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Kultur

Ein Dollar täglich gegen Aids

Aids ist unheilbar. Medikamente gibt es, doch die waren lange zu teuer. Jetzt dürfen arme Länder offiziell billige Nachahmer-Präparate kaufen. Denn das haben sie bitter nötig: Die Immun-Seuche breitet sich weiter aus.

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Selbst billige Nachbau-Medikamente sind für viele Infizierte unerschwinglich

Ende Oktober 2003 machte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton wieder Schlagzeilen. Die Stiftung, die seinen Namen trägt, hatte vier Arzneimittelhersteller aus Indien und Südafrika vertraglich verpflichtet, in armen Staaten Aids-Arzneien künftig für weniger als einen Dollar pro Tag und Patient bereitzustellen. Laut UN-Angaben brauchen fünf bis sechs Millionen Menschen in der Dritten Welt eine Aids-Behandlung - aber höchstens 300.000 bekommen sie. Niedrigere Kosten sollen dem Misstand abhelfen. In der reichen Welt, in der es viel weniger Infizierte gibt, werden fast drei Mal so viele Menschen versorgt.

Streit um die Nachbau-Erlaubnis

Um Aids-Arzneien wurde lange hart gekämpft. Noch im August 2003 wäre Clintons Vorstoß unmöglich gewesen. Bis dahin wurde nämlich in der Welthandelsorganisation (WTO) über den Patentschutz gestritten. Die Regierungen der USA und auch der Schweiz sträubten sich, grenzüberschreitende Lieferungen von billigen Nachahmerpräparaten (Generika) zuzulassen - in beiden Ländern gibt es einflussreiche Pharmakonzerne. Dabei gilt eigentlich schon seit 1995 als WTO-Grundsatz, dass die Urheberrechte der medizinischen Versorgung armer Länder nicht im Weg stehen dürfen.

Unterstützt durch weltweite Kampagnen von Organisationen wie Oxfam, "Ärzte ohne Grenzen" oder die Frankfurter Mediziner-Vereinigung "medico international" setzten sich die armen Staaten durch. Nun gibt es endlich Regeln für die Lieferung günstiger Generika von Entwicklungsland zu Entwicklungsland. Zum Beispiel hat die südafrikanische Firma Aspen die Erlaubnis, das Anti-Aids-Medikament "Viramune" vom deutschen Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim "nachzubauen" und in 14 südafrikanische Länder zu verkaufen. Das Patent will Boehringer allerdings behalten.

Anti-Aids-Aktion als Chance für Pharma-Firmen

Solche Vereinbarungen erschließen auch Firmen aus Ländern wie Indien, Brasilien oder Thailand neue Märkte - mit geringen, aber berechenbaren Profiten. Andreas Wulf von "medico international" begrüßt das: "Da ist sicherlich ein großes Potenzial für die Industrien der Dritten Welt, um substanziell stärker zu werden", sagt er.

In Sachen Arzneimittelpreise hat es für einzelne Schwellenländer schon vorher Fortschritte gegeben. Indien etwa ist mit dem Segen der WTO bis 2005 auf dem Binnenmarkt vom internationalen Patentrecht befreit. Also stiegen Pharmafirmen in die Produktion von Anti-Aids-Medikamenten ein. Die brasilianische Regierung wiederum brach Urheberrichtlinien auf eigene Faust – das Land argumentierte, medizinische Hilfe sei unbedingt notwendig.

Billig ist noch zu teuer

Das Ergebnis solcher Vorstöße war beachtlich. Anfang 2000 kostete der Pillenmix, der den Ausbruch der gefährlichen Immunschwäche aufhält, noch an die 12.000 Dollar im Jahr – mittlerweile sind es 300 Dollar. Clintons Initiative senkt die Kosten weiter auf rund 140 Dollar pro Patient und Jahr. Doch selbst der niedrige Preis von einem Dollar pro Tag und Patient entspricht in manchem Land bereits dem Durchschnittseinkommen der Bedürftigen.

Deshalb gibt es seit zwei Jahren auf Initiative der UNO den "Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria". Erste Projekte laufen. Allerdings kann der Fonds nur ein Drittel der rund zehn Milliarden Dollar jährlich mobilisieren, die - so schätzt die UNO - spätestens 2005 gebraucht werden, um Aids einzudämmen. Doch auf der internationalen Agenda steht Aids nicht mehr so hoch oben, warnt Wulf. Einzelne Länder würden dem Global Fund Gelder verweigern, weil sie aus taktischen Gründen lieber den USA im Irak helfen wollten: "Das hört man hinter den Kulissen schon."

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