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Wirtschaft

Ein Deal am Fiskus vorbei

Volkswagen und Porsche schließen sich schneller zusammen als erwartet. Bereits zum 1. August will VW das Automobilgeschäft von Porsche übernehmen. Und dank eines Schlupflochs im Steuerrecht geht der Fiskus leer aus.

Ein Porsche 911 spiegelt sich im Porsche-Museum in Stuttgart in der Radkappe eines Volkswagen (Foto: dapd)

Porsche Volkswagen VW

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech setzt damit einen weiteren Meilenstein auf dem Weg, den weltgrößten Autohersteller zu schaffen. Die enge Kooperation der künftig zwölf Konzernmarken soll die Kosten deutlich senken. "Volkswagen und Porsche werden durch die Zusammenführung ihres operativen Geschäfts in Zukunft noch stärker - finanziell und strategisch", erklärte VW-Chef Martin Winterkorn.

Die Porsche-Holding, die bisher neben dem Sportwagenbauer Porsche AG auch gut die Hälfte der Volkswagen-Stammaktien besitzt, erhält von Volkswagen als Kaufpreis 4,46 Milliarden Euro und eine Stammaktie. Damit kann die hoch verschuldete Porsche-Holding ihre Verbindlichkeiten abbauen und hat sogar noch Geld für neue Investitionen übrig, die nach einer Satzungsänderung auch in Windkraftanlagen möglich sind.

Einsparungen von 320 Millionen Euro

Volkswagen stockt im Gegenzug seine Beteiligung am Autobauer Porsche AG auf 100 Prozent von bisher 49,9 Prozent auf. Die Marke Porsche werde zu einem "festen Bestandteil" des VW-Konzerns, begründete Winterkorn den Schachzug. Der Wolfsburger Konzern und die Porsche-Holding erwarten durch die beschleunigte Integration Einsparungen von rund 320 Millionen Euro, die sich beide Unternehmen brüderlich teilen wollen.

Allein wegen der Übertragung einer einzelnen VW-Stammaktie kommen die Konzerne bei der Transaktion steuerlich weitaus günstiger weg als zunächst kalkuliert. Das Finanzamt wird bei der Übernahme voraussichtlich leer ausgehen. Nach Abstimmung mit den Steuerbeamten in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Berlin ist klar: Statt als Umwandlung kann die Übernahme auch als Restrukturierung eingestuft werden - ohne steuerliche Nachteile für die Unternehmen, die Porsche und VW bisher bei der Eingliederung einkalkuliert hatten.

Dem Fiskus entgehen 1,5 Milliarden Euro

Steuerexperten hatten mit einem Ertrag aus Körperschaft-, Gewerbe- und Grunderwerbsteuer von bis zu 1,5 Milliarden Euro kalkuliert, wenn die Porsche AG mit milliardenschweren stillen Reserven im Gepäck rechtlich im Zuge einer Unternehmensumwandlung bei VW untergeschlüpft wäre. Steuerfrei wäre eine solche Umwandlung erst ab Mitte 2014 möglich gewesen. Die stillen Reserven müssen nun nicht zwingend aufgedeckt werden, steuerliche Belastungen "könnten vermieden werden", heißt es in einer Reuters vorliegenden Rechtsauskunft der Steuerbehörden in Stuttgart.

Die Porsche-Holding erklärte, aus dem Verkaufserlös sollten zunächst die bestehenden Bankverbindlichkeiten von zwei Milliarden Euro zurückgeführt werden. Der überwiegende Teil der danach verbleibenden Liquidität solle für den Erwerb von strategischen Beteiligungen mit Schwerpunkt entlang der automobilen Wertschöpfungskette verwendet werden. Sonderausschüttungen an die Aktionäre der Porsche SE seien nicht geplant.