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Politik

Ein Deutscher in der Normandie

Ein Symbol für die endgültige Aussöhnung zweier Völker: Erstmals nimmt ein deutscher Kanzler an den Gedenkfeiern in der Normandie teil.

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Gerhard Schröder und Jacques Chirac

Natürlich hat es eine enorme symbolische Bedeutung, wenn 60 Jahre nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie, dem so genannten D-Day, nicht nur die Siegermächte diesen Tag feiern, sondern auch Deutschland als Kriegsgegner von damals eingeladen wird. Da ist es klar, dass der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder sich nicht nur gefreut hat, sondern auch sofort seine Zusage gab, als der französische Präsident Jacques Chirac ihn letztes Jahr vor Weihnachten zu den Feierlichkeiten in der Normandie einlud.

Zeichen der Versöhnung

Noch vor zehn Jahren, bei den 50-Jahr-Feiern, blieben die Alliierten des Zweiten Weltkriegs unter sich. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) wurde nicht eingeladen, was zu Verstimmungen zwischen Deutschland und Frankreich führte. 60 Jahre nach der Landung der Alliierten in der Normandie wird nun erstmals ein deutscher Regierungschef bei den Feiern dabei sein.

Er ist der erste deutsche Kanzler, der den Krieg selbst nicht bewusst erlebt hat: Schröder wurde 1944 geboren, wenige Wochen vor der Landung der Alliierten. Die Nachkriegszeit sei damit auch in dieser Frage überwunden, so meint der Sprecher der Bundesregierung Thomas Steg. Schröders Besuch wird als ein Zeichen der endgültigen Versöhnung aufgefasst. Bevor er die Einladung an den Bundeskanzler aussprach, habe Jacques Chirac sich mit den anderen Regierungschefs abgesprochen, weiß der Regierungssprecher zu berichten.

Internationale Gäste

Eingeladen sind die Staatsoberhäupter aus allen Ländern, die an der Landung teilnahmen oder diese unterstützten. 17 Staats- und Regierungschefs sind geladen, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin, US-Präsident George W. Bush , der britische Premier Tony Blair, Polens Präsident Aleksandr Kwasniewski, aber auch Queen Elizabeth II. Und natürlich werden viele Veteranen dabei sein.

Im Verlaufe des Tages gibt es Militärparaden, Kunstflüge der französischen Luftwaffe, daneben auch eine Reihe nationaler und binationaler Feiern auf den verschiedenen Soldatenfriedhöfen der Normandie. Am Abend findet dann eine deutsch-französische Zeremonie im Memorial von Caen - einem Friedensmuseum - statt. Bei dieser Gelegenheit wird auch Bundeskanzler Schröder das Wort ergreifen.

Lernen aus der Geschichte

Schon im Vorfeld betonte der Bundeskanzler die historische Bedeutung des D-Days. Die Landung der Alliierten an der französischen Küste habe die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus eingeleitet.

Sie sei ein Wendepunkt des Krieges gewesen, aber auch eine wichtige Wegmarke für die Entwicklung des heutigen, demokratischen Europa, in dem die Bundesrepublik eine verantwortungsvolle und allseits respektierte Rolle spiele. Schröder wörtlich: "Die Einladung zeigt, daß die Nachkriegszeit endgültig vorbei ist". Eine Lehre für heute sei freilich auch, daß man jederzeit kämpferisch für Demokratie und Freiheit eintreten müsse. (ac)

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