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Fokus Osteuropa

Ein deutsches Gymnasium im Kosovo

Rund 320 Schüler besuchen das vor einem Jahr in Prizren gegründete deutsche Gymnasium. Die Schule ist unter Albanern populär, doch Serben und Bosniaken zeigen wenig Interesse.

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Die Stadt Prizren unterstützt die Schule für alle Nationalitäten

Das deutsche Gymnasium "Lajola", das im September letzen Jahres in Prizren eröffnet wurde, wird in der gesamten Region Kosovo immer beliebter. Der Grund dafür ist die Aussicht auf ein deutsches Zeugnis und damit auch die Möglichkeit, an den Universitäten in Deutschland und in anderen Ländern Europas zu studieren.

Serben und Bosniaken zurückhaltend

Walter Happel, der Direktor des Gymnasiums, sagt, dass viele Eltern aus dem Kosovo sich seit langem so eine Schule gewünscht hätten. Happel hat die finanzielle Mittel für die Schule von verschieden Geldgebern gesammelt. Die Gemeinde Prizren stellte zehn Hektar Bauland zur Verfügung. Unterrichtet wird zurzeit in albanischer Sprache, aber die Lehrer hätten auch nichts dagegen, zusätzlich auf Serbisch und Bosnisch zu unterrichten, so der Schuldirektor. In den bosniakischen und serbischen Gebieten in Kosovo, herrscht allerdings in Moment kein großes Interesse, Kinder an dem Gymnasium anzumelden, weil die Schule als katholisch bezeichnet wird. Happel ist deswegen ein bisschen überrascht: "Ich war in Velika Hodza, Orahovac und Decani und auch in bosniakischen Gebieten mit dem Ziel, bei möglichst vielen Kindern Interesse für diese Schule zu wecken. Ich weiß nicht, warum die kein Interesse haben. Die Schüler, die nicht bei uns wohnen, zahlen monatlich 60 Euro und die, die in unserem Internat untergebracht sind, zahlen 150 Euro. Wir unterstützen zugleich jeden Schüler, der im Internat lebt, mit 1.000 Euro jährlich."

Direktor: "Wir sind keine religiöse Schule"

Das mittelfristige Ziel sei es, aus dem deutschen Gymnasium in Prizren eine Internatsschule für Kinder aller Nationalitäten zu schaffen, so Happel. Behauptungen von einigen muslimischen und serbischen Bewohnern, es handele sich um eine katholische Schule, weist er zurück: "Der Großteil der Lehrer in der Schule sind zwar Muslime, aber wir haben keinen Religionsunterricht. Wie kann dann diese Schule als religiös bezeichnet werden?", sagt Happel. Er wundert sich vor allem, dass so wenige serbische Schüler in dem Gymnasium angemeldet werden: "Ich denke, die Serben isolieren sich selbst. Dafür haben sie gar keinen Grund. Ihre Kinder können problemlos in diese Schule gehen und hier wohnen. Vor zwei Wochen sind zu uns einige Schüler aus Mazedonien gekommen. Ihre Eltern haben zuerst befürchtet, dass die Situation in Kosovo zu gefährlich sei, die Schüler sind aber trotzdem bei uns geblieben. Jetzt gehen sie regelmäßig in die Stadt und haben keinerlei Probleme, obwohl sie kein albanisch sprechen", sagt Happel.

Motivierte Lehrer

Das Gehalt des Schulpersonals in "Lajola" Gymnasium ist drei Mal so hoch wie das Einkommen von Lehrern in den kosovarischen Schulen. Deshalb seien sie auch viel motivierter bei der Arbeit mit den Schülern, sagt der Direktor. Schüler, die nicht im Internat leben, werden täglich mit einem schuleigenen Bus von zuhause abgeholt und nach dem Unterricht wieder nach Hause gebracht. Außerdem stellt die Schule für alle Schüler kostenlos Pausenbrot zu Verfügung.

Refki Alija
DW-RADIO/Serbisch, 28.11.2006, Fokus Ost-Südost