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Nahost

Ein Festival voller Farben

Arabische Filme sollen auch international bekannt werden - das will das Internationale Nahost-Filmfestival in Abu Dhabi erreichen, das zum dritten Mal arabische Filme präsentiert.

Filmszene Son of Babylon (Foto: Filmfestival Abu Dhabi)

Ein Highlight in Abu Dhabi: "Son of Babylon"

"Ich bin glücklich, den Film hier zu zeigen“, sagt der irakische Filmemacher Mohamed Al-Daradji stolz. Der 31-jährige präsentiert zum ersten Mal beim Internationalen Nahost-Filmfestival Abu Dhabi einen Film, "Son of Babylon". In seinen Worten schwingt Erleichterung mit - Erleichterung darüber, dass die Arbeit nun vorbei ist. Gab es doch Momente, in denen bei ihm und seinem gesamten Filmteam die Tränen flossen. Zu sehr hat sie die Arbeit am Film an ihre eigene Geschichte erinnert. Jeder von ihnen hat Familienangehörige oder Freunde, die sie seit dem Golfkrieg vermissen, oder die in den Wirren der letzten Jahre ums Leben gekommen sind.

Mohamed Al-Daradji

Mit seinem ersten Film vertreten: Mohamed Al-Daradji

Die Protagonisten des Films sind eine Großmutter und ihr zwölfjähriger Enkel, die kurz nach dem Fall Saddam Husseins 2003 quer durch den Irak reisen, um den Vater des Jungen zu suchen. Dieser ist seit dem Golfkrieg 1991 verschwunden. Die Reise ist äußerst beschwerlich, und das Publikum fiebert mit, wenn die alte Frau und ihr Enkel immer wieder neue Hoffnungen schöpfen, ihn doch noch zu finden.

Filme zur interkulturellen Verständigung

Die finanziellen Mittel für den Film aufzutreiben, war alles andere als leicht, so Mohamed Al-Daradji. Er beschreibt die Zeit als "schöne Hölle“. Schön, weil er den Glauben nie daran verlor, seine Filmidee zu realisieren: "Ich glaube an Gott und daran, dass Gott wollte, dass dieser Film in die Tat umgesetzt wird.“

Filmszene Son of Babylon (Foto: Filmfestival Abu Dhabi)

Auf der Suche nach dem Vater: "Son of Babylon"

Al Daraji ist einer der Filmemacher, der die arabische Welt auf dem Festival vertritt. Über die Hälfte der Filme stammen aus dem Nahen Osten, während das Festival darüber hinaus international ausgerichtet ist. Die Absicht der Veranstalter ist, arabische Filme auch jenseits der arabischen Grenzen bekannt zu machen sowie umgekehrt eine Kinokultur im Nahen Osten zu fördern. Der Independentfilm ist bisher wenig verbreitet in den arabischen Ländern. Al-Daradji ist fest davon überzeugt, dass das Festival zudem zu einer größeren Verständigung zwischen Ost und West beitragen könnte.

Keine lange Kinotradition

Andere Filmemacher aus dem Nahen Osten sehen das aber eher mit Skepsis, wie zum Beispiel Ghassan Salhab aus dem Libanon, der auf dem Festival seinen Dokumentarfilm "1958“ präsentiert: "Vielleicht werden auf einer ganz niedrigen Stufe Brücken gebaut.“ Dem erst 2007 gegründeten Festival merkt man an, dass es noch keine lange Geschichte hat. Glanz und Glamour standen bisher im Vordergrund und nicht die Kunst. Ghassan Salhab teilt mit vielen Festivalbesuchern die Meinung, dass es seltsam ist, in einem Land ein Filmfestival zu veranstalten, in dem es kaum Filmemacher gibt und das über keine Kinogeschichte verfügt. Die Leute konsummierten bisher nur Hollywood- und Bollywood-Filme.

Middle East Film Festival Abu Dhabi (Foto: Filmfestival Abu Dhabi)

Glitzer, Glamour und arabische Filme in Abu Dhabi

Das solle sich durch durch das internationale Filmfestival ändern. Auch der sonst eher skeptische Ghassan Salhab sieht in dem diesjährigen Festival einen Fortschritt: „Dieses Jahr kann man wirklich von einem Filmfestival sprechen.“ Es sei so wichtig für die arabische Welt, einen Zugang zu dem zu bekommen, was das Kino ausmacht. Nämlich, dass es reichhaltig ist und voll verschiedener Farben.

Autorin: Tini von Poser
Redaktion: Sarah Mersch

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