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Wissen & Umwelt

Ein Feuer gegen die Elefantenwilderei

Jedes Jahr müssen zehntausende Elefanten wegen ihrer Stoßzähne sterben. Nun hat die kenianische Regierung damit begonnen, 105 Tonnen Elfenbein zu verbrennen. Die Wilderei dürfte dadurch jedoch kaum gestoppt werden.

Präsident Uhuru Kenyatta hat in einer medienwirksamen Aktion den ersten von insgesamt zwölf aufgetürmten Elfenbeinhaufen angezündet. Ein Haufen brennendes Elfenbein - das ist ein starkes Bild. Und es soll, so hofft die kenianische Regierung, eine Botschaft verbreiten: Afrika wird den illegalen Handel mit Elfenbein - der jährlich rund 35.000 Elefanten in Afrika das Leben kostet - nicht tolerieren.

Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio und Nicole Kidman waren eingeladen, an der Aktion teilzunehmen. 105 Tonnen Elfenbein - das sind siebenmal so viel wie die größten Vorräte, die jemals zerstört wurden. Dazu kommen 1,35 Tonnen Nashorn.

"Das ist eine sehr, sehr starke Botschaft", sagt Paula Kahumbu von der Naturschutzorganisation Wildlife im Gespräch mit der DW. "Es ist eine gute Gelegenheit, der ganzen Welt zu zeigen, dass der Elfenbeinhandel überall gestoppt werden muss. Und gleichzeitig ist es eine Ansage an die Menschen, die Elfenbein kaufen: Sie sollten sich schämen!"

Internationales Verbot

Vor 1979 gab es schätzungsweise 1,3 Millionen wild lebende Afrikanische Elefanten. Nachdem in den 1980er-Jahren die Nachfrage nach Elfenbein zunehmend anstieg, halbierte sich die Zahl der Elefanten innerhalb kurzer Zeit. Die internationale Gemeinschaft schob daraufhin 1989 dem Handel mit Elfenbein durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES einen Riegel vor. Die Konvention verbietet den Handel mit geschützten Arten und deren Produkten nach einem abgestuften System.

Afrikanische Elefanten (Foto: CC BY 2.0/Benh LIEU SONG).

Wilderer töten rund 30.000 Afrikanische Elefanten im Jahr

Kenias damaliger Präsident Daniel Arap Moi verbrannte schon vor Jahren als Zeichen gegen die Wilderei zwölf Tonnen Elfenbein, um der Welt zu zeigen, dass Kenia entschlossen gegen die Wilderei vorgeht. Es schien, als hätte CITES den Afrikanischen Elefanten gerettet: Die Nachfrage nach Elfenbein sank, die Bestände nahmen wieder zu. Aber heute - mehr als ein Vierteljahrhundert später - steht eine erneute Elfenbeinkrise bevor, sagen Umweltschützer.

Blutiges Elfenbein

Tom Milliken, Elefanten- und Nashorn-Experte bei der Tierschutzorganisation Traffic, sagt, es gebe bisher nur wenige Hinweise darauf, dass sich Elfenbeinverbrennungsaktionen positiv auf Wilderei und Handel auswirken. Der öffentlichen Aufmerksamkeit nütze es zwar sehr, sagt Milliken, "aber solange es nicht zusammen mit einer konkreten Verpflichtung, etwa Schutzgebieten, Strafverfolgung von Wilderen und der nötigen Unterstützung der Politik einhergeht, wird es keine Auswirkungen auf den Elfenbeinhandel haben."

Eines der größten Probleme ist die steigende Nachfrage nach dem "weißen Gold", als das Elfenbein in ganz Asien bekannt ist. Es ist ein Statussymbol. Wie in vielen Ländern ist der inländische Handel in China - ebenso wie in der EU - legal. Das Land bietet derzeit den größten legalen Elfenbeinmarkt. CITES erlaubt es Händlern, Elfenbein zu verkaufen, das vor Zustandekommen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gewonnen wurde. Allerdings gibt es viele Hinweise darauf, dass der legale Elfenbeinhandel es möglich macht, illegales Elfenbein quasi reinzuwaschen, um die Nachfrage auf dem Markt zu befriedigen.

Soldaten bereiten das Elfenbein zum Verbrennen vor. (Foto: DW/A. Wasike)

Jeder Handel mit Elfenbein macht es den Wilderern einfacher, noch mehr illegale Ware auf den Markt zu bringen

Die Nachfrage steuern

Im Jahr 2015 veröffentlichte die Tierschutzorganisation WildAid einen Bericht, wonach die Elfenbeinbestände Hongkongs eigentlich bis zum Jahr 2004 erschöpft gewesen sein sollten. Aber von den 670 Tonnen, die die Behörden zum Zeitpunkt des Verbots gelagert hatten, sind bis heute noch 111 Tonnen übrig.

