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Kultur

Ein friedlicher Kämpfer: der Dalai Lama

Der Westen setzt auf ihn, China will nichts mit ihm zu tun haben: Angesichts der gewaltsamen Proteste in Tibet richten sich die Augen einmal mehr auf den Dalai Lama.

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China wirft ihm vor, unter dem Deckmantel der Religion die Abspaltung Tibets zu betreiben. Dabei hat der 72-Jährige der Devise "Staatliche Unabhängigkeit um jeden Preis" längst abgeschworen und einen friedlichen Kompromisskurs eingeschlagen. Der im indischen Exil lebende buddhistische Mönch verlangt lediglich noch eine begrenzte Autonomie seines Volkes. Selbst will er dabei nur spiritueller Führer sein und nicht an der Regierung teilhaben.

Mit Blick auf die aktuellen Ausschreitungen in Tibets Hauptstadt Lhasa rief der Dalai Lama sein Volk erneut zum Gewaltverzicht auf. Freundlichkeit hat der Mönch, der weltweit als moralische Instanz angesehen wird, zu seinem obersten Prinzip erhoben. Dabei hat er selbst ein bewegtes Leben geführt, das von Flucht und Willkür geprägt war.

Gern gesehener Mediengast

Bereits als 15-Jähriger wurde er nach dem Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet 1950 eiligst auf den Thron gehoben. In den folgenden neun Jahren versuchte er, die Tibeter vor den Besatzern zu schützen. Aber 1959 schlug China einen Aufstand blutig nieder und brach sein Versprechen, den Tibetern Autonomie zu garantieren. Der damals 24jährige Dalai Lama floh mit seinem Gefolge über das Himalaya-Gebirge ins indische Dharamsala.

Hoch angerechnet wird dem Dalai Lama seitdem von allen Tibetern, dass er das weltweit verstreute Sechs-Millionen-Volk über die Grenzen hinweg zusammenhält. Um die Belange der Tibeter öffentlich zu vertreten, nutzt der stets in ein dunkelrotes Mönchsgewand und einen safrangelben Umhang gehüllte Mönch vor allem die Macht der Medien. Im Fernsehen ist er mit seinem verschmitzten Lächeln und den lebhaft durch die übergroße Brille funkelnden Augen ein gern gesehener Gast.

Wer kommt nach dem Dali Lama?

Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt am Sonntag, 23. Sept. 2007, im Bundeskanzleramt in Berlin den Dalai Lama

Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt den Dalai Lama

Auch Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt zeigen sich gern an seiner Seite - trotz Warnungen aus Peking. Im September empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste deutsche Regierungschefin den Dalai Lama im Kanzleramt und zog sich damit den Zorn Chinas zu.

Für seine Bemühungen um eine friedliche Lösung der Tibet-Frage wurde er 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Das Amt als buddhistisches Oberhaupt der Tibeter hat er inne, seitdem er denken kann: Bereits als Vierjähriger wurde der am 6. Juli 1935 als Lhamo Dhondrub geborene Sohn armer Kleinbauern als Inkarnation des Dalai Lama entdeckt. Im Februar 1940 zog der 14. Dalai Lama in den riesigen Potala-Palast in Lhasa ein und wurde fortan auf seine Rolle als buddhistisches Oberhaupt vorbereitet.

Große Sorgen machen sie viele Tibeter über die Zeit nach dem Tod des 72-Jährigen. China könnte sich in die Suche nach einem Nachfolger einmischen und einen Peking wohlgesonnenen Menschen auswählen, fürchten sie. 1995 hatte China bereits einen damals sechsjährigen Jungen festgenommen, den der Dalai Lama zum Panchen Lama - der zweitwichtigsten geistlichen Position in Tibet - bestimmt hatte. Peking wählte daraufhin einen eigenen Panchen Lama, der seitdem als Zeichen chinesischer Vorherrschaft in Tibet präsentiert wird. (wga)

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