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Sport

Ein Blitz, eine Rakete und ein neuer König

Gewitter waren angekündigt für diesen Donnerstagabend in Berlin. Und tatsächlich hat es wieder geblitzt. Usain Bolt stellte seinen zweiten Weltrekord auf. Nach den 100 Metern gewann er jetzt auch die 200 Meter.

Nur das Maskottchen Berlino Usian Bolt einfangen. Für den Rest der Welt war er zu schnell(Foto: AP/David J. Phillip)

Nur das Maskottchen Berlino konnte Usian Bolt einfangen. Für den Rest der Welt war er zu schnell

Usain Bolt beim Zieldurchlauf des 200m-Finales in Berlin (Foto: AP)

Zu schnell für diese Welt: Usain Bolt weiß selbst nicht, wo seine Grenzen liegen

Endlich war das Berliner Olympiastadion mal voll. 60.000 Zuschauer waren gekommen, um Zeuge eines Naturereignisses zu werden. Usain Bolt, das war allen klar, würde Gold über die 200 Meter gewinnen. Und Usain Bolt würde auch einen Weltrekord aufstellen. Aber wie deutlich würde er seine eigene Marke von 19,30 Sekunden, aufgestellt in Peking vor einem Jahr, unterbieten? Um Hundertstel? Um Zehntel? Am Ende waren es 0,11 Sekunden, die den neuen Bolt, vom alten Bolt trennten. Und von der Konkurrenz? Welten! Erst gut sechs Zehntel nach dem Jamaikaner kamen die keineswegs schwachen Alonso Edward aus Panama (19,81 Sekunden) und Wallace Spearmon (19,85 Sekunden) aus den USA an. Da hatte Bolt – das englische Wort für "Blitz“, schon ungläubig auf die Uhr geschaut. "Hier in Berlin ist es großartig. Das ist eine Super-Atmosphäre“, lobte der Supersprinter anschließend brav das Publikum. Aus seiner Sicht war das Finale perfekt terminiert. Bolt konnte danach nicht nur auf seinen zweiten Titel und seinen zweiten Weltrekord bei dieser WM anstoßen, sondern auch gleich in seinen Geburtstag hineinfeiern. Der Ausnahmesprinter aus Jamaika wird an diesem Freitag 23 Jahre alt. Eine ausschweifende Party hat er aber «nicht geplant», wie er sagte: "Ich will den Tag für mich haben und muss ja außerdem schon am Samstag wieder in der 4x100-Meter-Staffel laufen."

Bronze für die Weltrakete

Hochspringerin Ariane Friedrich überquert die Latt(Foto: AP)

Für die deutsche Goldhoffnung Ariane Friedrich reichte es diesmal nur zu Bronze

Ariane Friedrich galt aus deutscher Sicht als heißeste Goldkandidatin bei dieser WM. Eine "Weltrakete“ wollte sie zünden, den Titel im Hochsprung gewinnen. Aber es war nicht ihr Tag im Olympiastadion. Die 2,02 Meter meisterte sie erst im letzten Versuch, an 2,04 Metern scheiterte sie zweimal. Den Dritten hob sie sich für 2,06 Meter auf, riss aber auch hier die Latte äußerst knapp und musste sich mit Bronze zufrieden geben. "Der Druck war sehr, sehr groß als Weltranglisten-Erste“, meinte Ariane Friedrich nach dem Wettkampf. In Peking, bei den Olympischen Spielen, war sie an diesem Druck noch gescheitert und wurde nur Siebte. Daher freute sie sich über Rang drei "wahnsinnig“. Der Sieg ging an ihre Dauerrivalin Blanca Vlasic aus Kroatien mit übersprungenen 2,04 Metern, Silber gewann die Russin Anna Tschitscherowa, die die 2,02 Meter bereits im ersten Durchgang überquert hatte.

Zehnkampf-Titel für Hardee

Pascal Behrenbruch im Hürdenlauf den Zehnkampfs von Berlin (Foto: AP/Anja Niedringhaus)

Großer Schritt in die Weltspitze von Pascal Behrenbruch

Der neue König der Athleten kommt aus den USA. Trey Hardee legte einen fulminanten zweiten Tag hin und holte sich mit 8790 Punkten die Goldmedaille. Silber ging an Leonel Suarez aus Kuba (8640) vor dem Russen Alexander Pogorelow (8528). Gut schlug sich auch Pascal Behrenbruch. Der 25jährige lieferte bei der WM den besten Zehnkampf seines Lebens ab und wurde mit 8439 Punkten Sechster. Wäre er den 1500-m-Lauf 13 Sekunden schneller gelaufen, hätte es sogar zu Bronze gereicht. "Das war alle recht konstant, aber leider gab es von mir auch keine richtigen Ausreißer nach oben. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, die Konkurrenz mit ein paar Granaten zu schocken", sagte Behrenbruch, der zur Halbzeit noch auf Platz elf gelegen hatte. Er musste anerkennen: "Die Gegner waren saustark."

Die Hürden – eine Domäne der Karibik-Staaten

Terrence Trammell, Ryan Brathwaite und David Payne überqueren die Ziellinie im 110-m-Hürden-Finale fast zeitgleich (Foto: AP/Markus Schreiber)

Wer hat denn nun gewonnen?

Erst der Zielfilm gab Aufschluss darüber, wer der neue Titelträger über die 110 Meter Hürden ist. Wer genau hinsah, der konnte feststellen, dass Ryan Brathwaite von den Bahamas die Nase oder besser die Brust vorn hatte. Eine Hundertstel trennte Brathwaite vom US-Duo Terrence Trammell und David Payne, das sich zweitgleich Silber und Bronze sicherte.

Über 400 Meter Hürden lag mal wieder eine Jamaikanerin vorn. Die Olympiasiegerin Melaine Walker in der Weltjahresbestzeit von 52,42 Sekunden. Silber gewann Lashinda Demus (USA) in 52,96 vor Josanne Lucas (Trinidad &Tobago) in 53,20. Schneller als Walker war nur die Russin Julia Peschonkina bei ihrem Weltrekord 2003 in 52,34 Sekunden.

Der mit großen Hoffnungen gestartete Hallen-Europarekordler Sebastian Bayer ist bereits in der Weitsprung-Qualifikation ausgeschieden. Bayer, der im Winter bei der Hallen-EM in Turin 8,71 gesprungen war und als Weltranglisten-Vierter mit 8,49 m ins Olympiastadion gekommen war, landete nur bei 7,98 m und produzierte zudem zwei Fehlversuche. Ausgeschieden ist auch Nils Winter, der auf 7,69 m kam.

Aber der Deutsche Leichtathletik-Verband hat trotzdem noch ein heißes Eisen im Feuer. Betty Heidler war die Beste in der Hammerwurf-Qualifikation und will nun ihren Weltmeister-Titel am Samstag verteidigen.

Bericht: Tobias Oelmaier
Redaktion: Arnulf Boettcher

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