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Musik

Ein Fest für sangesfreudige Kehlen

Fröhlich und vielstimmig ging es in Dortmund zu: Über 6500 Menschen machten am vergangenen Wochenende die Ruhrmetropole zur Chorhauptstadt Deutschlands.

Ergebnisbekanntgabe auf dem Platz von Amiens in Dortmund (Foto: Deutscher Musikrat/ Jan Karow)

Dichtes Gedränge herrscht auf dem "Platz von Amiens" vor einer Bühne mit Mikrofonen und Lautsprechern; unter den Wartenden sind auffallend viele Jugendliche, etliche mit Kapuzenshirts, leicht punkig gestylten Frisuren, Jeans, Turnschuhen und Piercings durch Ohren und Lippen. Die Stimmung ist gespannt und recht aufgekratzt: immer wieder kommen Gesänge und Klatschrhythmen auf. Doch nicht irgendwelche Fußballstars oder Popidole werden hier erwartet, sondern – die Ergebnisse des Deutschen Chorwettbewerbs.

Leistungsshow der Laienchöre

Chor der Mädchenkantorei am Freiburger Münster – 1. Preis in der Kategorie F. 2 Kinderchöre, gleiche Stimmen, bis 13 Jahren (Foto: Deutscher Musikrat/ Jan Karow)

Grund zur Freude

Zum diesjährigen 8. Deutschen Chorwettbewerb des Deutschen Musikrates waren 132 kleine und große Laienchöre angetreten, die zuvor schon die Landeswettbewerbe gewonnen hatten. Sie machten Dortmund für ein paar Tage zur Chorhauptstadt 2010. Und die Jury hatte ordentlich zu tun; denn insgesamt gab es in diesem Wettbewerb 15 Kategorien, die von Kinder-, Jugend-, Erwachsenen-, Frauen- oder Männerchören bis zu Vokalensembles in unterschiedlichen Besetzungen reichten. Angesichts der vielen Kinder- und Jugendchöre beim Wettbewerb sieht Projektleiter Helmut Schubach vom Deutschen Musikrat hier nicht so viele Nachwuchssorgen: "Was man vielleicht festhalten kann ist, dass es viel Fluktuation gibt in dem Bereich, aber das hat auch mit den Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen zu tun. Eher geht es in den Bereichen der großen Männer- und Frauenchöre etwas zurück, also die Chöre werden tendenziell eher kleiner. Aber ein generelles Nachwuchsproblem bei Chören kann ich nicht erkennen."

Interesse am Singen ist da

Höchstpunktzahl in der Kategorie G. 2 Jazz-vokal et cetera, mit Begleitung (Foto: Deutscher Musikrat/ Jan Karow)

Singin’ Off Beats

Nach wie vor sei Deutschland ein Chorland, meint Schubach; zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen gibt es über 60.000 Chöre mit rund 2,5 Millionen aktiven Sängerinnen und Sängern. Von der Qualität der Wettbewerbsteilnehmer in Dortmund ist Juryvorsitzender Jürgen Budday sehr zufrieden; zum einen sei das Niveau im Vergleich zum letzten Mal vor vier Jahren genauso gut und hoch gewesen, zum anderen habe man den jetzigen Wettbewerb um ein paar Kategorien erweitern müssen, um die gesamte Vielfalt der deutschen Chorlandschaft widerspiegeln zu können. Auch er sieht den Chorgesang in Deutschland nicht in der Krise, sondern wieder auf dem aufsteigenden Ast: "Wir hatten da gewisse Krisen im Bereich Kinderchöre, die sich auch durchaus im Wettbewerb noch zeigt", sagt Budday, "aber wir sind ja mit verschiedenen Maßnahmen dabei, diese Misere an den Kindergärten und Grundschulen und auch zum Teil schon in den Elternhäusern anzugehen und zu beheben, so dass wir da hoffen, dass sich das in einigen Jahren auch positiv auswirken wird."

Singen und mehr….

Während einige Chöre in gewohnt klassischer Formation auftraten, machten andere aus ihrem Auftritt geradezu eine Bühnenshow. Wie etwa die Sängerinnen der "Pfälzischen Kurrende", die die Kategorie Frauenchor gewannen. Für sie ist beides wichtig: breit gefächertes Repertoire und sichtbarer Spaß am Singen. "Vom Repertoire her singen wir so gut wie alles, also wir singen auch sehr viel zeitgenössisches, viele Volksliedbearbeitungen", sagt eine der jungen Sängerinnen mit lilafarbener moderner Kurzfrisur, "aber es kommt auch glaube ich gar nicht so darauf an, was wir singen, sondern erstens wie wir singen und zweitens wie wir aussehen beim Singen, denn das ist großartig."

Via-Nova-Chor München – 1. Preis in der Kategorie A. 2 Gemischte Chöre ab 41 Mitwirkende (Foto: Deutscher Musikrat/ Jan Karow)

Via-Nova-Chor München

Kaum einer der in Dortmund angetretenen Chöre ließ es an Repertoirevielfalt mangeln: Neben Klassik, zeitgenössischer Musik und Jazz waren selbstverständlich auch Volkslieder in unterschiedlichsten Arrangements vertreten. Allerdings versteht Helmut Schubach vom Deutschen Musikrat den Chorwettbewerb nicht nur als Wettstreit, sondern vor allem auch als Kontaktbörse, wo es auch zu Kooperationen zwischen den Chören kommt: "Also das ist einfach ein Treffpunkt, eine große Veranstaltung, wo viele anregende Dinge passieren und wo Kontakte geknüpft werden. Das ist so eine Art Messe, wenn man so will." Daneben dürfte auch der Erfahrungsaustausch unter den Chorleitern eine wichtige Rolle spielen. Gerade sie, sagt Juryvorsitzender Jürgen Budday im Hinblick auf die Zukunft des Chorwesens, hätten eine große Verantwortung; denn das Interesse an qualifiziertem Chorgesang sei ungebrochen in Deutschland: "Dort, wo gute Arbeit geleistet wird, wo Leute zugange sind, die etwas bewegen können, die ein Charisma haben, die Engagement zeigen, dort blüht das Chorwesen und dort hat man rege Nachfrage."

Autor: Klaus Gehrke

Redaktion: Conny Paul