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Globale Zusammenarbeit

"Ein ethischer Kapitalismus ist möglich!"

Was für Unternehmen als "Gewinnoptimierung" und für Kunden als "Schnäppchen" gilt, muss irgendwo bezahlt werden: Oft in Form von miesen Arbeitsbedingungen bei Produzenten oder Zulieferfirmen. Es geht aber auch anders.

Luftaufnahme Kongo (Bild: dpa)

Bei Rohstoffen aus dem Kongo bleibt die Herkunft oft undurchsichtig

"Wir wären gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so", das Zitat aus Bertold Brechts "Drei-Groschen-Oper" könnte auch auf multinationale Konzerne gemünzt sein. Soziale Verantwortung, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden gerne als Unternehmensziele genannt - umgesetzt werden sie allerdings nur von wenigen der Global Player. Dabei müssten gerade die Menschenrechte eine viel wichtigere Rolle spielen, sagt der UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechte und transnationale Unternehmen, John Ruggie: "Die allgemeinen Menschenrechte sind heute da, wo das Thema Umwelt vor 30 Jahren war." Damals habe keine Firma Umweltverträglichkeitsstudien in Auftrag gaben, heute dagegen täten das fast alle Unternehmen. Ruggi erkennt auch beim Thema Menschenrechte einen Wandel: "In 30 Jahren werden die meisten Unternehmen mit Studien über Menschenrechtsverträglichkeit arbeiten. Viele haben heute bereits damit angefangen."

Gutes Vorbild

Hewlett Packard-Zentrale in Böblingen (Bild: dpa)

Hohe Standards: Hewlett Packard

Eine der Firmen, die als Vorreiter auf dem Gebiet gelten, ist der Elektronik-Konzern Hewlett Packard. Recyclingprogramme für Elektronikschrott gehören ebenso zur Palette der selbst auferlegten Unternehmensverantwortung, wie die Überprüfung der Produktionsbedingungen bei den Zulieferern und im eigenen Konzern. Für die Elektronikfirma sind die Wege der Materialbeschaffung oft besonders schwierig nachzuvollziehen. Rohstoffe wie Gold, Zinn, Tungsten oder Tantalit werden zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo oft illegal abgebaut und helfen dort den blutigen Bürgerkrieg zu finanzieren. "HP hat dieses Thema bereits 2007 aufgegriffen", sagt Karl Daumüller, Chefauditor in Hewlett Packards deutscher Hauptfiliale in Böblingen bei Stuttgart . Daumüller ist zuständig für die Überprüfung der Sozialstandards bei den HP-Zulieferern. Der Konzern verfolge dabei konkrete Ziele, sagt Daumüller. Einerseits gehe es um die Nachverfolgbarkeit. HP lege Wert darauf, die Herkunft von Rohmaterialien oder Konfliktmineralien bestimmen zu können, erklärt der Auditor. Darüberhinaus unterhält der Konzern ein Auditprogramm für die Schmelzhütten und ein Zertifizierungssystem. Und das Unternehmen versuche, Einfluss auf die Politik und auf die Gesetzgebung zu nehmen, sagt Karl Daumüller.

Hohe Anforderungen an Zulieferer

Wenn das weltgrößte IT-Unternehmen Hewlett Packard Druck macht, zeigt das Wirkung. Rund 260.000 Menschen arbeiten weltweit in den Zulieferbetrieben von HP und sie werden in den Überprüfungsverfahren - den sogenannten Audits - zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Wer bei HP als Zulieferbetrieb arbeiten möchte, muss zunächst einmal Zertifikate, Berichte und Dokumente zur Prüfung vorlegen. Es gibt einen Fabrik- oder Firmenrundgang und die Angestellten werden direkt zu ihren Arbeitsbedingungen gefragt. Diese Interviews am Arbeitsplatz seien ein wesentliches Element der Audits", sagt Daumüller. "Die Arbeiterinterviews nehmen einen großen Stellenwert bei den Audits ein, weil man hier in der Regel wesentliche und gute Informationen bekommt."

Logo der ILO

Die Internationale Arbeitsorganisation setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein

Es geht also doch: Zu den größten multinationalen Konzernen zu gehören und trotzdem die Arbeitsnormen der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation, und die Umweltstandards zu erfüllen und nebenbei auch noch Gewinne zu erzielen. Denn das sind die Argumente, die oft zu hören sind, wenn es um die immer noch freiwillige Einhaltung der Sozial- und Umweltstandards geht: Der Preiskampf lasse es nicht zu, die Kontrollen seien zu teuer und zu kompliziert und außerdem seien Arbeits- und Menschenrechte eine interne Angelegenheit eines jeden Landes.

Maßnahmenkatalog für die Menschenrechte

Bei der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, lässt man solche Argumente nicht gelten: "Bei uns müssen die Kunden akzeptieren, dass sie internationale Standards im Umwelt- und Sozialbereich, einschließlich der Kernarbeitsnorm der ILO, akzeptieren. Das ist für uns nicht verhandelbar", sagt Bruno Wenn, Sprecher der Geschäftsführung der DEG. Wie andere nationale Entwicklungsgesellschaften und -banken, hilft die deutsche DEG Unternehmensprojekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Zu den Erfolgsstorys der DEG gehören Firmen wie der große afrikanische Mobilfunkanbieter Celtel und das ägyptische Vorzeigeunternehmen Sekem, das ökologische Nahrungs- und Heilmittel für den Weltmarkt produziert. Der Gründer, Ibrahim Abouleish, wurde 2003 dafür mit dem Alternativen Nobelpreis, dem Right Livelihood Award, ausgezeichnet.

John Ruggie (Bild: dpa)

Glaubt an einen 'ethischen Kapitalismus': John Ruggie

So lange jedoch, wie die Arbeits- und Sozialstandards nur freiwillige Standards und Empfehlungen der ILO bleiben, werden Unternehmen wie HP oder Sekem die Ausnahme bilden, fürchtet UN-Sonderbeauftragter John Ruggie: "Ist ein ethischer Kapitalismus möglich? Klar! Aber er wird sich nicht durchsetzen mit Subventionen und Regeln, die in die Gegenrichtung gehen." Der UN-Sonderbeauftragte Ruggie hat deshalb einen Maßnahmen-Katalog entwickelt. Der soll helfen, Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen präventiv zu verhindern und Opfern einen effektiven Rechtsschutz zu bieten. Eine zukunftsweisende Aufgabe für rund 80000 transnationale Unternehmen und 192 UNO Mitgliedsstaaten.

Autorin: Helle Jeppesen
Redaktion: Christine Harjes

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