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Politik

Ein deutscher Werftengigant

Jetzt gibt es sie doch, die deutsche Lösung im Marineschiffbau. Zwei Jahre dauerte die Zitterpartie. Nun ließ sich Thyssen-Krupp doch breitschlagen und kauft die Kieler Traditionswerft HDW. Aber es gibt auch Risiken.

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Strahlende Zukunft für den deutschen Marine-Schiffbau?


Ernst-August Kiel schläft nun ruhiger. "Jetzt geht der Weg wieder zurück", freut sich der Betriebsratsvorsitzende der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW). Der deutsche Thyssen-Krupp-Konzern übernimmt die Traditionswerft. Eine Einigung mit dem bisherigen Besitzer, dem amerikanischen Investmentfonds OEP liege vor, hieß es im Kieler Unternehmen. Mit der Übernahme soll ein deutscher Werftgigant entstehen. Thyssen-Krupp bringt in das Geschäft die Deutschen Nordseewerke und Blohm & Voss ein. Zusammen mit HDW entsteht so der bereits vor drei Jahren anvisierte Werftenzusammenschluss im Norden. Ein Viertel der Anteile fließen zurück an OEP. "Wir haben jetzt die Chance, uns breiter aufzustellen", sagt Betriebsrat Kiel.

Lächelnder Investor

Mit dem Deal kommt eine der umstrittensten Übernahmeschlachten der vergangenen Jahre zu einem Ende. Als am 11. März 2002 der amerikanische Investmentfonds One Equity Partners (OEP) - eine Tochter der Chicagoer Bank One - ankündigte, die deutsche Traditionswerft HDW in Kiel zu übernehmen, ging ein Aufschrei durch das Land. Der Ausverkauf der deutschen Rüstungsindustrie an die USA schien sich abzuzeichnen. Zwar bekamen die Amerikaner den Zuschlag nur mit der Versicherung, nicht im Namen von Drittinteressenten die florierende Militärwerft übernehmen zu wollen. Doch schon bald nach dem Aufkauf durch einen internen Vermerk des Verteidigungsministeriums wurde bekannt, dass es bereits erste Gespräche mit der amerikanischen Waffenschmiede Northrop Grumman gegeben habe. Die EU-Kommission, die den Deal genehmigt hatte, reagierte verärgert.

Wie viel OEP seinerzeit für HDW ausgeben musste, will der Investmentfonds nicht verraten. Nur soviel: Für 240 Millionen Euro bekommt Thyssen-Krupp nun 100 Prozent der HDW. Daneben verpflichte sich der deutsche Konzern, 25 Prozent des viel größeren, noch zu schaffenden Dreier-Werften-Verbundes an OEP zurückzugeben. Experten vermuten, dass die Amerikaner 2002 knapp eine Milliarde Dollar für HDW bezahlen mussten - etwa 400 Millionen direkter Kaufpreis, plus 500 Millionen an finanziellen Verpflichtungen. Die Verpflichtungen soll OEP nun an Thyssen-Krupp weitergereicht haben. Damit hielte der amerikanische Investmentfonds unter dem Strich für 160 Millionen Euro ein Viertel am neuen deutschen Werftgiganten. Für die Amerikaner hat sich das Engagement damit mehr als gelohnt.

Nur Gewinner?

"Dass OEP weiterhin 25 Prozent hält, zeigt auch, dass OEP ein anderes Interesse daran hat", sagt Christopher Steinmetz, "zum Beispiel die Weichen zu stellen für einen Technologietransfer Richtung Amerika." Für den Rüstungsexperten des Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) sei das Geschäft viel zu sorgfältig geplant gewesen, als dass die Amerikaner nicht noch auf einen großen Mehrgewinn hofften. Eventuell könnten so die 25 Prozent nun doch noch an den amerikanischen Rüstungskonzern Northrop Grumman gehen. Insgesamt scheint es damit erst einmal nur Gewinner zu geben: OEP hat ein gutes Geschäft gemacht, Thyssen-Krupp nun doch über Umwege das deutsche Werften-Schwergewicht geschaffen und HDW einen soliden Konzern im Rücken bekommen. Ändern könnte sich dies allerdings dann, wenn eintritt, was Betriebsrat Kiel als "enorme Risiken" bezeichnet. Nämlich eine groß angelegte Konsolidierung des neuen Werftengiganten. Wenn die ersten Arbeiter vor verschlossenen Toren stehen, dann wird Kiel sicher nicht mehr ganz so ruhig schlafen können.

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