Im vergangenen Jahr hatten China und die USA - dem Land mit dem zweitgrößten Elfenbeinmarkt weltweit - im Zuge einer Verbrennungsaktion in Beijing vereinbart, sich stufenweise vom Markt zurückzuziehen. "Wenn China dem Elfenbeinhandel absagt, werden Afrikas Elefanten davon vermutlich mehr profitieren als von allem anderen", sagt Milliken.

Gegen den Trend

Einige bezweifeln, dass sich Chinas Elfenbeinmarkt auf die weltweite Nachfrage auswirken würde, so wie John Frederick Walker, Autor von "Ivory Ghosts" (Anm. d. Red. "Elfenbein-Geister"): Er sagt, Elfenbein werde schon seit prähistorischer Zeit geschätzt - es sei keine "Modeerscheinung". "Die frühsten Schnitzereien, die jemals von Menschen gemacht wurden, stammen von Mammut-Elfenbein. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Nachfrage irgendwann völlig verschwindet." Walker befürwortet einen stark eingeschränkten und kontrollierten legalen Handel mit natürlich vorkommendem Elfenbein - dabei könnten Mikrochips und Datenbanken helfen. Das würde den Bedarf mehr als nur decken.

Märkte schwemmen

Viele Tierschützer argumentieren, dass ein legaler Elfenbeinhandel nicht funktioniere. Das hätte der einmalige Großverkauf von Elfenbein gezeigt. Solche Ausnahmen vom Handelsverbot gab es in den Jahren 1999 und 2008 in Japan und China: Damals durften die Länder legal Elfenbein aus Afrika importieren. Doch so würde lediglich eine Grauzone geschaffen, die den illegalen Handel bis heute anheizt.

"Die Idee war, den Markt zu überschwemmen, damit der Preis sinkt und die Wilderer keinen Profit mehr machen", sagt Wildlife-Direktor Kahumbu. Aber was dann geschah, hatten Umweltschützer bereits vorausgesagt. Wer Elfenbein nach China bringt, beseitigt ein Stigma: Elfenbein zu besitzen, wird salonfähig und vertretbar. Eine kurzweilige Preissenkung, führt dann "plötzlich zum Anstieg der Nachfrage - und der Preis explodiert", so Kahumbu. Zurzeit kostet nach Informationen der Naturschutzorganisation Pro Wildlife ein Kilogramm Elfenbein 1000 Euro. Ein ganzes Horn eines Nashorns über 50.000 Euro.

Naturschützerin Paula Kahumbu von WildlifeDirect. (Foto: DW/A. Wasike)

Paula Kahumbu beschreibt den illegalen Elfenbeinhandel als "globales Problem", das nicht ein Land alleine lösen kann

Bei einem Treffen zum illegalem Handel von Tieren sagte Will Travers von der Born Free Foundation, dass nach dem Verkauf im Jahr 2008 die Wilderei "eskalierte" und die Preise für Elfenbein "hochgeschnellt" seien.

Milliken stimmt zu: Elfenbein dürfe nicht auf dem Markt gebracht werden - in der Hoffnung, dass das die Preise drückt und den Handel stoppt. Was die Elfenbeinverbrennungen angeht, gebe es allerdings wenig konkrete Infos über die Auswirkungen. Wichtig sei es zu verstehen, wie die Preise entstehen, sagt er. "Wenn nach diesem Ereignis [in Kenia] die Elfenbeinpreise in China steigen, ist das ein wichtiger Indikator über die Auswirkungen solcher Aktionen auf den Markt."

Artenschutz ist der Schlüssel zum Erfolg

In einem sind sich Naturschützer, Ökonomen und Politiker einig: Es muss etwas getan werden, um den illegalen Handel mit Elfenbein zu bekämpfen und die afrikanischen Elefanten zu retten. Während Brit Reichelt-Zohlo, Afrika-Experte beim WWF Deutschland, zugunsten der Verbrennung der Elfenbeinvorräte argumentiert, sagt sie gleichzeitig, dass es noch effektiver wäre, das Elfenbein sofort zu zerstören, wenn es gefunden wird.

Noch besser wären Einsatzpläne und eine motivationsbasierter Tierschutz, die schon in einigen Ländern ins Leben gerufen wurden, sagt sie. Die Menschen vor Ort hätten so mehr Ansporn, sich für ihre Elefanten einzusetzen. "Die Einbeziehung der lokalen Gemeinschaften und den Blick auf dieses Problem aus einer globalen Sicht ist wirklich wichtig für Afrika", sagt sie. "Es gibt einige Beispiele, etwa in Namibia, die zeigen, dass solch integrierte Schutzmodelle tatsächlich funktionieren: Die Wilderei geht zurück, und die Tierbestände nehmen wieder zu."

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