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Kultur

Ein britisches Familienalbum

Sie mögen Großbritannien? Sie haben Platz im Regal und das nötige Geld? Kaufen Sie den "Oxford Dictionary of National Biography". Ob König, Künstler oder Krimineller - hier sind die auffälligsten Briten versammelt.

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190 kg Wissen - Schwerstarbeit für den Herausgeber

Anfang Januar 2004 geht in der Druckerei Butler & Tanner im westenglischen Frome ein gigantisches verlegerisches Unterfangen in die Endphase. Ende September sind die Monate des Druckens, Heftens und Bindens vorüber. Herausgeber Brian Harrison stellt das umfangreichste Nachschlagewerk in englischer Sprache der Öffentlichkeit vor: die Neuauflage des "Dictionary of National Biography" (DNB).

54.922 bedeutende Briten

Oxford Dictionary of National Biography

Zweieinhalb Jahrtausende britischer Geschichte in 60 Bänden

10.000 Autoren waren am Werk. Herausgekommen ist ein monumentales, wissenschaftlich fundiertes Werk. Der Inhalt: 54.922 Biographien von Männern und Frauen, die die Kultur und Geschichte der britischen Inseln, von Anbeginn bis zum Jahr 2000, beeinflusst und geprägt haben. 60 blaue Buckram-gebundene Bände mit mehr als 60.000 Seiten wurden gefüllt, um alle unterzubringen. 3,35 Meter sind nötig, um die rund 190 Kilogramm schweren Wälzer im Regal unterzubringen.

Von Aaron bis Zuylestein

Robert Maxwell, britischer Zeitungsverleger

Robert Maxwell, Zeitungsverleger und Schwindler in Personalunion

Der alphabetische Trab durch zweieinhalb Jahrtausende britischer Geschichte beginnt mit Aaron, Richard - einem 1901 geborenen und 1987 verstorbenen Philosophen - und endet mit Zuylestein, William Henry van - seinerzeit 4. Earl of Rochford, Adliger und Diplomat. Kurze Beschreibungen, wie John Nichols Tom, "Hochstapler und Irrer", John Boniot de Mainauduc, "Arzt und charismatischer Scharlatan" oder Friar Tuck, "legendärer Bandit", lassen den Leser beim ersten Blick schmunzeln.

Die britische Gesellschaft

Die Idee des "Dictionary of National Biography" geht auf George Smith, einen Verleger und Geschäftsmann zurück, der ursprünglich ein biographisches Universallexikon nach französischem Vorbild im Sinn hatte. Sein Herausgeber Leslie Stephen konnte ihn jedoch davon überzeugen, sich auf die britischen Inseln zu beschränken. Stephen wollte es auch nicht bei der Aufnahme respektierlicher Personen belassen, sondern ein Bild der britischen Gesellschaft darstellen, weshalb er neben Königen, Feldherren, Kirchenfürsten, Adligen, Pastoren auch Kriminelle aufnahm.

Vorliebe für Kurioses

Jomo Kenyatta

Jomo Kenyatta, Gegner des Empires, findet auch Erwähnung

Stephen hatte eine Vorliebe für kuriose Fakten. Und berichtete von Daniel Lambert, der bis zu seinem Tode 1809 ein Gewicht von 336 Kilogramm auf die Waage brachte und damit den Titel des beleibtesten Engländers seiner Zeit innehatte. Gleichzeitig fehlte auch der Hinweis nicht, dass der Amerikaner George Meredith damals stolze 447 Kilo wog. Auch erfährt man, dass das Gehirn von William Makepeace Thackeray 58 Unzen wog.

Veraltet, falsch und unvollständig

Die 38.607 Einträge der ersten Edition und der folgenden Ergänzungsbände wurden für die überarbeitete Fassung 2004 verändert und aktualisiert. Die Neuauflage setzt bewusst andere Akzente. So ist der Prozentsatz von Frauen, deren Leben porträtiert wird, von vier auf zehn Prozent gestiegen, Minderheiten, Gegner des britischen Empires, z.B. Nehru oder Jomo Kenyatta, oder die Arbeiterschaft werden verstärkt erwähnt. Zudem wurde das Lexikon mit Hilfe der National Portrait Gallery mit 10.000 Bildern von Personen, Gemälden und Plastiken bebildert.

Kein bloßes "Who is Who"

Lawrence von Arabien

Lawrence von Arabien, einer von 54.922 bedeutenden Briten

Die Kriterien für die Aufnahme in den Pantheon - insgesamt wurden 13.500 Biographien neu aufgenommen - haben sich jedoch nicht geändert. Jeder der Kandidaten muss tot sein (Stichtag: 31.12.2000) und einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben der britischen Inseln geleistet haben. Das DNB versteht sich nicht nur als Register des Establishments, sondern auch als Potpourri von notorischen und skurrilen Personen. Die Neuausgabe hat sich auch von schamhaften Umschreibungen wie "Er blieb unverheiratet", wie im Falle des homosexuellen Autors Lytton Strachey, freigemacht.

Ein Verlustgeschäft

Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf circa 25 Millionen Pfund (über 36 Millionen Euro). Lediglich 3,5 Millionen steuerte die öffentliche Hand bei, den Löwenanteil muss der Verlag Oxford University Press tragen. Und das ohne die geringste Hoffnung, Profit zu machen. Das DNB ist, wie schon sein Vorgänger, ein Verlustgeschäft, daran ändert auch der stolze Preis von 7500 Pfund - bei Bestellung bis Ende November kann man 1000 Pfund sparen - nichts.

Eine Alternative ist die Online-Version die gegen eine Gebühr von 195 Pfund zugänglich ist. Ergänzungsbände oder weitere gebundene Ausgaben sind nicht geplant, das DNB wird von jetzt ab nur noch im Internet aktualisiert werden.

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