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Kultur

Ein deutscher Weltstar

Der lange Leidensweg des international geachteten Schauspielers Horst Buchholz ist zu Ende. Am Montag (3.3.2003) erlag er im Alter von 69 Jahren in Berlin einer schweren Krankheit.

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Horst Buchholz habe die "maximale ärztliche Therapie erhalten", es sei ihm aber nicht mehr zu helfen gewesen, sagte eine Krankenhaussprecherin der Berliner Charité. Der Schauspieler war erst Mitte Februar aus einer Reha-Klinik entlassen worden. Er litt seit längerem an Appetitlosigkeit und Magersucht. "Mein Mann will nichts mehr essen", sagte seine aus Frankreich stammende Frau Myriam Bru vergangenes Jahr. Im Oktober 2000 war Buchholz bei einer Theaterprobe zusammengebrochen. Im vergangenen Dezember hatte er sich zudem einen Oberschenkel-Halsbruch zugezogen.

Hollywood

Horst Buchholz

Das Archivbild von 1958 zeigt den deutschen Schauspieler Horst Buchholz in London

"Hotte" Buchholz gehörte zu den wenigen deutschen Filmschauspielern, die auch internationalen Ruhm erlangten und in Hollywood Erfolg hatten. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören die Streifen "Die glorreichen Sieben" (1960) mit Yul Brynner, Charles Bronson und Steve McQueen, die
Billy-Wilder-Komödie "Eins, zwei, drei" (1961) und "Die Halbstarken" (1956). Mit diesem Film gelang Buchholz nicht nur der Durchbruch; er prägt auch für Jahre sein Image des aufsässigen Jugendlichen, verschaffte ihm den Ruf des "deutschen James Dean". Zu Kinoerfolgen wurden auch "Mompti" mit der jungen Romy Schneider (1957), dieThomas-Mann-Verfilmung "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957) und "Das Totenschiff" nach B. Traven (1959).

1998 spielte der Schauspieler in dem in Cannes gefeierten Film "Das Leben ist schön" von Roberto Benigni einen KZ-Arzt. Seine markante Stimme ließ ihn außerdem in mehr als 1000 Filmen zu einem gefragten Synchronsprecher werden. Er verkörperte die Hauptrolle in "Marco Polo" und spielte schließlich in dem Wim-Wenders-Film "In weiter Ferne so nah" an der Seite von Heinz Rühmann, Peter Falk, Hildegard Knef und Bruno Ganz.

Klotzige Karriere

"Karriere kam klotzig über mich", sagte Buchholz einmal im Rückblick. Der künstlerische Durchbruch im Ausland gelang ihm 1959 mit der psychologisch differenzierten Rolle eines polnischen Seemanns in dem britischen Film "Tiger Bay" von Lee Thompson. Er spielte auch einen jungen schwermütigen Russen in Helmut Käutners "Himmel ohne Sterne" oder den paranoiden jungen König Christian in "Herrscher ohne Krone".

Selbstüberschätzung

Buchholz drehte Filme in Hollywood, England, Spanien, Italien und Frankreich, wo er auch seine Frau, die Schauspielerin Myriam Bru kennen lernte und 1958 heiratete. Über viele Jahre trat er kaum noch in Deutschland auf. Viel später räumte er ein, dass es falsch war, dem deutschen Film "so häufig Absagen zu erteilen" und dass er sich beim internationalen Film selbst überschätzt habe. In den 70er Jahren fand er Anschluss an das von ihm zunächst wenig geliebte Fernsehen, wo er allerdings mit seiner 1981 von der Schicksalsdeuterin "Madame Tessier" übernommenen "Astro-Show" weniger Glück hatte.

Buchholz kehrte immer wieder zum geliebten Theater zurück. Ende der 70er Jahre übernahm er am Berliner Theater des Westens die Rolle des Conferenciers in dem Musical "Cabaret" und spielte 1984 im Renaissance-Theater in den "Zwölf Geschworenen". Man sah ihn in den letzten Jahren, wenn auch zusehends geschwächt, immer wieder an der Spree, manchmal auch als "einfachen" Theaterzuschauer im Parkett. (dpa)