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Sport

Ein geschmeidig-effektives Trio

Erst zwei Mal hat Bundestrainer Joachim Löw Mesut Özil, Mario Götze und Marco Reus gemeinsam in der Startelf aufgeboten. Ist das kreative Trio für die WM in Brasilien eine Option?

Es ist kurz nach der Europameisterschaft 2012 als Joachim Löw sich traut. Im ersten WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer Inseln schickt der Bundestrainer seine drei Kreativen erstmals gemeinsam auf den Rasen. In einem 4-1-4-1 soll Mesut Özil mit Mario Götze im Zentrum agieren, links flankiert von Marco Reus. Gegen die tief und kompakt stehenden Färinger kombinieren die wendigen Offensivakteure blitzschnell, gescheit und überzeugend. Am Ende siegt Deutschland 3:0 und die DFB-Elf verbucht ihren 500. Länderspiel-Sieg. Die Bilanz der Trio-Premiere: Özil erzielt zwei Tore, Götze ist einmal erfolgreich und Reus liefert einen Assist.

Schön und effizient

Trotz des durchaus gelungenen Auftritts bietet Löw die Drei in der Folge nur noch ein einziges Mal gemeinsam auf: beim Qualifikationsspiel gegen Kasachstan im März letzten Jahres. Özil brilliert als Taktgeber, setzt seine Mitspieler perfekt in Szene, bereitet zwei Treffer vor. Reus zeichnet für zwei Tore verantwortlich, Götze trifft einmal und nutzt als "falscher Neuner" zudem Räume, die eigentlich gar nicht da sind. Es ist die Geschmeidigkeit im Bewegungsablauf, die Leichtigkeit, die scheinbar angeborene, nahezu liebevolle, perfekte Ballbehandlung, die Özil, Götze und Reus eint. Gegen den passenden Kontrahenten ist ihre Art Fußball zu spielen, offensichtlich nicht nur schön, sondern auch noch effizient.

"Keiner von uns ist egoistisch"

Özil ist mit seinen 25 Jahren der Älteste im Trio und verrät im Interview mit der DW exklusiv: "Obwohl wir ja selten miteinander spielen, zwei aus Dortmund und einer aus Schalke kommt (lacht), haben wir ein großes Spielverständnis untereinander. Ich denke, dass wir alle drei ein großes technisches Potenzial haben und wenn wir dies ausschöpfen, können wir viel erreichen. Keiner von uns ist egoistisch, jeder ist ein guter Passgeber und Mitspieler. Das ist in jeder Mannschaft so: Die technisch guten Spieler verstehen sich immer."

Bundestrainer Joachim Löw (l.) baut auch beim Turnier in Brasilien auf die Stärke von Mesut Özil (r.). (Foto: dpa)

Bundestrainer Joachim Löw (l.) baut auch beim Turnier in Brasilien auf die Stärke von Mesut Özil (r.).

Während Özil schon bei der EM in Portugal eine feste Größe ist und alle fünf Partien bestreitet, haben Götze und Reus 2012 noch die Reservistenrolle inne. Die ehemaligen Teamkollegen von Borussia Dortmund hegen für das Turnier am Zuckerhut nun andere Erwartungen: "Die EM ist zwei Jahre her, seitdem haben wir eine Entwicklung genommen. Wir sind im Rhythmus und gut drauf", betont Reus. Die selbstbewusste Aussage des BVB-Stars kommt nicht von ungefähr. Der 24-Jährige absolvierte in der vergangenen Saison 44 Pflichtspiele, schoss 23 Tore und lieferte 18 Vorlagen für seinen Klub. Längst ist der blonde Trendsetter international begehrt. Er ist in bestechender Form, so dass seine Chancen auf mehr Spielzeit in Brasilien ziemlich gut stehen.

Auf genau welcher Position Reus eingesetzt wird, ist ihm genau so egal, wie seinem Mannschaftskollegen und Kumpel Götze. "Es ist wichtig, dass man auf dem Platz in Bewegung ist und weiß, in welche Räume man zu laufen hat." Flexibel sei er, fügt Götze hinzu und sagt, er könne links, rechts oder ganz vorn spielen. Der von vielen Experten schon als "Jahrhunderttalent" bezeichnete Götze, der insbesondere ob seiner beiden Verletzungen ein durchwachsenes erstes Jahr bei den Bayern erlebte, ist deutlich gereift. Selbst wenn sein Coach Pep Guardiola ihn beim FC Bayern oft nur von der Bank brachte, wusste der 21-Jährige zu überzeugen. Getreu seinem Motto "dem Gegner im Kopf immer einen Schritt voraus sein", steuerte der beidfüßige Offensivallrounder bei seinen Auftritten in 45 Spielen 15 Treffer und 13 Assists bei.

"Ein großer Schritt"

Özil erlebte indes ein ebenfalls sehr turbulentes Jahr seiner Profikarriere. Bei Real Madrid nicht mehr erwünscht, stellte er sich der Herausforderung bei Arsenal London in der Premier League. Laut eigener Aussage hat ihn der Wechsel deutlich voran gebracht. "Ich übernehme bei Arsenal und in London viel mehr Verantwortung. Innerhalb und außerhalb des Spielfeldes. Mit 25 Jahren war das ein großer Schritt, der mich persönlich in eine neue Rolle gebracht hat." Möglicherweise wird Özils Auftreten und seine Körpersprache auch in der Nationalmannschaft schon in Brasilien eine andere, reifere und verantwortungsvollere sein. Ob und inwiefern er gemeinsam mit Götze und Reus aufspielen wird, bleibt abzuwarten.

Sein Ziel steht schon fest. "Wenn ich mich vier Wochen so intensiv vorbereite und dann vier Wochen beim Turnier bin, dann bin ich erst zufrieden, wenn wir am Ende gewinnen. Ich schufte doch nicht so viel und freue mich dann über den zweiten Platz." Özil ist streng mit sich. "Ich stelle an mich die höchsten Ansprüche. Vielleicht macht mir deswegen der Druck von außen auch nichts aus", erklärt er. Die Nummer acht der DFB-Elf will sich in Sachen Kopfballspiel und Abschluss noch verbessern. "Ich gebe vor dem Tor zu oft noch mal ab", hadert der Spielmacher mit sich. Aber er könnte Glück haben. Vielleicht bedient er seine kongenialen Partner Götze oder Reus.