1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bücher

Ein Gentleman mit hintergründigem Witz

Der ägyptische Schriftsteller Nagib Machfus feiert am Dienstag (11. Dezember) seinen neunzigsten Geburtstag. Er ist der einzige Araber, der bislang mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt wurde.

default

Schriftsteller und Nobelpreisträger Nagib Machfus

Langsam und mit größter Vorsicht führt Nagib Machfus eine Tasse mit starkem türkischen Mokka zum Mund, während ihm ein Freund zur Linken die politischen Ereignisse der vergangenen Woche vorträgt. "In Afghanistan sind bisher acht Journalisten und ein amerikanischer Soldat getötet worden", spricht der Freund dem schwerhörigen Literaturnobelpreisträger laut ins Ohr. Machfus meint trocken, dass der Amerikaner "wahrscheinlich auch noch krank" war.

Scharfsinnig und scharfzüngig

Der Ägypter Machfus, der 1988 als bisher einziger Araber mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde und am Dienstag (11. Dezember) seinen 90. Geburtstag feiert, hat viel Sinn für schwarzen Humor. Seine Bekannten, mit denen er sich jeden Sonntag in einem Hotel am Nil zu einem Schwätzchen unter Intellektuellen trifft, fragt er an diesem kühlen Dezemberabend schelmisch, warum sie denn nicht den saudischen Terroristenführer Osama bin Laden eingeladen hätten. Das hätte ihre Diskussion doch bestimmt bereichert, sagt er mit leisem Lächeln. Höflich verabschiedet er sich von allen mit Handschlag.

Mit Worten gegen extremistische Gewalt

Als toleranter Moslem hat Nagib Machfus für islamische Eiferer keinerlei Verständnis. Vor allem nicht für solche, die ihre Weltsicht mit Gewalt verbreiten wollen. Der Schriftsteller Machfus – selbst oft wegen seiner kritisch-analytischen Werke von der ägyptischen Zensur und auch von den Moslembrüdern attackiert – wurde 1994 zum Opfer fanatischer Islamisten. Zwei Attentäter stachen den betagten Autoren vor seiner Wohnung im Kairoer Stadtteil Agouza nieder. Von den Verletzungen erholte sich Machfus nie vollständig. Traf er sich früher gern mit Freunden in einer Cafeteria, so sucht er heute aus Sicherheitsgründen lieber Hotels auf, die gut bewacht sind.

WWW-Links