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Aktuell Deutschland

Ein Bienenstock für den Deutschen Bundestag

Das Imkern in der Stadt liegt im Trend. Nun macht auch der Bundestag mit. Die dort angesiedelten Bienen sollen nicht nur Honig produzieren und Pflanzen bestäuben, sondern auch ein umweltpolitisches Zeichen setzen.

Der neue Bienenstock für den Bundestag wird von Grünen-Politikerin Bärbel Höhn (r) und SPD-Politiker Martin Burkert vor gestellt (Foto: dpa)

Die "Bundestagsbienen" und die Initiatoren des Projekts, Bärbel Höhn (r) und Martin Burkert

Stadthonig aus dem Regierungsviertel: Der Bundestag hat sein eigenes Bienenvolk bekommen. Seit diesem Montag leben rund 50.000 Bienen samt Königin im Hof des Paul-Löbe-Hauses gleich neben dem Reichstagsgebäude.

Sie sollen noch in diesem Jahr kiloweise Honig produzieren und dazu im Berliner Tiergarten und der Flaniermeile Unter den Linden auf Sammeltour gehen. "Wir wollen darauf hinweisen, dass die Zahl der Insekten in Deutschland massiv abnimmt", sagte die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn (Artikelbild rechts), die gemeinsam mit ihrem SPD-Kollegen Martin Burkert (Artikelbild links) hinter der Initiative steckt. Früher habe man regelmäßig tote Insekten von der Windschutzscheibe geputzt, so Höhn. "Das ist heute nicht mehr nötig."

Ein Bienenstock als umweltpolitische Mahnung

90 Prozent aller Nahrungsmittel hingen an Bienen und Bestäubung, verdeutlichte Burkert. "Wir müssen klar machen, dass wir Bienen brauchen." Hauptursache für den Rückgang seien . Aus diesem Grund sammeln Bienen in der Stadt sogar besseren Honig als auf dem Land, sagt Benedikt Polaczek, der an der Freien Universität Berlin Bienenhaltung unterrichtet. Es werde weniger gespritzt und es gebe mehr Blütensorten.

Eine sterbende Biene auf einer Holunderblüte (Imago/Nature Picture)

Bienen und Insekten sind durch Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft gefährdet

Von der Idee, einen Bienenstock im Hof aufzustellen, waren allerdings nicht alle Mitarbeiter des Bundestags begeistert, unter anderen hatte auch Bundestagspräsident Norbert Lammert Bedenken. Doch ein Test mit 2000 Bienen im Hof des Abgeordnetenhauses im vergangenen Jahr klappte laut Höhn gut. Insbesondere seien die Sorgen vor Stichen zerstreut worden. "Die Bienen kommen nur dann rein, wenn man ein Honigbrot ans Fenster legt". Nach Angaben von SPD-Mann Burkert ist keiner der Mitarbeiter gegen Bienengift allergisch.

Bienen-Rettung in der Stadt ist en vogue

Trendsetter ist man damit im Bundestag zwar nicht. Die baden-württembergische Landesregierung blickt bereits stolz auf ihren eigenen "Regierungshonig". Auch auf dem Dach der Landesvertretung Brandenburgs in Berlin wurden vergangenen Juli die ersten 30 Kilo Honig geerntet. Doch klar ist: Bienen-Rettung ist en vogue, insbesondere als "urban beekeeping". Immer mehr Menschen halten . Und auch der Deutsche Imkerbund meldet seit acht Jahren steigende Mitgliederzahlen. Er mahnt allerdings, dass zur Bienenpflege mehr gehöre, als nur eine Behausung aufzustellen. Anfänger unterschätzten das immer wieder, sagte Präsident Peter Maske.

Nah-Aufnahme des Bienenstocks für den Bundestag (Foto: dpa)

50.000 Bienen samt Königin sind nun im Hof des Paul-Löbe-Hauses beheimatet

Für die Bundestags-Bienenzüchter gilt das nicht: Bienen-Experte Polaczek von der FU-Berlin war mit dem Testlauf in der vergangenen Saison sehr zufrieden. Bald könnte der Bundestag sogar zwei Bienenvölker haben, denn die Abgeordneten hoffen, dass die alte Königin sich mit einem Teil des Volks eine neue Bleibe sucht. Vorsorglich steht schon ein zweiter Stock bereit.

cw/kle (dpa)