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Sport

Ein aussichtsloser Kampf? - die Anti-Doping-Konzepte

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) führt nur noch Zielkontrollen durch und überrascht die Sportler im Training. Wenn der Kontrolleur klopft heißt es Wasserlassen auf Knopfdruck.

Ein Schild mit der Aufschrift Doping Controll Room bei der Fußball-WM 2006 (Foto: Gero Breloer dpa/lbn +++(c) dpa - Report)

Alles unter Kontrolle? Doping-Tests - wie hier bei der Fußball-WM 2006 - sind fester Bestandteil des Leistungsports. Hundertprozentige Sicherheit gibt es trotzdem nicht.

Die Sportler wussten, dass die Möglichkeit der Kontrolle besteht. Richtig abschreckend wirkte das nicht. Lange wurde per Los entschieden, wer kontrolliert wird. Die Wahrscheinlichkeit dem Test zu entgehen war somit sehr groß. Mittlerweile hat die Nationale-Antidoping-Agentur (NADA) reagiert: Seit diesem Jahr werden ausschließlich Zielkontrollen durchgeführt.

Im Blickpunkt steht jede einzelne Sportart. „Wann sind die Saisonhöhepunkte? Wann ist die Gefahr relativ groß, dass gedopt wird? Aber wir testen natürlich auch überraschend, wenn überhaupt keiner damit rechnet“, sagt die NADA-Sprecherin Ulrike Spitz.


9000 Dopingkontrollen in diesem Jahr

Die Zukunft der erfolgreichen Dopingkontrollen liegt in so genannten „intelligenten Tests“. Getestet wird auf Verdacht, vor großen sportlichen Highlights, nicht per Losentscheid. Die Anzahl der Tests wird sich 2008 im Vergleich zum Vorjahr beinah verdoppeln. Knapp 9000 Mal sollen deutsche Sportler in diesem Jahr Besuch im Auftrag der NADA erhalten. Mitarbeiter der Agentur PWC führen die Kontrollen durch. Ist die Entscheidung gefallen, einen bestimmten Sportler zu testen, wird der Kontrolleur auf die Reise geschickt.

„Zunächst vergewissert sich der Kontrolleur, dass er den richtigen Athleten hat, dann stellt er sich vor, zeigt seinen Ausweis und fordert den Sportler auf seinen Ausweis zu zeigen Er muss ja identifiziert werden. Dann müssen Protokolle ausgefüllt werden“, beschreibt Spitz das Vorgehen. Der Sportler sucht sich ein Kid aus, in das dann die Urinprobe kommt und überprüft, ob die Nummern auf dem Kid und dem Testbogen identisch sind. „Es muss alles übereinstimmen und der Sportler muss alles selbst überprüfen“ (Spitz).


Vor dem Kontrolleur die Hose runter

Sind die Formalien erledigt geht´s ab auf die Toilette. Dann heißt es: Runter mit der Hose und Wasserlassen, natürlich vor den Augen des Kontrolleurs. Ulrike Spitz: „Die Sichtkontrolle ist manchmal für den Sportler wirklich unangenehm, aber sie muss einfach sein, weil dort einfach Manipulationen möglich sind“. Also eine Hand an den Becher und die andere in die Höhe, so will es das Regelwerk.

Anschließend wird der Urin im Beisein des Sportlers in die sogenannte A und B-Probe aufgeteilt und auf dem schnellsten Weg ins Labor gebracht. Die B-Probe ist der Schutz für den Sportler. Ist die A-Probe positiv, kann der Sportler die B-Probe öffnen lassen. Lief alles korrekt, bleibt das Ergebnis gleich, denn der Urin stammt ja aus ein und derselben Probe.


Analysiert wird anonym

Sollte eine Probe positiv sein, informiert das Labor die NADA. „Wir wissen dann nur die Nummer, weil das Labor anonym analysiert. Wir entschlüsseln dann und schauen wer das ist“, erklärt Spitz. Dann wird überprüft ob eine Ausnahmegenehmigung vorliegt und ob alles nach den „international standards“ abgelaufen ist. Ist dies der Fall, informiert die NADA den Verband. Dann droht eine zweijährige Wettkampfsperre.

NADA-Sprecherin Ulrike Spitz ist froh über das verbesserte Kontrollsystem, sieht aber noch weiteren Handlungsbedarf. Bisher darf die NADA fast ausschließlich Trainingskontrollen durchführen. Bei Wettkämpfen testen die unterschiedlichen Sportverbände selbst. Ziel ist ein einheitliches Kontrollsystem in Deutschland.


Ungleiche Strafen

„Es ergibt einfach Sinn, wenn das alles in einer Hand ist. Man könnte dann eine noch effizientere Kontrollplanung vornehmen. Mann könnte wirklich auch an einem Abend vor einem Wettkampf noch testen“. Das kann die NADA im Moment nur bedingt, da die Wettkampfphase der NADA keine Tests erlaubt. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Anerkennung des seit Januar bestehenden Sportschiedsgerichts in Köln. Hier können Dopingverstöße unabhängig von der Sportart verhandelt werden.

Noch entscheiden in den meisten Fällen Verbandsgerichte über Strafen und Sperren. Eine ungerechte Praxis, da die Verbände unterschiedlich streng urteilen: Der eine sperrt den Athleten gleich für zwei Jahre, der andere lässt die eigene Medaillenhoffnung lieber mit einem blauen Auge davonkommen.

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