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Global Ideas

Ein Blick auf die Straßen der Zukunft

Neue Antriebstechniken, politische Ziele, Kaufverhalten: Der Automarkt ist von vielen Faktoren abhängig. Deutsche Forscher ermitteln mithilfe von Simulationen, was sich in 40 Jahren auf unseren Straßen bewegt.

Vehicles are stuck in a traffic jam during weekday rush hour in Beijing Monday, Jan. 10, 2011. (ddp images/AP Photo/Larry Downing, Pool)

Verkehr in Peking

Papa George liefert am Morgen seine Familie in der Stadt ab: Er fliegt in einer grünen Rakete quer über den Himmel, vorbei an Häusern, die zwischen Wolken ragen - erst über den Kindergarten, dann über die Schule und schließlich über das Einkaufszentrum. Anschließend steuert er wie alle anderen Bewohner von Orbit City das Flugzeug auf eine Landebahn vor seinem Büro, wo es sich zu einer handlichen Aktentasche zusammenfaltet. Bei den Jetsons ist das Alltag im Jahr 2062.

Foto: Modell für ein fliegendes Auto (Foto: CC BY 2.0: Alden Jewell/flickr.com)

Ein Modell für ein fliegendes Automobil aus dem Jahr 1968.

Zugegeben, die Macher der amerikanischen Trickfilmserie aus den sechziger Jahren haben bei dieser Zukunftsvision ihre Fantasie stark spielen lassen. 2062, das ist in fünfzig Jahren - aber Anzeichen vom alltäglichen Bild schwebender oder gar fliegender Fahrzeuge scheinen in weiter Ferne. Hover, Düsen oder Raketen werden so bald nicht auf den Straßen zu finden sein. Dennoch: Das Bild auf der Straße wird sich in den nächsten Jahren verändern.

Heute ist das Straßenbild zwar noch von Autos mit Verbrennungsmotoren bestimmt, aber sie bekommen schon jetzt Konkurrenz: Brennstoffzellen, Lithiumakkus oder Hybrid-Motoren bewegen sich auf den Markt. In ihrem Weißbuch Verkehr verlangt die EU-Kommission bis 2030 die Zahl konventionell betriebener Fahrzeuge zu halbieren, aus Städten sollen sie bis 2050 komplett verschwunden sein. Nur – welche Technologie wird dann in Zukunft das Straßenbild beherrschen? Welche Infrastrukturen wird sie mit sich bringen – Steckdosen, Ladestationen oder doch die bekannten Zapfsäulen?

Simulationen sollen Aufschluss geben

Um solche Fragen zu beantworten, haben Verkehrsforscher am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Stuttgart ein Computermodell erstellt. Vector 21 berechnet aus dem derzeitigen Kaufverhalten der Nutzer, den verschiedenen verfügbaren Antriebskonzepten und möglichen politischen Anreizen das Straßenbild der Zukunft. „Die Stärken des Modells liegen darin, dass es die Technologien detailliert abbildet und die damit verbundenen Kosten, sowie auch den Nutzer einbezieht“, sagt Stephan Schmid, Leiter des DLR-Projekts.

Foto: Eine elektronische Tankstelle am Straßenrand (Foto: CC BY 2.0: Richard Allaway)

Stehen bald überall elektronische Tankstellen am Straßenrand?

Dabei ist das Modell nicht starr, sondern dynamisch: “Man kann zum Beispiel testen, was wäre, wenn eine bestimmte Technologie subventioniert würde,“ berichtet der Verkehrsforscher. So testeten er und seine Kollegen beispielsweise ein Szenario, bei dem klimafreundlichere Antriebstechnologien für fünf Jahre subventioniert würden. Das Straßenbild ändert sich dadurch nur kurzzeitig: Für den Zeitraum der Subventionierung tauchen die alternativen Technologien auf, verschwinden danach aber wieder vom Markt, weil sie ohne Förderung für den Kunden zu teuer sind. 2030 wären nach wie vor drei Viertel aller neu gekauften Autos Hybrid-Fahrzeuge. Das sind alle Autos, die neben dem üblichen Verbrennungsmotor auch eine Batterie besitzen, die Bremsenergie speichern kann. Damit wird der Motor unterstützt und der CO2-Ausstoß verringert.

Nur langfristige Subventionen erzielen einen nachhaltigen Effekt

In einer zweiten Simulation rechnen sie mit strengerer Emissions-Einsparung von 54 Prozent, anstatt mit den von der EU festgesetzten 29 Prozent. Außerdem setzen die Forscher in diesem zweiten Szenario höhere und längerfristig angelegte Fördergelder für Autos mit Brennstoffzellen an. Das hätte deutliche Auswirkungen: 2030 würden keine Neuwagen mit Hybridmotoren mehr gekauft - stattdessen bestimmen Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge zu je 25 Prozent das Bild. Die andere Hälfte wären Elektroautos mit Range-Extender-Funktion - also Autos, die von einer Batterie angetrieben werden und nur für die energieintensiven Strecken einen Verbrennungsmotor brauchen.

Wie erfolgreich die CO2-Reduktion zukünftig sein wird, hängt demnach nicht nur vom technischen Fortschritt, sondern vor allem von politischen Entscheidungen ab: Wird Elektromobilität gefördert? Wie werden Verstöße gegen CO2-Ziele sanktioniert? Wie nachhaltig werden solche Aktionen durchgeführt?

Die Simulation der DLR-Forscher lässt sich nicht nur auf den deutschen Automarkt anwenden. „Im Detail rechnen wir zwar für Deutschland, aber das entwickelt sich ja nicht als Eiland, sondern ist ja in einen globalen Kontext eingebettet“, so Schmid. „Grundsätzlich ist seine lokale Anwendung davon abhängig, ob der Automobilmarkt gesättigt ist. In China beispielsweise entwickelt sich der Markt noch, sodass man gar nicht sagen kann, wie viele Autos es in 10 oder 20 Jahren überhaupt geben wird. Und zusätzlich kann dem Wachstum dort auch noch durch die Politik ein Riegel vorgeschoben werden.“

Eine Frage der Gewohnheit

Foto: Eine Steckdose (Foto: CC BY 2.0: Dominic Alves/flickr.com)

Ferne Zukunftsvision oder nahe Realität: Werden Autos bald per Strom aus der Steckdose aufgeladen?

„Im Grunde kann man damit rechnen, dass auch 2040 noch drei Viertel aller Autos mit Verbrennungsmotoren fahren, wenn man dazu auch die Hybrid-Fahrzeuge zählt“, schätzt Schmidt den Straßenverkehr der Zukunft abseits der Simulation ein. Dass der komplette Markt aus Elektrofahrzeugen bestehen wird, hält er für unwahrscheinlich: Zu kurz sein auch dann noch die Strecken, die man mit einer Batterieladung zurücklegen kann. Und: „Letztlich ist es auch eine Frage, wie schnell wir unsere Gewohnheiten ändern können – zum Beispiel wenn es darum geht, Autos an eine Steckdose zu schließen.“ Eine Vorstellung, die zwar so eher selten in Science-Fiction-Filmen dargestellt ist – aber stattdessen tatsächlich Realität wird.

Text: Caroline Ring
Redaktion: Gianna Grün

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