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Kultur

Ein Genie zum Mitpfeifen

Im Jahr seines 250. Geburtstags wird Mozart weltweit gefeiert und in etlichen neuen Biografien gewürdigt. Ein Gespräch mit dem Mozart-Experten Professor Günther Bauer über die ungebrochene Faszination des Musik-Genies.

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Der österreichische Komponist Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Gemälde von Grassei

DW-WORLD: Herr Professor Bauer, wenn man davon ausgeht, dass Mozart seine Musik für die Menschen seiner Zeit schrieb, ist doch nach den Gründen für die bleibende Relevanz seiner Werke zu fragen. Wissen wir überhaupt noch, warum wir Mozart so gerne hören und aufführen wollen?

Bauer: Das ist eine goldene Frage - schlicht und einfach, weil diese Musik so ungeheuer gut ist.

Inwiefern unterscheidet sich unser Bild des Komponisten von früheren Rezeptionen und wodurch wird unser Bild von Mozart beeinflusst?

Unser Bild von Mozart wird vor allem durch die völlige Verfügbarkeit in den Medien beeinflusst. Das heißt, wir sind heute in der Lage, über das gesamte Werk Mozarts in kleinster Form, also etwa in CD-Format oder noch kleinerer Form oder auch im Bild jederzeit zu verfügen. Das hat natürlich zur Folge, dass das Werk Mozarts sich auf der ganzen Welt in diesem riesigen Maße verbreitet.

Woran liegt es, dass ausgerechnet Mozart in solch eine Verehrungs- und Glorienschiene hineingerät?

Das liegt wiederum an der Einmaligkeit der Qualität seiner Musik. Das ist ganz einfach zu sagen.

Aber lässt sich diese Qualität denn näher beschreiben? Lässt sich das Geheimnis Mozarts und seine Genialität lüften?

Er vermochte uns beides zu vermitteln, die ganz einfachen volkstümlichen Melodien, also für den ganz einfachen Mann auf der Straße leicht verständlich nachzusingen und nachzupfeifen und dahinter ein ungeheuer schwieriges und kompliziertes Netzwerk von schwierigst zu schreibender und aufzuführender Musik - beides, für den anspruchsvollsten Musikliebhaber ebenso wie für den Schuster auf der Straße, der den Figaro nachpfeiffen kann.

Oft wird davon gesprochen, dass das Genie Mozart sozusagen fertig vom Himmel gefallen sei. Sind dennoch Entwicklungslinien in seinem Schaffen zu entdecken?

Entwicklungslinien im eigentlichen Sinne gibt es bei Mozart nicht. Es ist schon Köchelverzeichnis 1 eigentlich im Kern ein Mozart und perfekt. Er hat sich in dem Sinne nicht entwickelt, sondern war ein Genie.

Besteht aus Ihrer Sicht denn heutzutage Aussicht auf einen "neuen Mozart"?

Das kann ich nicht beantworten. Meine persönliche Antwort aber lautet: Nein.

Warum scheint es aber trotz zum Teil manischer Eltern heutzutage unmöglich, Charaktere wie Mozart hervorzubringen?

Die manischen Eltern nützen uns zunächst ja mal gar nicht. Der kulturelle Hintergrund ist heute nicht gegeben wie zu Zeiten Mozarts, und Genies wird es immer wieder geben aber eines vom Ausmaße Mozarts, scheint es nur alle paar hundert Jahre zu geben.

Professor Günther Bauer (geboren 1928) war langjähriger Rektor der Salzburger Universität Mozarteum, dass als eines der führenden Institute der Mozart-Forschung weltweit gilt. In seinem neuesten Buch "Mozart – Glück, Spiel und Leidenschaft" (Verlag K. H. Bock, Bad Honnef, 2005) beschäftigt er sich mit der Spielleidenschaft Mozarts.

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