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Wissen & Umwelt

Ein Fusionsreaktor für den Hinterhof

Gibt es einen Durchbruch in der Erforschung von Kernfusion als Energiequelle? Der US-Hersteller Lockheed Martin ist zuversichtlich und will innerhalb eines Jahres einen Mini-Reaktor bauen und testen.

Futurando 95 (Kernfusion)

Kernfusion erzeugt Energie durch Verschmelzung von Wasserstoffkernen

Der Technologiekonzern Lockheed Martin hat den Bau eines

Kernfusionsreaktors

angekündigt, der zehnmal kleiner ist als bisherige Fusionsreaktoren. Die Ziele des Unternehmens sind ambitioniert: Bereits in einem Jahr soll ein erstes Testmodell laufen, in fünf Jahren möchte es einen Prototypen präsentieren und in weniger als zehn Jahren einen betriebsbereiten Reaktor auf den Markt bringen, sagt Tom McGuire, Leiter des Skunk Works' Revolutionary Technology Program gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die vierjährigen, bislang geheimen Forschungsarbeiten hätten die Machbarkeit eines 100-Megawatt-Reaktors demonstriert, der mit sieben mal zehn Fuß (grob zwei Mal drei Meter) auf einen Lastwagen passen würde. Damit könnte das System etwa auch in Kriegsschiffen eingesetzt werden. Der Reaktor soll Deuterium und Tritium als Brennstoff verwenden. Beides sind Varianten von Wasserstoff.

Weitere Details über das mögliche Aussehen der Energiequelle hat das Unternehmen im Internet noch nicht bekanntgegeben. Die Forschung sei von Lockheed Martin veröffentlicht worden, um potentielle Partner aus Industrie und Regierung für das Projekt zu gewinnen, sagte McGuire.

Eine unerschöpfliche Energiequelle

Sollte die Idee tatsächlich in die Tat umgesetzt werden, würde der Fusionsreaktor die Menschheit einen Schritt näher an eine unendliche Energiequelle bringen. Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffatome. Derselbe Vorgang läuft auch in der Sonne ab. Darin liegt der größte Unterschied zu herkömmlichen Atomkraftwerken. Diese basieren auf dem Prinzip der Kernspaltung, also der Spaltung von Atomen. Dafür verwendet man hauptsächlich Uran.

Iter Kernfusion Gelände

Der Fusionsreaktor ITER in Frankreich ist noch im Bau

Obwohl beide Prozesse eine enorme Menge Energie erzeugen, hat Fusionsenergie die Nase vorn. Der Nachschub an Wasserstoff als Brennstoff ist praktisch unendlich: Zum einen kann für die Herstellung Meerwasser verwendet werden. Zum anderen fällt bei der Kernspaltung radioaktiver Müll an, der gelagert werden muss. Das wäre bei der Kernfusion nicht der Fall. Der Fusionsbrennstoff enthält etwa zehn Millionen mal mehr Energie als fossile Brennstoffe, wie Öl oder Kohle.

Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher an der Entwicklung der Kernfusion. Bislang gibt es allerdings noch keinen kommerziell nutzbaren Fusionsreaktor. Für kurze Zeit sind Kernfusionen in Versuchsreaktoren der Princeton University in den USA und in Culham, Großbritannien geglückt. Zwei Fusionsreaktoren sind derzeit in Europa im Bau: Der ITER-Reaktor in Cadarache im Süden Frankreichs und der Wendelstein 7-X Reaktor in Greifswald. Der deutsche Forschungsreaktor soll erstmals 2015 ein Plasma erzeugen.

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