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Fokus Südosteuropa

Ein Diktator auf Sonderwegen

Er hatte Stalin, Chrutschow, Mao, Breschnew, Andropow und Tschernenko überlebt und war derweil selbst 44 Jahre lang im Amt geblieben. Der Staats und Parteiführer Albaniens Enver Hoxha verstarb vor 25 Jahren.

Enver Hoxha mit geballter Faust (Foto: dpa)

20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und 25 Jahre nach seinem Tod am 11 April 1985 gibt es nicht viele in Albanien, die um Enver Hoxha trauern. Die Albaner haben heute andere Sorgen. Anders ist es im Ausland. Dort werden Albaner immer wieder nach Hoxha gefragt. Sein Name ist zum Inbegriff für eine Diktatur besonderen Typs geworden, die sich in paranoider Weise eingeigelt hat.

Statt Wohnungen ließ Hoxha überall im Lande Bunker bauen, deren Spuren bis heute zu finden sind - Eine Million davon baute sein Regime für etwas mehr als drei Millionen Einwohner. Sie wurden zum Symbol für den Wahnwitz eines Diktators, der den politischen Terror perfektioniert hatte. Hoxha stand für einen Kommunismus, den es in dieser Form nirgendwo anders gab. Hoxha war nicht nur für seine erzkommunistische Gesinnung und diktatorische Führung berühmt, sondern besonders auch dafür, dass er ein Meister war, die Beziehungen zu Verbündeten abzubrechen.

So brach er mit Titos Jugoslawien, mit der Sowjetunion und am Ende auch mit China, und geißelte diese Staaten als Abtrünnige von der reinen Lehre des Stalinismus. Dadurch führte er die Albaner in die totale Isolation und in bittere Armut. Sein Sozialismus sollte ohne Unterstützung der Außenwelt funktionieren und Beobachter mutmaßten, dass seine Fremdenparanoia mit seiner fortschreitenden Diabetes-Erkrankung immer weiter zunahm.

Die Abschiede von den "großen Brüdern"

Mit Unterstützung Jugoslawiens gründete Hoxha 1941 die Kommunistische Partei Albaniens, deren Vorsitzende er zwei Jahre später wurde und bis zum seinem Tod blieb. Der Bruch mit Jugoslawien schien bereits damals vorprogrammiert zu sein, da Hoxha für den von ihm erträumten Nationalstaat die Region Kosovo verlangte. Tito strebte jedoch eine Balkanföderation mit Bulgarien und Albanien an – unter Belgrader Führung.

Mao Tse-Tung begrüßt Nikita Chruschtschow in Peiping am 30.09.1959 (Foto: AP)

"Revisionist" trifft "Verbündeten" - Von Chruschtows Russland hatte sich Albanien bereits abgespalten. Von China folgte die Trennung erst nach Maos Tod

Dann wagte Hoxha den Bruch mit dem "großen Bruder", der Sowjetunion. Als Chruschtschow die Entstalinisierung einleitete, widersprach er. In Hoxhas Welt blieb Stalin bis zum Ende Maß aller Dinge. Heute streiten Historiker, ob dies nur ein Vorwand war um die Russen aus Albanien zu verweisen. Das Kalkül von ihm hätten die Schulden in Höhe von etwa 200 Millionen Dollar, gewesen sein können, von denen Hoxha sich befreien wollte.

China folgte als der nächste Verbündete. Fünf Milliarden Dollar war das Bündnis mit dem winzigen Albanien den Chinesen wert. Aber nach Maos Tod 1978 brach Hoxha auch die Beziehungen zu Peking ab. Er argumentierte, man könne die neue Politik Chinas nicht mitragen. Der Bruch mit China zwang Albanien wirtschaftlich in die Knie.

Ein ungewöhnlicher Besucher aus Deutschland als Hoffnungsschimmer

Mao Zedong begrüßt den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß 16.01.1975 in Peking (Foto: dpa)

Strauss hatte keine Berührungsängste mit politischen Gegnern wie Mao

Hoxha fand sich in einer Situation wieder, in der er auch nach Partnern Ausschau halten musste, die ihm ideologisch nicht ins Bild passten.

