettern oder Fallschirmspringen, auch kein unsinniger Zeitvertreib.

Wertvolle Informationen für die Wissenschaft

Speläologen, also Höhlenforscher, sind keine Abenteurer oder Hasardeure. Sie sind in Vereinen gut vernetzt, verbringen fast ihre gesamte Freizeit in Höhlen und sind körperlich und mental überdurchschnittlich belastbar. Sie erkunden Höhlen und liefern der Wissenschaft - uneigennützig - wertvolle Informationen. Denn den Beruf - Höhlenforscher - gibt es nicht. Forscher, die sich mit Höhlen beschäftigen, sind Geologen, Paläontologen oder Archäologen. Doch die meisten von ihnen würden im Leben nicht in eine Höhle einsteigen.

Das wäre purer Leichtsinn. Also arbeiten sie mit erfahrenen Amateur-Höhlenforschern wie Johann Westhauser zusammen. Nur mit ihrer Hilfe können Höhlen erkundet werden, sie entdecken beispielsweise Neandertaler-Knochen, Fossilien oder für den Menschen wertvolle, und noch nicht erforschte, Grundwasseradern. Darüber hinaus beraten sie Gemeinden und Behörden, welche Höhlen für die Öffentlichkeit zulässig sind und welche gesperrt werden.

Dabei setzen sie durchaus ihr Leben aufs Spiel. Denn passieren kann immer etwas. Höhlen sind kein Spielplatz. Steinschlag, glitschige Kamine, enge Schächte, bei denen man die Luft anhalten muss, um durchzukommen, Wassertümpel, durch die man tauchen muss, um weiterzukommen. Alle Höhlenforscher wissen wie gefährlich das ist. Und wie schnell jeder in eine missliche Lage geraten kann. Schon ein gebrochenes Bein in ein paar Hundert Metern Tiefe kann ein Todesurteil sein. Deswegen helfen sie sich gegenseitig - komme was wolle.

Kleinere Rettungsaktionen, die übrigens aus einem extra für solche Zwecke eingerichteten Fonds der Höhlenvereine bezahlt werden, gibt es immer wieder. Nur selten erfährt die Öffentlichkeit davon. Einen solch gewaltigen Einsatz wie im Riesending im Untersberg wird es wohl so schnell nicht mehr geben. Vor allem mit solch einem glücklichen Ende. Freuen wir uns darüber, dass sich der Einsatz der Retter gelohnt hat und dass Johann Westhauser am Leben ist.

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