Im August 1984 empfing er Franz-Josef Strauß, der ihn mit einem unangekündigten Besuch überraschte. Noch zuvor hatte Hoxha den bayerischen Ministerpräsidenten in den Medien noch als Revanchisten bezeichnet. Für Albanien war es sehr ungewöhnlich, das zwei Männer aus strikt entgegen gesetzten politischen Lagern sich gegenüber saßen. Was sie damals besprochen haben, ist bis heute noch nicht völlig bekannt. Der Besuch wurde im Land streng geheim gehalten.

Kein Platz für Dissidenten

Außenstehende haben sich immer wieder die Frage gestellt, wieso die Albaner dem Regime widerstandslos gefolgt sind. Eine richtige Opposition oder Dissidentenbewegung, wie in anderen Osteuropäischen Staaten gab es bis zum Zusammenbruch des Systems 1990 nicht. Das lag einerseits an der Stammesstruktur der bäuerlich geprägten Gesellschaft, in der es selbst in Städten keine Anonymität gab, andererseits an der brutalen Repression.

Bis noch kurz vor seinem Tod hat Enver Hoxha selbst konsequent Säuberungs-Aktionen geleitet, bei denen zahlreiche Menschen, zumeist missliebig gewordene Politiker und Intellektuelle zum Tode verurteilt oder in die Verbannung geschickt wurden. Der Hoxha Kult in Albanien schlug sich allgegenwärtig in Spruchbändern und Plakaten nieder. Parolen aus Stein „Es lebe Enver Hoxha“ oder „Volk-Partei-Enver“ wurden in die Bergwände geschlagen und waren kilometerweit sichtbar.

Schlechter Student aus gutem Hause

Enver Hoxha wurde als Sohn einer Mittelstandsfamilie am 16 Oktober 1908 in der südlichen Stadt Gjirokastra geboren. Nach dem Abitur am französischen Lyzeum in Korça studierte er mit einem Stipendium des Königs Zog 1930 Naturwissenschaften an den Universitäten von Montpellier und Paris, wo er mit kommunistischen Ideen in Berührung kam. Wie von seinen albanischen Kommilitonen immer wieder berichtet wurde, hat er das Studium nicht bis zu Ende gebracht.

Am 20. Februar 1991 stürzen Demonstranten in Tirana das Enver Hoxha Denkmal (Foto: AP)

Das Volk stürzt den Diktator vom Sockel

1934 bis 1936 studierte er Jura in Brüssel und von dort aus wurde er Sekretär im albanischen Konsulat. Nach seiner Rückkehr nach Albanien arbeitete er als Französischlehrer in seiner ehemaligen Schule in Korça. Danach betrieb er einen Tabakladen in Tirana. Kurz nach der Invasion Albaniens durch italienische Truppen 1939 ging Hoxha mit Gleichgesinnten in den Untergrund und kämpfte, mit Titos Partisanen verbündet, gegen italienische und deutsche Besatzer. Zwei Jahre später war er Partisan und Mitbegründer der KP. Enver Hoxha war mit Nexhmije Hoxha verheiratet hatte zwei Söhne und eine Tochter. Am 11 April 1985 starb er in Tirana im Alter von 76 Jahren an Herzversagen.

Keine Reformen nach dem Tode

Trauernde am Grab Enver Hoxhas (Foto: Mimoza Dhima)

Nur noch wenige Nostalgiker feiern Hoxhas Todestag

Mit Hoxhas Tod hofften viele Albaner auf die Stunde der Öffnung. Immerhin hatte in der Sowjetunion zu dieser Zeit schon die Perestrojka begonnen. Dies geschah jedoch nicht. Hoxha wurde mit allen Ehren bestattet. Das Volk trauerte und weinte in aller Öffentlichkeit. Es folgten noch fünf Jahre der Isolation. Sein Nachfolger Ramiz Alia pflegte den stalinistischen Hoxha-Kult weiter und vertiefte ihn noch. Es wurden immer mehr Denkmäler gebaut. Das größte Stand im Zentrum der Hauptstadt Tirana. Erst im Dezember 1990, ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer stürzte das Volk ihn vom Sockel und schleifte sein Denkmal durch die Straßen von Tirana. Heute gibt es nur noch eine verschwindend kleine Gruppe der radikalen Linken und treu gebliebenen Verehrer von Hoxha, die an seinen Geburtstag und Todestag erinnern.

Autorin: Vilma Filaj-Ballvora
Redaktion: Fabian Schmidt